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domingo, 17. octubre 2021
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Vor 200 Jahren unterschreiben fünf Staaten die «Acta de Independencia de América Central»

Unabhängigkeitserklärung, aber keine Unabhängigkeit

Die fünf Länder Zentralamerikas lösten sich am 15. September 1821 von Spanien: Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras und Nicaragua erklärten ihre Unabhängigkeit. Im Vergleich zu anderen Regionen Lateinamerikas verlief der Weg zur Unabhängigkeit Zentralamerikas friedlicher.

D ie Unabhängigkeitserklärung von Spanien führte jedoch nicht sogleich zur politischen und wirtschaftlichen Unabhängigkeit der zentralamerikanischen Staaten, sondern war nur der Anfang eines längeren Prozesses. Dieser begann aber zweifellos mit der Unterzeichnung der «Acta de Independencia de América Central» am 15. September 1821 in Guatemala und ist eines der wenigen Ereignisse, die die heutigen Staaten Zentralamerikas noch miteinander verbindet. 

Erste Zeitungen und Aufstände

Neuspanien (1535–1821) war  das erste der fünf beziehungsweise vier Verwaltungsgebiete Spaniens in Lateinamerika, dem jeweils ein Vizekönig vorstand. Das Generalkapitanat Guatemala war während der spanischen Kolonialzeit, von 1568 bis 1821, eine Verwaltungseinheit innerhalb des Vizekönigreichs Neuspanien. Es umfasste die heutigen Staaten Guatemala, Belize, Honduras, El Salvador, Nicaragua und Costa Rica sowie den mexikanischen Bundesstaat Chiapas. 

Die politische Autorität lag bei der Real «Audiencia de Guatemala». Ab 1813 bildeten sich zwei Provinzen: Guatemala mit Chiapas, Honduras und El Salvador sowie die zweite Provinz Nicaragua und Costa Rica. Diese Teilung spielte eine große Rolle und drückte sich auch in den unterschiedlichen Reaktionen auf die Unabhängigkeitserklärung am 15. September 1821 aus. 

In der Zeit der spanischen Unabhängigkeitskriege bekleidete der spanische Offizier Antonio González Mollinedo y Saravia das Amt des «Capitán general» (von 1801 bis 1811). Aufgrund der Unruhen in Mexiko wurde er 1811 dorthin abberufen, um gegen die Unabhängigkeitskämpfer vorzugehen. Sein Nachfolger wurde José de Bustamante y Guerra, Generalleutnant zur See, der von 1811 bis 1818 in Zentralamerika jegliche Unabhängigkeitsbewegung mit Gewalt unterdrückte. 

In dieser Zeit wurden die ersten Zeitungen gegründet: «El Editor Constitucional» und «El Genio de la Libertad», herausgegeben vom Arzt und Politker Pedro Molina, und «El Amigo de la Patria» von dem Philosophen, Politiker und Journalisten José Cecilio del Valle. Es kam zu mehreren Aufständen und Verschwörungen, die aber José de Bustamante y Guerra zu unterdrücken verstand. So erhoben sich am 5. November 1811 in San Salvador die zwei Priester José Matias Delgado und Nicolás Aguiler mit einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter, um die Unabhängigkeit voranzutreiben. Zwar scheiterten sie, aber der Kirchenrechtler Delgado spielte auch später eine entscheidende Rolle bei der Erklärung der Unabhängigkeit. So unterschrieb er als Abgeordneter El Salvadors im Provinzrat von Guatemala am 15. September 1821 die Unabhängigkeitserklärung, leitete im Juli 1823 als Präsident den Nationalkongress und wurde 1824 zum ersten Bischof des Bistums San Salvador ernannt.  

Bustamante, Urrutia und Gaínza

José de Bustamante begann in Guatemala 1811 noch unter dem Titel eines Gouverneurs des Königreiches von Guatemala und als Generalhauptmann der «Capitanía general de Guatemala» zu regieren. Mit der Rückkehr zur absolutistischen Monarchie im Jahre 1814, die zum Widerruf der Verfassung von 1812 führte, nannte sich José de Bustamante wieder Gouverneur des Königreiches von Guatemala. Die Änderungen der Amtstitel sind ein Zeugnis der wechselhaften Politik dieser Zeit. 

Ihm folgte dann der Generalleutnant des Heeres, Carlos de Urrutia y Montoya (1750-1825). Die Amtszeit von Carlos de Urrutia, von 1818 bis 1820, zeichnet sich durch eine friedliche Periode aus, was auch daran lag, dass er den Anhängern der Unabhängigkeitsbewegungen mehr Freiraum gewährte und daher größere Spannungen ausblieben. Probleme machten sich jedoch am Golf von Honduras bemerkbar, wo Piraten den Handelsverkehr bedrohten. Mit der Wiedereinsetzung der Verfassung von Cádiz (1820) wurde Carlos de Urrutia zum «Jefe Político Supremo» der Provinz Guatemala. Am 26. Juni wurde auf die Verfassung der Eid abgeleistet. Daraufhin errichtete er am 1. September erneut die «Diputación Provincial» (Provinzialrat), die seit 1814 mit der Rückkehr der absolutistischen Monarchie aufgelöst war. Carlos de Urrutia y Montoya war zunehmend körperlich angeschlagen. Schließlich übertrug er am 9. März 1821 die Leitungsgewalt an den Brigadier Gabino Gaínza. 

Teilung in Provinzen

Mit der Wiederherstellung der «Cortes de Cádiz» wurde auch wieder die Trennung zwischen den zwei alten Provinzen des Königreichs von Guatemala vorgenommen. Am 8. Mai 1821 schließlich wurde Guatemala in vier neue Provinzen geteilt: Ciudad Real de Chiapas, Guatemala, San Salvador – so nannte sich nun El Salvador von 1821 bis 1824 – und Comayagua (Honduras). Nach der Unabhängigkeitserklärung am 15. September 1821 teilte sich auch die Provinz Nicaragua und Costa Rica in zwei von einander unabhängige Provinzen. 

Gabino  Gaínza hatte die Regierung nur übergangsweise vom 9. März bis zum 15. September übernommen, als die Provinz Guatemala ihre Unabhängigkeit von Spanien erklärte. Danach führte er zwar noch die Staatsgeschäfte fort, war nun aber der Präsident der «Junta Provisional Consultiva de Centroamérica», also der Präsident eines vorläufigen beratenden Rats bis zur Einberufung des verfassunggebenden Kongresses am 2. Januar 1822 vorgesehen war.   

Rivalitäten 

Dazu kam es dann aber nicht mehr. Zunächst nahmen nicht alle Provinzen sogleich die Entscheidung des Provinzialrats von Guatemala an. Sie befürchteten militärischen Druck aus Neuspanien, das sich bereits am 24. August 1821 im Vertrag von Córdoba von Spanien unabhängig und zum Kaiserreich Mexiko erklärt hatte. In Nicaragua entstanden sogar regelrechte Rivalitäten, so etwa zwischen den Städten León und Granada. Costa Rica war besorgt um seinen Tabakhandel. Auch San Salvador vertrat eine eigenwillige Position. Republikaner und Monarchisten standen sich mit gegensätzlichen Auffassungen gegenüber. Ein anderer Konflikt entwickelte sich um die zukünftige politische und wirtschaftliche Struktur Zentralamerikas. 

Zentralamerika wurde zunächst im Laufe des Jahrs 1822 von Mexiko annektiert. Aber bereits ein Jahr später trennten sich die zentralamerikanischen Provinzen nach dem Sturz des Kaisers Augustin I. und dem Ende des «Ersten Mexikanischen Kaiserreiches» wieder von Mexiko. Die Bildung eines Bundesstaates «Repúlica Federal de Centroamérica» in Anlehnung an die USA bestand nur bis 1840 und führte schließlich zur Bildung von unabhängigen Einzelstaaten, wie wir sie heute kennen. 

Alle Versuche, wieder eine Konföderation zu bilden oder eine engere Zusammenarbeit zwischen den zentralamerikanischen Staaten zu erreichen, scheiterten. Die zentralamerikanischen Länder entwickelten sich in den folgenden zwei Jahrhunderten sehr unterschiedlich, aber sie haben ähnliche Probleme zu meistern, wie Gewalt und Krieg, Korruption und Armut sowie Naturkatastrophen als Folgen des Klimawandels. Das 1991 gegründete Zentralamerikanische Integrationssystem (Sistema de la Integración Centroamericana, SICA) soll die internationale Zusammenarbeit fördern, ist aber bisher noch weit davon entfernt, einen Staatenbund zu bilden.

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