Inicio Magazin Geschichte José Miguel Carrera – Zum 200. Todestag (Teil 3)

José Miguel Carrera – Zum 200. Todestag (Teil 3)

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Das Schicksal wendet sich

Die verbesserte Ausstattung und Modernisierung des Militärs erwiesen sich schon bald als notwendig: Am 31. März 1813 erhielt José Miguel Carrera die Nachricht, dass eine spanische Militärexpedition unter dem Kommando des Admirals Antonio Pareja in San Vicente eingetroffen sei. José Miguel übernahm die Leitung des Heeres.

Ab dem 1. Juli 1814, drei Monate vor der vernichtenden Niederlage der Patrioten in Rancagua, leitete Carrera nochmals für einige Wochen die Regierung der «Patria Vieja». Es begann nun die Zeit der Unabhängigkeitskriege, die sich bis zum Januar 1826 mit dem Fall der letzten Bastion der Royalisten in Chiloé hinziehen sollte. 

Zwischen Carrera und O’Higgins entwickelte sich eine zunehmende Rivalität. Nach anfänglichen Erfolgen gegen die spanischen Truppen im Süden, konnte José Miguel nach der «Überraschung von El Roble» («sorpresa de El Roble») am 17. Oktober 1813 in letzter Minute seine Gefangennahme abwenden, wobei O’Higgins dann doch noch die Spanier bezwang. Carrera wurde entmachtet und der Oberbefehl des chilenischen Heeres im Januar 1814 an Bernardo O’Higgins übertragen.

In Santiago führte er dann seinen dritten Staatstreich durch. Der Director Supremo Francisco de la Lastra hatte zum wiedereingesetzten König Fernando VII. seine Loyalität bekundet. So übernahm er am 23. Juli 1814 mithilfe seiner Brüder und dem Priester Julián Uribe die unabhängigkeitsgesinnten Truppen. Im August 1814 richtet er sich an den Vizekönig von Peru mit den Worten: «Chile will seine Freiheit, seine Unabhängigkeit oder aber den Tod».

Exil in Argentinien

Nach der Absetzung der Regierung von Lastra führt nun eine Regierungsjunta aus Uribe, José Miguel Carrera und Manuel Muñoz Urzúa die Staatsgeschäfte. José Miguel musste sich nun militärisch gegen seinen Rivalen O’Higgins durchsetzen und vermochte ihn am 26. August in der Schlacht von Las Tres Acequias zu schlagen. Da aber Concepción nun von den Spaniern eingenommen wurde und diese gegen Santiago vorrückten, begruben die beiden Generale ihren Konflikt und vereinten ihre geschwächten Armeen gegen den vorrückenden Feind. Statt der vorgesehenen Taktik hatte O’Higgins die chilenischen Truppen in Rancagua zusammengezogen, die dann von den Spaniern umzingelt wurden und am 2. Oktober das «Desaster von Rancuagua» herbeiführten. 

Nach dieser Niederlage flohen viele chilenische Patrioten nach Mendoza, wo zu der Zeit José de San Martín regierte. Er stand als Mitglied der Lautaro-Loge O’Higgins nahe, den er dann auch als Verbündeten empfing. Die Carreras aber wurden als Rivalen angesehen und daher nach Buenos Aires geschickt. Carlos María de Alvear, ein Freund Carreras aus den Zeiten des Unabhängigkeitskriegs gegen Napoleon in Spanien, hatte als Nationalheld am 9. Januar 1815 die Macht in Argentinien übernommen. Als Alvear aber am 15. April zurücktrat, musste José Miguel fliehen. Als «Exil» boten sich die USA an, da er auf die Unterstützung seines ehemaligen US-Konsuls in Santiago, Poinsett, rechnen konnte.

USA und Montevideo

In den USA vermittelte Poinsett Kontakte zum Präsidenten James Madison und zum Staatssekretär James Monroe, zudem traf er sich in New York mit dem exilierten Joseph Bonaparte und französischen Generälen, die sich an seine Taten in Spanien erinnerten. Commodore David Porter vermittelte Carrera Kontakte zu Militärs aus Nordamerika und Europa, sodass er die Mittel für vier Schiffe, Soldaten, Waffen und militärische Ausrüstungen erlangte, um die Befreiung Chiles und Südamerikas zu erkämpfen. Mittlerweile wurde sein Vater auf die Insel Juan Fernández verbannt und der Familienbesitz beschlagnahmt. 

Nach knapp eineinhalb Jahren in den USA fuhr er zurück nach Buenos Aires, wo er am 9. Februar 1817 mit seiner kleinen Flotte landete. Inzwischen hatte San Martín die Anden überquert und konnte in der Schlacht von Chacabuco am 12. Februar 1817 einen entscheidenden Sieg gegen die Spanier verbuchen.

In Buenos Aires wurde Carrera vom Direktor Supremo der Vereinigten Provinzen des Rio de la Plata, Juan Martín de Pueyrredón, aufgehalten, und er sollte seine Flotte den Männern von San Martín unterstellen. Carrera aber weigerte sich, sodass man die Weiterfahrt seiner Schiffe verbot. Als daraufhin Carrera ohne Genehmigung aufbrechen wollte, wurde seine Flotte festgesetzt und Carrera am 29. März 1817 auf einer Fregatte inhaftiert. Es gelang ihm durch die Hilfe des US-Gesandten zu entkommen und nach Montevideo zu flüchten. Dort nahm er Kontakt zum Baron de la Laguna, dem General Carlos Federico Lecor auf, der Kommandant der brasilianischen Besatzungstruppen, und schloss mit ihm eine enge Freundschaft. In Montevideo begann Carrera Berichte zu schreiben und zu veröffentlichen, um seine Sache zu verbreiten.

Tod der Brüder und des Vaters

Seine Flotte war Teil der ersten Geschwader für Argentinien und Chile. Zwei Schiffe fuhren nach Chile, um die modernen Waffen, die Carrera in den USA erhalten hatte, nach Chile zu bringen. Die Schlacht von Maipú konnte mit diesen Waffen und Ausrüstungen gewonnen werden. Die Flotte Carreras hatte daher auch hier wesentlich zur Erlangung der Unabhängigkeit Chiles beigetragen. Die Schiffe dienten dann auch in der Befreiungsexpedition nach Peru. 

Am Vorabend des «Desasters von Cancha Rayada» (19. März 1818), der Niederlage der Patrioten unter San Martín gegen die Spanier, erfuhr José Miguel Carrera von der Ermordung von Manuel Rodríguez in Tiltil, der seines Vaters sowie der Gefangennahme und Erschießung seiner beiden geliebten Brüder. Sie sollen eine Verschwörung gegen O’Higgins angezettelt haben. Er erfuhr auch, dass O’Higgins seinem Vater den Prozess gegen seine Söhne und deren Erschießung in Rechnung gestellt hatte. 

Carrera entschied, die Lautaro-Loge und die Regierungen von Chile und Argentinien zu stürzen. Er unterstützte und koordinierte daher von nun an die föderale Revolution der Provinzen gegen die zentrale Regierung. Er erfuhr dann ebenfalls von der Erschießung seiner französischen Freunde Ronent und Lagresse in Buenos Aires. 

1818 erhielt er eine diplo-matische Mission aus den USA, die von Teodor Bland geleitet wurde und ihm einen offiziellen Brief der Regierung überreichte, in der Minister David Porter das Scheitern der Befreiungsflotte bedauerte und anfügte: «Ich habe Kenntnis von allen Intrigen, die man gegen Sie ausgebrütet hat, und über die Lügen und Verleumdungen, die man über ihren Charakter in diesem Land (USA) verbreitet hat. Aber dieses bleibt unversehrt. Wo man jemanden findet, der Sie verleumdet, findet man tausende, die sie gegenüber den abscheulichen Behauptungen ihrer Feinde verteidigen. Das führte dazu, dass Sie bekannter bei der Regierung und dem Volk der USA wurden und umso mehr man von ihnen erfährt, umso mehr schätzt man ihren Charakter». Man würde ihn in diesem Lande als einen «Vorkämpfer der Freiheiten Südamerikas» betrachten und man würde nur ihm einen glücklichen Ausgang dieser Revolution zutrauen. Der Brief führt fort: «Ich hoffe, meinerseits, sowie seitens unseres Kabinetts, ein unabhängiges Chile mit einer vom Volk gewählten Regierung zu sehen, und meinem sehnlichsten Wunsch entsprechend, dass diese Wahl auf Sie fällt.» Die USA setzte also auf Carrera und erkannte seine Führungsqualitäten an und nicht nur für Chile, sondern für den gesamten Kontinent. 

Auslieferung und Hinrichtung

Er führte seine Publikationen von Montevideo aus weiter fort und deren Verbreitung beunruhigte zunehmend die Lautaro-Loge in Argentinien und Chile. Zudem gelang es Carrera und den föderalistischen Truppen Einheiten der San-Martín-Regierung zu besiegen und siegreich in Buenos Aires einzuziehen. Am 23. Februar 1820 wurde das föderale System Argentiniens im Vertrag von Pilar besiegelt. Carrera wurden Truppen und Gelder zugeteilt, mit denen er im Februar 1821 in Richtung Chile marschierte. Als ihm die Gouverneure der Provinzen von Córdoba und San Luis den freien Durchzug verweigerten, akzeptierte Carrera dies nicht. Zunächst trug er einen Sieg über den General Juan Bautista Bustos davon und nahm San Luis ein.

Sein Glück aber verließ ihn, als ihn am 30. August 1821 Truppen unter dem Kommando von Oberst José Albino Gutiérrez bei Punta del Medano schlugen. Der Rückzug Carreras auf Jocoli endete in einer Meuterei seiner Truppen, die ihn gefangen nahmen und an den Oberst Gutiérrez auslieferten. In Mendoza wurde er dann in einem Schauprozess zum Tode verurteilt und am 4. September auf der Plaza erschossen.

Am Ende war er ein Opfer der Rivalitäten, die das Schicksal vieler Nationalhelden der Unabhängigkeitskriege bestimmten. José Miguel Carrera starb für seine Ideale. Er verstand sich selbst als Gründervater einer neuen unabhängigen Republik Chile. «Alles wurde neu durch unsere unablässige Arbeit geschaffen, die von unserer Liebe zur Freiheit Chiles getragen wurde», hielt er seinerseits in seinem Militärtagebuch fest.

Mercedes Fontecilla – José Miguel Carreras Ehefrau und lebenslange Stütze

Mercedes Fontecilla (1799-1853)

Mitten im Unabhängigkeitskrieg, am 20. August 1814, heirateten José Miguel Carrera und seine 15-jährige Verlobte, María Mercedes Fontecilla Valdivieso, in der Kathedrale von Santiago. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor: Francisca Javiera, Roberta, Rosa, Josefa und José Miguel. Letzterer wurde nach dem Tod seines Vaters geboren und war der Vater von Ignacio Carrera Pinto, dem Helden des Pazifikkriegs.

Mercedes führte ein aufopferungsvolles Leben. Nach ihrer Hochzeit folgte sie ihrem Mann auf allen seinen Feldzügen. Zum Beispiel ging sie mit José Miguel nach Mendoza, während er an der Schlacht von Rancagua teilnahm. Oft war sie allein mit ihren Kindern.

Trotz ihrer adeligen Herkunft litten sie und ihre Familie oft große Not. Zeitweise hatte Mercedes sogar Schwierigkeiten, ihre Kinder zu ernähren. Aus Carreras mehr als 200 Briefe an seine Frau geht hervor, wie sehr er sie liebte und dass sie für ihn sein Leben lang eine wichtige Stütze war. Mercedes gab ihm offensichtlich Trost und Kraft vor allem angesichts seiner Krankheiten und schlechten Lebensbedingungen. 

Ein besonders berührendes Dokument ist der Abschiedsbrief von José Miguel Carrera, den er kurz vor seiner Hinrichtung an seine Frau schrieb:

Sótano de Mendoza, den 4. September 1821, 9 Uhr morgens

Meine geliebte, aber sehr unglückliche Mercedes,

Abschiedsbrief José Miguel Carreras an seine Ehefrau Mercedes (Archivo Nacional)

ein unerwarteter Unfall und eine Reihe unglücklicher Umstände haben mich in diese traurige Lage gebracht: Du musst dich damit abfinden, dass ich heute um elf Uhr sterben werde. Ich werde, meine Liebste, als einziges Bedauern dabei empfinden, dich mit unseren fünf kleinen Kindern in einem fremden Land, ohne Freunde, ohne Verwandte, ohne Mittel zurückzulassen.

Die Vorsehung kann mehr tun als der Mensch! Ich weiß nicht, ob mir der Offizier D… Olazabal wie ein Schutzengel mit der Nachricht erscheint, dass wir begnadigt werden und mit meinem guten Freund Benavente und dem alten Álvarez, der uns begleitet, freikommen werden.

Wir sind nur dem Vaterland und dem Gesetz [unleserlich] etwas schuldig. Und für sie sterben, für sie leben wir.

Lieben Sie die Freiheit, schätzen Sie sie? Seien Sie würdig, sie zu bewahren

Die Menschen sind nicht gleich in ihren [Gräbern?]

In der Tugend liegt ihr Unterschied.

Es gibt nur ein einziges Gesetz in jedem Staat, kein Sterblicher ist vor ihm unterscheidbar.

Nach der Hinrichtung ihres Mannes heiratete Mercedes Diego José Benavente, mit dem sie vier weitere Kinder hatte. Sie starb in Santiago im Alter von 54 Jahren. Ihr Grab mit einer Grabplatte befindet in der Basílica de la Merced in Santiago.

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