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viernes, 17. septiembre 2021
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Angela Rendel – Tierärztin

Menschlich handeln – auch mit Tieren

Angela Rendel ist Tiermedizinerin aus Leidenschaft. In Hannover erlernte sie Techniken der Reproduktionsmedizin bei Pferden und war in diesem Spezialbereich lange Zeit aktiv. Zurzeit widmet sie sich dem Thema Milchwirtschaft. Zudem ist sie eine der fünf Gründerinnen der Mädchenschaft Amankay in Valdivia.

Angela Rendel wurde 1972 in Santiago geboren. Die Familie zog schon bald für zwei Jahre nach München, als ihr Vater dort ein berufliches Angebot von Siemens erhielt. Obwohl sie nur kurze Zeit in Süddeutschland lebte, lernte sie schnell Deutsch. Nach einem weiteren Lebensabschnitt in Chile, lebte sie im Alter von sieben bis zehn Jahren in Kolumbien und besuchte dort unter anderem die Deutsche Schule. Ihre restliche Schulzeit verlebte Angela Rendel in den Deutschen Schulen in Santiago und Temuco. In der Hauptstadt hatte sie damals bereits erste Kontakte mit der Mädchenschaft Erika Michaelsen Koch geknüpft. Die Erfahrungen, die sie dort machte, inspirierten sie später, Mitgründerin der Mädchenschaft Amankay in Valdivia zu werden.

Jedes Jahr verbrachte Angela Rendel die langen Sommerferien auf dem Hof ihrer Großeltern in der Nähe von Valdivia. «Oft zogen wir gemeinsam über die Weiden, um die Jungtiere zu zählen. Das alles hat mich fasziniert und ich träumte davon, später mit Tieren zu arbeiten», berichtet sie. 1990 begann sie schließlich ihr Studium an der Universität in Valdivia: Natürlich Tiermedizin!

Ein Jahr später gründete sie mit vier anderen jungen Frauen die Mädchenschaft Amankay. Das Haus ihrer Großtante Anita wurde für sieben Studentinnen eine Heimat, um die deutsche Sprache und deutschen Traditionen zu bewahren. Tante Anita lebte im Obergeschoss, die Mädchen im Erdgeschoss. Am 20. August feiert die Mädchenschaft Amankay ihr dreißigjähriges Bestehen. Angela Rendel denkt zurück: «Im Haus von Tante Anita waren wir gut aufgehoben, bis wir 1997 schließlich ein eigenes Haus gekauft haben – neuer und moderner. Dort ist Platz für 15 Studentinnen, die vom Vorstand mit Rat und Tat unterstützt werden.» Seit der Gründung sei sie in einigen Jahren mehr und in anderen weniger aktiv gewesen, kommentiert die 49-Jährige, so wie viele der «Gnädigen Damen». So werden die Mitglieder betitelt, die der Mädchenschaft auch nach dem Studium noch angehören. In der ganzen Zeit habe die Gruppe immer tatkräftige Unterstützung aus der deutschen Gemeinschaft erhalten. Auch Besucherinnen aus Deutschland, Studentinnen und Praktikantinnen seien jederzeit herzlich willkommen.

Nach ihrem Studienabschluss bekam die junge Tiermedizinerin die Möglichkeit mit dem angesehenen Fachtierarzt für Reproduktionsmedizin Erich Klug, Professor der Tierärztlichen Hochschule Hannover, zusammen zu arbeiten. Drei Monate lernte sie auf einem Landgestüt in Celle vieles über die Reproduktion von Pferden. Danach folgte ein kurzer Aufenthalt im Zoo von Dallas, wo sie mit Waldgiraffen, den Okapis, arbeitete. Während dieser Zeit erhielt sie ein Angebot von einem Pferdegestüt in Osorno. Hals über Kopf reiste sie für einen Monat nach Belgien, um dort eine einmonatige Ausbildung in einem Zentrum für Embryotransfers bei Pferden zu absolvieren. Der Embryotransfer wird in der Tierzucht eingesetzt, um von leistungsfähigen Tieren möglichst viele Nachkommen zu erhalten. 

«Es war extrem intensiv», erinnert sie sich, «In kürzester Zeit habe ich gelernt, wie in kleinen Teilschritten ein Embryotransfer abläuft.» Kaum hatte sie ihre Arbeit im Gestüt in Osorno aufgenommen, musste sie gleich im ersten Monat das erste Mal einen kompletten Embryotransfer vornehmen. Die Tierärztin erzählt: «Ich hatte großes Glück, diese Chance zu bekommen. Es war ein langersehnter Traum, der plötzlich wahr wurde.»

Auf dem Gestüt war sie von 1997 bis 2001 tätig. Danach gründete sie ihr eigenes Reproduktionszentrum in Osorno – ein harter Job, denn nicht jede Pferdegeburt ist unkompliziert. Viele Nächte habe sie durchgearbeitet, bis sie bemerkte, dass die Leidenschaft auf der Strecke geblieben war. Die Zeit war reif für etwas Neues. Mittlerweile hatte sie auch geheiratet und eine Familie gegründet. Sie ist Mutter einer Tochter. 

Seit fast vier Jahren lebt sie nun schon in der Nähe von Valdivia und kümmert sich um die Verwaltung der familiären Ländereien und die Milchwirtschaft – dort wo alles begann, dort wo ihr Traum geboren wurde, Tierärztin zu werden. Sie drückt es mit den Worten aus: «Hier bin ich zu dem geworden, was ich immer sein wollte und was ich heute bin.» Sie fühle sich sehr verbunden mit den Tieren und empfinde es als große Verantwortung, Lebensmittel für Menschen zu produzieren: «Milch und ihre Entstehung ist etwas ganz Wunderbares.»

Neben der Arbeit auf den Ländereien arbeitet Angela Rendel als externe Beraterin für viele Milchbetriebe. Wichtig sei ihr, jederzeit einen menschlichen Umgang mit Menschen und Tieren zu pflegen.

Für Freizeitaktivitäten bleibt ihr zwar wenig Zeit, doch wenn, dann geht sie gern wandern, kocht etwas Leckeres oder näht. In Zukunft möchte sie gern lernen, ein wenig ruhiger zu leben. Ihre Arbeit mit den Tieren nehme viel Platz und Energie ein. Es sei der Moment gekommen, sich selbst mehr Ruhezeiten zu gönnen und öfter einfach zufrieden auf das Geschaffene zu blicken..

Foto: Privat

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