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lunes, 27. septiembre 2021
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Händels «Saul» in Glyndebourne

Mitschnitt einer Aufführung von Georg Friedrich Händels Oratorium über König Saul, der David als Dank für seinen Sieg über die Philister zur Belohnung eine seiner Töchter zur Frau geben will. Das Opernhaus in Glyndebourne hat sich in seinem fast 90-jährigen Bestehen zu Recht den Ruf zu eigen gemacht, hochqualitative und originelle Produktionen zu bieten, die nicht selten den Rahmen des Üblichen sprengen. Hier zum Beispiel verfällt Saul dem Wahnsinn, weil er fürchtet, dass Davids Popularität unter dem Volk ihm, dem König, zum Verhängnis werden wird. 

Barrie Kosky inszeniert die bewegte Handlung in grellen Farben. Die bunten Kostüme, die riesigen Perücken und die weiß gepuderten Gesichter mit den roten Bäckchen erinnern an die gehobene Schicht an den Höfen Europas des Barockzeitalters. Kosky zieht alle Register seines Ideenreichtums. Die Palette reicht von Bildern erhabener Schönheit, wie dem Orgelintermezzo im Schein von hunderten von Wachskerzen, bis zu schreiendem Kitsch und grotesken Geschmacklosigkeiten, die der Handlung beileibe keinen Dienst tun und bei denen man lieber die Augen schließen sollte, um Händels Kunst ungestört zu genießen. 

Die musikalische Darbietung entspricht bester englischer Händel-Tradition. Die Solisten beschränken sich nicht auf eine gekonnte Wiedergabe ihrer Partien, sondern schaffen überzeugende Rollenporträts. Der hervorragende Glyndebourne Chorus wird den herrlichen Gesängen vollends gerecht – von den dissonanten Jubelrufen des spielfreudigen Personals einmal abgesehen – und das stilgerechte Orchestra of the Age of Enlightenment unter Ivor Bolton machen dem großartigen Werk alle Ehre.

Als Bonus enthält die Blu-Ray zwei Dokumentationen. In «A Descent Into Madness» geht es um Sauls Familienkonflikte und um die Gründe dafür, dass er wahnsinnig wird. Ferner legt Regisseur Barrie Kosky dar, warum er das Oratorium in ein Bühnenwerk umformt, in dem die Handlung vorrangig ist – will heißen, wie und warum er ein sakrales Werk in eine Oper verwandelt. Hauptdarsteller Christopher Purves verrät, wie er seine Rolle ausgearbeitet und dabei den nicht einfachen Prozess des Verrücktwerdens verinnerlicht hat. Im Film «Colour and Texture – A Musical Insight» erläutert Dirigent Ivor Bolton Händels musikalische Umsetzung der biblischen Vorlage. Der Cembalist Bernard Robertson veranschaulicht den dramaturgischen Einsatz des Klaviar-
turglockenspiels, das in diesem Werk zum ersten Mal verwendet wurde. Dieses kaum bekannte Tasteninstrument setzt Händel im berückend schönen Chor der Israelitinnen zu Ehren Davids nach seinem Sieg über die Philister ein. Schließlich äußert sich die Posaunistin Sue Addison zur Rolle ihres Instruments im berühmten Trauermarsch. Die drei Vorträge sind außerordentlich informativ und dabei erfrischend gut zusammengefasst.

Keine spanischen Untertitel!    

Georg Friedrich Händel: «Saul»

  • Vereintes Königreich 2015.
  • Musikalische Leitung: Ivor Bolton. 
  • Fernsehregie: François Roussillon. 
  • Bühnenregie: Barrie Kosky. 
  • Produktion: David Kulas, Romain Gendrot, Sandra Walger. 
  • Kamera: Lionel Martin. 
  • Ton: Jean Chatauret.  
  • Schnitt: Hilary Briegel. 
  • Mit:  Christopher Purves, Iestyn Davies, Lucy Crowe, Sophie Bevan, Paul Appleby u. a. 
  • Spieldauer: 149 Min.
  • Bild: *****
  • Ton: ****
  • Darbietung : ****
  • Extras: ****

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