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viernes, 17. septiembre 2021
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Zum 800. Todestag des Heiligen Dominikus

Auf den Spuren der Apostel

Dominikus erkannte die Zeichen seiner Zeit: In einer Krise der katholischen Kirche wirkte er als ein Erneuerer. Mit seinem eigenen Vorbild als Bettelprediger überzeugte er, seine Ideen von Armut und Studium breiteten sich in ganz Europa aus. Vor 800 Jahren starb der Gründer des Prediger- und Bettelordens der Dominikaner.

Adelig, fromm und den Armen zugewandt

Die aufblühenden Städte des 11. und 12. Jahrhunderts zogen auch einen gesellschaftlichen Wandel nach sich: Es begann sich eine Bürgerschaft zu bilden. Ab dem 12. Jahrhundert gehörten Handwerker zu einer angesehenen Gesellschaftsschicht und schlossen sich in Zünften zusammen. Die Kaufleute begannen Gilden zu gründen, um sich gegenseitig zu unterstützen. Die Städte entwickelten sich zu kulturellen und wissenschaftlichen Zentren. Manche der Bürger erlangten dabei großen Wohlstand, zugleich aber prägten auch Bettler und Arme das Leben in den Straßen. Es entstanden die ersten Universitäten, und die Kirche regte den Bau von Kathedralen an. Gleichzeitig aber entstanden religiöse Bewegungen, die kirchenkritisch auftraten.

In diesen Zeiten des Wandels kam Dominikus als dritter Sohn des Adligen Félix de Guzmán im Jahre 1170 in Caleruega in Kastilien zur Welt. Seinen Namen Domingo – Dominikus – wählte seine Mutter, Juana de Aza, aus, die den Heiligen Dominikus von Silos verehrte, dessen Grab nur ein paar Meilen nördlich von Caleruega in der Benediktinerabtei von Santo Domingo de Silos lag. Im Alter von vierzehn Jahren wurde Dominikus zur priesterlichen Ausbildung in das Prämonstratenserkloster von Santa María de La Vid und anschließend für weitere Studien in die Schulen von Palencia geschickt. In Palencia widmete er sich sechs Jahre lang dem philosophischen Grundstudium und dann weitere vier Jahre lang der Theologie. Er wurde Kanoniker in Santa Maria de La Vid, das heißt, er lebte nach den Regeln der Gemeinschaft und führte eine Lebensform zwischen Mönch und Priester.

Im Jahr 1191 herrschte in Spanien eine schwere Hungersnot. Das Elend seiner Mitmenschen bewegte den jungen Theologiestudenten, so dass er sich entschloss, sein Geld, aber auch Kleidung, Möbel und sogar Bücher wegzugeben, um den Hungernden zu helfen. Der Verkauf seiner Bücher – Manuskripte auf Pergament – waren dabei sein größter Verzicht. Seinen erstaunten Kommilitonen erklärte er: «Wie kann ich über toten Pergamenten studieren, wenn Menschen vor Hunger umkommen?»

Mit 24 Jahren wurde er zum Priester geweiht. Bischof Diego de Acebo bemerkte die geistlichen und seelsorglichen Qualitäten des engagierten jungen Mannes und berief ihn 1196 als Regularkanoniker an die Kathedralkirche von El Burgo de Osma. Dominikus half dabei, Reformen vor Ort umzusetzen und wandte sich den Nöten der Menschen zu.

Auf einer Reise durch das südliche Frankreich begegneten Bischof Diego de Acebo und Dominikus Zisterziensermönchen. Diese hatte Papst Innozenz III. ausgesandt, um gegen die Katharer zu predigen. Katharer waren Mitglieder einer religiösen Laienbewegung und Sekte, die an das dualistische System glaubte, das davon ausging, dass ein guter und böser Gott unabhängig voneinander existieren. Dies wurde von der Kirche als «Irrglaube» und «ketzerisch» angesehen. Dem Bischof und Dominikus wurde schnell klar, dass es weniger der Inhalt der Lehren war, der die Menschen überzeugte, als ihre asketische Lebensweise. Als sich die Zisterzienser über ihren mangelnden Erfolg beklagten, gaben die beiden Reisenden ihnen den Rat, ebenso wie die Katharer eine asketische Lebensweise anzunehmen, «sich in aller Demut zu zeigen, ohne Gold und Silber zu Fuß zu gehen, kurz, in allen Stücken das Vorbild (forma) der Apostel nachzuahmen» und «mit mehr Glut denn je zu predigen».

Predigt, Gebet, Armut und Studium

Als einen «Mann des Evangeliums» beschrieb Dominikus später Jordan von Sachsen, der sein Nachfolger als Ordensleiter und Biograph wurde. Aufgrund der Erfahrung mit den Katharern, dass das eigene gute Beispiel überzeugt, begann Dominikus, ein ganz neues Ordenskonzept zu entwickeln. Die Brüder sollten wie die Apostel von Ort zu Ort – ausdrücklich zu Fuß – ziehen, sich ihr Brot an den Türen erbetteln und sich ganz dem Studium und der Predigt widmen.

Nach dem Tod des Bischofs gewann Dominikus schnell Anhänger. 1215 kam er mit sechs Brüdern nach Toulouse, wo ihnen der reiche Einwohner Peter Seila ein Haus übertrug und Bischof Fulko einen Teil des Zehnten garantierte. Dieser Besitz bestimmte nun den weiteren Verlauf seiner Mission, denn mit seinen Anhängern und dem Haus bedurfte es einer Organisation ihres Gemeinschaftslebens. Wie sollten sich Besitz, das Leben von Wanderpredigern und ein Gemeinschaftsleben verbinden lassen?

Auch für die Bedürfnisse der wachsenden städtischen Bevölkerung war eine neue Form des Ordenslebens notwendig – entweder in Anlehnung an weltliche Geistliche oder in Form einer monastischen Gemeinschaft. Dominikus schuf daher eine flexible Ordensgemeinschaft, für die Gebet und Buße kennzeichnend blieben, die sich aber zugleich nach außen durch Predigten öffnete. Bischof Fulko erteilte ihm noch im selben Jahr die schriftliche Vollmacht, im gesamten Gebiet seiner Diözese zu predigen. Die Ideen von Dominikus begeisterten: Mit großer Geschwindigkeit breitete sich der Predigerorden in ganz Europa aus, auch zahlreiche Dominikanerinnenklöster entstanden. 1216 erfolgte die Anerkennung des Ordens durch Papst Honorius III.

Von Anfang an legte Dominikus großen Wert auf eine fundierte Ausbildung seiner Brüder, damit sie für ihren Predigtdienst gut gerüstet waren. Der Dominikanerorden entstand im beginnenden Zeitalter der Universitäten. Große Dominikaner der ersten Jahrzehnte wie Albertus Magnus in Paris und Köln und der berühmte Theologe Thomas von Aquin in Paris erkannten wie wichtig ein intensives Studium und die Zusammenführung von Glaube und Vernunft waren, um entsprechend auf die drängenden Fragen der Zeit eingehen zu können.

Dominikus organisierte Missionen und war selbst ohne Unterlass auf Reisen. Er starb im Alter von 51 Jahren am 6. August 1221 in Bologna. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Orden bereits um die 300 Brüder, 50 Jahre später zählte man an die 10.000 Ordensmitglieder.

Bis heute ist der Predigerorden weltweit präsent. 5.500 Brüder in 82 Ländern, 2.500 Ordensfrauen und rund 24.000 Angehörige von Schwesterngemeinschaften sind vor allem in der Seelsorge, dem interreligiösen Dialog, Forschung und Wissenschaft sowie Bildung und Lehre, Mission, Pflege und im karitativen Bereich tätig. Rund 120.000 Männer und Frauen sind Mitglieder von dominikanischen Laiengemeinschaften.

Die Dominikaner und die Inquisition

(sik) Papst Innozenz III. schuf im Jahr 1206 ein neues Untersuchungsverfahren gegen «Ketzer»: die Inquisition. Es musste dem Angeklagten die «Ketzerei» (Abweichen von der offiziellen Kirchenlehre) nachgewiesen werden und konkrete Beweise dafür waren notwendig. Ankläger und Richter mussten somit über theologisches Wissen verfügen. Der Papst rekrutierte die Anhänger des Dominikus aufgrund ihrer Erfahrungen mit Häretikern und ihres theologischen Wissens. Die Inquisition richtete sich in erster Linie gegen die Katharer und später gegen den Protestantismus. Die Dominikaner wirkten als Inquisitoren während des gesamten Mittelalters vor allem in Frankreich, Italien und im Heiligen Römischen Reich.

Im Jahr 2000 veröffentlichte das Provinzkapitel der Dominikanerprovinz Teutonia eine Stellungnahme:

«Deutsche Dominikaner waren nicht nur in die Inquisition verstrickt, sondern haben sich aktiv und umfangreich an ihr beteiligt…Unabhängig von den vielleicht manchmal nachvollziehbaren historischen Gründen für die Mitwirkung erkennen wir heute die verheerenden Folgen dieses Tuns unserer Brüder. Wir empfinden dies als ein dunkles und bedrückendes Kapitel unserer Geschichte. Dies gilt in gleicher Weise für die nachgewiesene Beteiligung des deutschen Dominikaners Heinrich Institoris an der Hexenverfolgung. Durch das Verfassen des ‚Hexenhammers‘ (Malleus Maleficarum) unterstützte und förderte er die menschenverachtende Praxis der Hexenverfolgung. Folter, Verstümmelung und Tötung haben unendliches Leid über zahllose Menschen gebracht…

Wir wissen, dass der Geist von Inquisition und Hexenverfolgung – Diskriminierung, Ausgrenzung und Vernichtung Andersdenkender – auch heute latent oder offen in Kirche und Gesellschaft, unter Christen und Nicht-Christen lebendig ist. Dem entgegenzutreten und sich für eine umfassende Respektierung der Rechte aller Menschen einzusetzen, ist unsere Verpflichtung, die wir Dominikaner den Opfern von Inquisition und Hexenverfolgung schulden.

(https://de.wikipedia.org/wiki/Inquisition#Dominikaner_und_Inquisition_heute)

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