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lunes, 27. septiembre 2021
Inicio Porträt Víctor Ide - Präsident der Deutsch-Chilenischen Auslandshandelskammer

Víctor Ide – Präsident der Deutsch-Chilenischen Auslandshandelskammer

Immer vorwärts schauen

Foto: AHK Chile

Víctor Ide ist seit dem 7. Juni Präsident der Deutsch-Chilenischen Auslandshandelskammer (AHK Chile). In mehreren Firmen und Positionen war der Geschäftsführer von Emasa bereits in Chile tätig; immer spielten dabei sowohl die Bereiche Strategie, Logistik und Transport als auch deutsche Grundsätze eine große Rolle.

«Meine Familie stammt aus Rothenburg an der Fulda. Vor 175 Jahren, also 1846, erreichte mein Vorfahr Johannes Ide mit seinen vier Kindern auf dem Schiff Catalina den Hafen von Corral», erzählt Víctor Ide nicht ohne Stolz. Er habe vor rund 30 Jahren in der evangelischen Kirche des nordhessischen Orts Ahnenforschung betrieben, und ein Mann mit dem Nachnamen Ide lebe noch dort.

Sowohl von der Seite seines Vaters Víctor Ide Richter, der als Arzt an der damaligen Deutschen Klinik in Santiago arbeitete, als auch von der seiner Mutter Edith Benner Walter stammt er von Deutschen ab. Er selbst besuchte die Deutsche Schule in Santiago. Was seine eigenen Kinder angeht, wurde die Vermittlung der deutschen Sprache schwierig, da seine Frau María José Alcalde kein Deutsch spricht: «Es heißt nicht ohne Grund Muttersprache», meint der vierfache Vater. Nichtsdestotrotz seien seine drei Töchter und der Sohn auch durch die deutsche Herkunft geprägt.

«Denn es ist nicht nur die Sprache eines Landes, sondern auch die Kultur und die Lebensweise der Menschen prägend», ist Ides Meinung. Als Beispiel nennt er das langfristige Denken, was er als typisch deutsch ansieht, statt nach kurzfristigen, schnellen Erfolgen zu streben. «Zum Beispiel kooperiert Emasa seit über 60 Jahren mit der Firma Bosch – und beide Unternehmen haben auf die Dauer davon profitiert», stellt der Manager fest. 

Seine Laufbahn startete mit einem Studium zum Ingeniero Civil mit Schwerpunkt Maschinenbau an der Pontificia Universidad Católica, später erwarb er einen Master in Business Administration an der Universidad Adolfo Ibáñez. Nach dem Studienabschluss begann er 1993 als Innovation Manager und dann als Supply-Chain-Manager bei der chilenischen Tochtergesellschaft von Unilever zu arbeiten: «Ob Seifen oder Zahnpasta – wir mussten Verschiedenes testen, um eine optimale Lösung zu finden. Es waren sieben interessante Jahre für mich», sagt Ide im Rückblick und unterstreicht: «Eigentlich haben mir immer meine Aufgaben Spaß gemacht, ich habe immer vorwärts geschaut und bin grundsätzlich optimistisch eingestellt.»

Im Jahre 2000 wurde er bei LanChile (heute Latam) im Bereich Logistik und Wartung angestellt. Daraufhin war er bei Cencosud für Einkaufszentren und Immobilien des Einzelhandel-Unternehmens zuständig. Mitte 2010 wurde Víctor Ide zum Generaldirektor des staatlichen Unternehmens CorreosChile ernannt und im September 2011 zum General Corporate Manager der FirmaTurBus. 

Seit drei Jahren ist er CEO der Firma Emasa. Die 1958 von Deutschstämmigen gegründete Firma habe sich in dieser Zeit sehr gut entwickelt: «Die rund 580 Beschäftigen arbeiten in verschiedenen Regionen in Chile sowie in Peru und Kolumbien. Im Fokus stehen unsere Kunden, die immer möglichst schnell mit Ersatzteilen und Zusatzteilen versorgt werden sollen. Das heißt, wir unterstützen auch Transportfirmen und ihre Flotten, organisieren Werkstatt-Reparaturen.» Die Sammlung von Daten sei außerdem ein wichtiger Teil ihrer Arbeit, um zum Beispiel Kapazitäten im Vorfeld besser planen zu können. Außerdem stelle sich Emasa nach und nach auf die E-Mobilität ein – «diese ist die Zukunft», erklärt Ide und rechnet spätestens 2030 mit einer kompletten Umstellung. 

Vor zwei Jahren übernahm er das Amt des Schatzmeisters im Vorstand der Kammer. «Schließlich ist dies auch eine Möglichkeit für mich, mit diesem Ehrenamt der Gesellschaft etwas zurückzugeben.» Als Präsident wolle er nun unter anderem das Thema der Erneuerbaren Energien und insbesondere des grünen Wasserstoffs vorantreiben, was beides wichtig für eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung sei. Persönlich liege ihm auch das Duale System, wie es das Insalco anbietet, am Herzen. Seit letztem Jahr bildet auch die Firma Emasa einen Auszubildenden aus. Zudem solle die Zahl der Frauen im Vorstand erhöht werden. Dabei verweist er aber auch darauf, dass «ansonsten bei der AHK in allen Bereichen tatsächlich weit mehr Frauen als Männer arbeiten und zwar auch in Führungspositionen».

Wie entspannt sich der Unternehmer von seinen verantwortungsvollen Aufgaben? Auch in seiner Freizeit bevorzugt der engagierte Mann es, aktiv zu sein: «Im Süden hat meine Familie immer Landwirtschaft betrieben, und wir haben eine Rinderzucht von je nach Jahreszeit 600 bis 1.000 Tieren bei Puerto Octay. Wenn ich dort in der Natur und mit den Tieren beschäftigt bin oder mit dem Trecker durch die Gegend fahre, dann kann ich Stress abbauen.» Auch seine Frau hat dort eine Aufgabe gefunden: Sie kümmert sich um Bäume, Blumen und Sträucher der Gärtnerei Viveros La Candelaria de Puerto Octay.

Die Landschaft am Llanquihue-See genießt Víctor Ide am liebsten gemeinsam mit seiner ganzen Familie: «Zumindest einmal verbringen wir eine Woche im Jahr alle sechs zusammen.» Da schon drei der Kinder das Studium beendet haben, sei es nicht immer so einfach, alle unter einen Hut zu bringen. Seine Töchter, die gerne backen, sorgen dann dafür, dass seine besonders deutsche Seite im Süden Chiles nicht zu kurz kommt: «Ich mag alles, was süß ist – und ganz besonders Apfelstreuselkuchen!».

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