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lunes, 27. septiembre 2021
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Samen-Bunker soll im Ernstfall die Welt retten

Arche Noah für das pflanzliche Erbe der Menschheit

Derzeit lagern noch etwa eine Million Proben in dem Depot, Exemplare von 40 Prozent aller Samenarten der Welt.
Foto: atlasofthefuture

El Global Seed Vault, un gigantesco banco de semillas de plantas construido en Noruega en 2008, pretende garantizar el acceso de la humanidad a estos granos en caso de un catástrofe mundial.

Von Karla Berndt

In Norwegen wurde 2008 der Global Seed Vault gebaut, eine gigantische Bank für Pflanzensamen. Das Saatgut-Depot soll sicherstellen, dass die Menschheit im Falle globaler Katastrophen Zugriff auf diese Samen hat.

Das Svalbard Global Seed Vault, zu deutsch Weltweiter Saatgut-Tresor auf Svalbard, ist ein Projekt des Welttreuhandfonds für Kulturpflanzenvielfalt (Global Crop Diversity Trust) zur langfristigen Einlagerung von Saatgut für den Schutz der Arten- und Varietäten-Diversität von Nutzpflanzen. Es befindet sich auf der zur Inselgruppe Svalbard gehörenden Insel Spitzbergen, nur 800 Kilometer vom Nordpol entfernt.

Gefährdung durch globale

Erwärmung

Das Bauwerk reicht 120 Meter in eine alte Kohlegrube hinein, nur der Eingang liegt über der Erde. Im Inneren besteht es aus einem Gang, an dessen Ende drei Hallen von jeweils 27 Metern Länge, zehn Metern Breite und sechs Metern Höhe in den Boden hineingebaut wurden. Die Lagerhallen sind mit armiertem Beton und dicken Stahltüren versehen und sollen somit auch einem Atomkrieg standhalten. Zwischen Tunnel und Kammern ist in gesonderten Räumen ein Kälteverdichter installiert, in dem Kompressoren die bereits kalte Luft -Permafrost und dicke Gesteinslagen sorgen dafür, dass die Saatgut-Muster ohne zusätzliche Kühlung eingefroren bleiben- auf ein konstantes Niveau von −18 Grad Celsius abkühlen.

Die Baukosten betrugen rund neun Millionen US-Dollar, die von der norwegischen Regierung getragen wurden, die Nachrüstung im Jahr 2018 nochmals soviel, als Tauwasser durch die Wände des Eingangstunnels eindrang. Die absehbaren Probleme durch die globale Klimakrise wurden durch technische und bauliche Neuerungen der Tresoranlage umgesetzt, um der prognostizierten Steigerung der Jahresmitteltemperatur um über acht Grad Celsius in den nächsten 80 Jahren zu begegnen.

Fast von allen Staaten Kopien ihrer Saatgut-Banken

Die Einrichtung ist ausschließlich für die sichere Verwahrung von Saatgutkopien gedacht. Internationale Saatgutbanken liefern das hier einzulagernde Saatgut, das aber deren Eigentum bleibt. Es wird nur im Auftrag des Eigentümers entnommen, wenn es dort verloren gegangen ist. Der Speicher ist der größte von weltweit etwa 1.750 Aufbewahrungsanlagen für Samen. Seine wichtigste Aufgabe ist die Lagerung einer Mindestanzahl von Saatkörnern der zur Ernährung wichtigen Frucht-, Getreide- und Gemüsepflanzen, die die Menschheit in den letzten zehntausend Jahren gezüchtet hat und die in einem Katastrophenfall ausgeliefert und nachgezüchtet werden können. Für die Lieferländer ist die Speicherung kostenlos. Für gentechnisch veränderte Pflanzen aber gibt es hier keinen Platz: Ihre Lagerung ist nach den norwegischen Gesetzen verboten.

Bis zu 4,5 Millionen Samenproben (eine Probe enthält 500 Samen, das entspricht 2,25 Milliarden Samen) können im Bunker eingelagert werden, der ohne Personal vor Ort via Fernwartung überwacht wird. Derzeit lagern nach offiziellen Angaben etwa eine Million Proben in dem Depot, nach Schätzungen der Welternährungsorganisation (FAO) sind es Exemplare von 40 Prozent aller Samenarten der Welt. Die Haltbarkeit der Samen liegt wissenschaftlichen Schätzungen zufolge bei den herrschenden Temperaturen bei etwa 55 Jahren (Samen der Sonnenblume) bis über 10.000 Jahren (Erbsensamen). Gealterte Samen werden ständig ersetzt.

90 Prozent unserer Pflanzenvielfalt ging verloren

Oft wird der Ort als eine Art Arche Noah beschrieben, als letzte Hoffnung, wenn der jüngste Tag naht – ein Weltkrieg, ein verheerender Tsunami oder ein Kometeneinschlag. In Wahrheit ist die Katastrophe allerdings schon passiert: Wir haben seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts bis zu 90 Prozent unserer Pflanzenvielfalt verloren. In der heutigen Landwirtschaft nutzen Bauern nur hochertragreiche, resistente und wirtschaftliche Sorten. Die Vielfalt, die es einst gab, ist darüber verschwunden. Allein beim Reis gibt es 200.000 verschiedene Sorten, von denen aber nur ein Bruchteil heute in Asien angebaut wird. Alle Reissorten sind zwar über die verschiedenen Saatgut-Depots auch heute noch abrufbar. Aber im Svalbard Global Seed Vault, liegen eben alle an einem Ort – falls einmal ein Depot verloren geht. Und das gab es bereits, im syrischen Aleppo. Eine Saatgut-Bank dort musste im Bürgerkrieg zurückgelassen werden, und die Forscher konnten Duplikate aus dem Bunker entnehmen. Es gibt aber auch banalere Gründe für die Entnahme: schon ein defekter Gefrierschrank oder ein Stromausfall können eine lokale Samenbank zerstören.

Alle Länder der Welt treffen auf engstem Raum zusammen

An wohl keinem Ort der Welt treffen alle Länder auf so engem Raum zusammen: Samen aus Staaten wie Nordkorea und Südkorea sind nur wenige Regalmeter voneinander getrennt, Kisten aus der Ukraine und Russland stehen hier Seit’ an Seit’. Es gibt keine Rang- und Reihenfolgen, keine Groß- und Mittelmächte, kein Gut oder Böse, nur das Ziel, alle Samen der Welt zu sichern und zu beschützen.

Quellen: Welt am Sonntag / Internet

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