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miércoles, 28. julio 2021
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Buchkritik: Zwischen Ländern und Extremen

Ein Mann und drei Frauen mittleren Alters erreichen zu Beginn des Romans «Grand Mal» den Bahnhof des heutigen Valparaíso mit einem merkwürdigen Plan: Nämlich ein Nagelstudio, Symbol für die soziale Unterschicht Chiles, in einem der durch-gentrifizierten, touristisch lukrativen Vierteln der Küstenstadt und ehemaligen Handelsmetropole zu eröffnen.

Wie dieser Plan gelingt oder scheitert, ist der eine Teil des Plots. Der andere Teil der Erzählung, der sich über mehrere Jahrzehnte von den frühen 1990er bis 2020er Jahren und von Valparaíso nach Santiago und zurück spannt, fokussiert sich auf die Voraussetzungen dieser Situation: Die Freundschaft Hugo Pfohlens zum Apotheker Dr. Eduardo Gorgani, der ihm das Haus vermacht, indem das Nagelstudio einen Neuanfang verheißt.

Dabei haben die beiden Protagonisten scheinbar kaum Gemeinsamkeiten, abgesehen davon, dass sich beide aufgrund ihrer Herkunft als Exoten verstehen: Eduardo ist mit seiner Familie aus dem Iran geflohen, Hugo stammt von deutschen – «friesischen» – Auswanderern ab. Und möglicherweise ihr Hang zum Ex-

tremen: Hugos Lebensrealität ist geprägt von seiner Epilepsie, die dem Roman auch seinen Titel leiht – mit Grand Mal werden epileptische Anfälle, die sich in sich wiederholenden Krampfanfällen bis zum Bewusstseinsverlust äußern, bezeichnet. Eduardo hingegen gibt sich in Santiago neben seinem geregelten Leben als Ehemann und Apotheker seiner Spielsucht in Form von illegalen Hahnenkämpfen hin. In diese Konstellation treten und verwickeln sich die kränkliche und hochintelligente Belgierin Irene, die Hugo liebt, Maria, die aus Peru kam, um in Santiago ihr Glück zu suchen und Irene liebt, die vulgäre Nelly und Eduardos depressive Ehefrau.

Dass es Daniel Breuer in seinem neuen Roman gelingt, nicht nur die komplexen Identitäten und Beziehungen seiner Figuren aufzufächern, sondern auch vielfältige Dynamiken kulturellen Erbes und Austausches zu reflektieren, ist seinem Erzählstil zu verdanken. Er changiert zwischen drastischem Realismus und einfühlender Poetik, sowie zwischen Figurenperspektiven und Zeiten, bleibt dabei aber immer sprachlich präzise. Hier zeichnet sich eine ebenso moderne wie einzigartige Perspektive ab, die durch eine aufregende literarische Stimme vermittelt wird. Man darf auf die Fortsetzung des Romans gespannt sein, die bereits in Arbeit ist.

Das Buch Grand Mall kann auf dieser Seite bestellt werden, auch als E-Book:

  • Grand Mal, 204 Seiten,
  • 17 Euro, VHV-Verlag,
  • E-Book, 10 Euro, VHV-Verlag.

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