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jueves, 19. mayo 2022
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«Endstation Sehnsucht» von Elia Kazan

Blanche DuBois (Vivien Leigh) besucht ihre Schwester Stella (Kim Hunter) in New Orleans. Blanche, die sich ostentativ schick kleidet und großen Wert auf Umgangsformen legt, ist über die ärmliche Unterkunft, in der Stella haust und die ungeschliffenen Manieren ihres Mannes Stanley Kowalski (Marlon Brando) schockiert. Als sich herausstellt, dass Blanche den Familienbesitz verkaufen musste, da sie nicht imstande war, die Schulden zu bezahlen, eskaliert der Konflikt zwischen Besucherin und Schwager, der zudem seine Verärgerung über die gesellschaftliche Fassade, die Blanche mit ihrem Gehabe aufbaut, nicht mehr zurückhalten kann.  

Regisseur Elia Kazan, der Tennessee Williams Theaterstück erfolgreich am Broadway inszeniert hatte, wies seine Darsteller zu einem naturalistischen Spielstil an, der sich auf die Handlung auswirkt, als sei sie wie in einem Dokumentarfilm von der Wirklichkeit abgefilmt. Das Geschehen vermittelt so den Eindruck von Wahrhaftigkeit und Authentizität. In einem bedrückenden, proletarischen Milieu entsteht ein Familienkonflikt, der zur Tragödie ausartet. Die schwermütige Stimmung ließ Kazan durch düstere Bilder betonen, in denen harte Hell-Dunkel-Kontraste vorherrschen, die die Dramatik unterstreichen. «Endstation Sehnsucht» hatte bei Publikum wie bei den Kritikern gleichermaßen Erfolg und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter vier Oscars.

Beim Anschauen des Klassikers fällt zunächst die ausgezeichnete Restaurierung des Schwarzweißbildes und die Tonqualität auf. Dies sorgt dafür, dass von Beginn an bis zum Ende der Zuschauer sich ganz auf das Geschehen konzentrieren kann und nicht von technischen Beeinträchtigungen abgelenkt wird.

Ein besonderes Lob verdient jedoch das großzügig beigefügte Bonusmaterial: angefangen mit der abendfüllenden Dokumentation «Elia Kazan – A Director’s Journey», die den Lebensweg des Regisseurs eindrucksvoll schildert. Kazan erzählt im Interview von seinen Anfängen, als er Filme drehen wollte, aber keine Kontakte zu Hollywood hatte und zum Theater gehen musste, wo er kleine Nebenrollen übernahm und sich dann langsam hocharbeitete. Der Bericht verfolgt nicht nur seinen Werdegang als Theater- und Filmregisseur, sondern schildert auch seine Zusammenarbeit mit Schauspielern und skizziert seinen erfrischenden Stil der naturalistischen Darstellung, der den amerikanischen Film erneuerte.

Außergewöhnlich informativ ist der Bericht über die Produktion von «Endstation Sehnsucht», die Kazan am Broadway leitete, sowie der Dokumentarfilm über den Dreh des Films. Ferner sind etliche sehenswerte Beiträge abrufbar, wie «Desire And Censorship», der die Schwierigkeiten, die Kazan und seine Mitarbeiter mit der Zensur hatten, unter die Lupe nimmt; «North and the Music of the South», der des Komponisten Alex Norths Bemühen, die südlichen Jazz-Rhythmen in seine Filmmusik einzubauen, beschreibt, oder «An Actor Named Brando», in dem Elia Kazan und die Schauspieler Karl Malden und Kim Hunter von der Zusammenarbeit mit ihrem berühmten Starkollegen plaudern. Dazu kommen – hochinteressant – Probeaufnahmen des blutjungen Marlon Brando. 

Darüber hinaus enthält die Platte nicht verwendete Aufnahmen und die Trailer zur Uraufführung 1951 sowie der Premieren der Jahre 1958 und 1970. Kurzum, wer klassisches Kino liebt, kommt mit dieser Blu-Ray-Disc voll auf seine Kosten.

«A Streetcar Named Desire», USA 1951 

  • Regie: Elia Kazan
  • Produktion: Charles K. Feldman
  • Drehbuch: Tennessee Williams
  • Musik: Alex North
  • Kamera: Harry Stradling Sr 
  • Ton: C. A. Riggs 
  • Schnitt: David Weisbart 
  • Mit: Vivien Leigh, Marlon Brando, Kim Hunter, Karl Malden u. a. Spieldauer: 125 Min
  • Bild ****
  • Ton ***
  • Darbietung ***** 
  • Extras *****

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