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martes, 15. junio 2021
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Philipp III. starb vor 400 Jahre

Die «Pax Hispánica» und das Ende der iberischen Vorherrschaft auf den Weltmeeren

Philipp III. von Spanien erbte ein Weltreich und versuchte mit seiner Friedenspolitik die spanische Hegemonie zu sichern. Am Ende musste er jedoch die Weltmeere mit den europäischen Mächten teilen. Seine «Pax Hispánica» zeigte auch in Chile ihre Grenzen und hat Auswirkungen bis heute.

Der Monarch und seine Günstlinge

Mit nur 20 Jahren folgte Philipp III. 1598 seinem verstorbenen Vater Philipp II. auf den spanischen Thron. Von 1598 bis 1621 war er zugleich auch als Filipe II. König von Portugal und als Filippo II. König von Sizilien und Neapel sowie als Filippo II. König von Sardinien. Das spanische Kolonialreich hatte sich zu einem Weltreich ausgedehnt, doch die «goldene Zeit» Spaniens ging bereits 1581 zu Ende, als die Niederlande ihre Unabhängigkeit von den spanischen Habsburgern erklärten. Es folgten Jahre des Krieges. Auch mit England entwickelten sich Konflikte bis zur Entsendung der großen Armada 1588, die in einer Katastrophe für Spanien endete. Schließlich scheiterte auch die Einmischung in Frankreichs religiöse Angelegenheiten, als die spanische Krone während der Hugenottenkriege die katholische Liga unterstützte. Erst mit dem Frieden von Vervins 1598 verzichtete Spanien auf eine weitere Einmischung in die innere Politik Frankreichs.

Als Philipp III. den Thron seines Vaters bestieg, erbte er ein Spanien in der Krise. Schwelende Konflikte und finanzielle Schwierigkeiten bedrohten das iberische Weltreich. Der neue König zeigte sich jedoch wenig an politischen Fragen interessiert und überließ die Staatsangelegenheiten weitgehend seinem Freund und «valido», dem Marqués von Denia Francisco Gómez de Sandoval y Rojas, den er 1599 zum Herzog von Lerma beförderte. Gegner des Grafen beklagten, dass dieser den König steuerte und der «größte Dieb Spaniens» sei.

Der Herzog von Lerma vertrieb die «moriscos» (zum Christentum bekehrte Muslime) im Süden von Spanien und Aragon. Das zog wirtschaftliche Folgen mit sich: Lohnanstieg für die Bauern sowie eine gleichzeitige Inflation. Der Herzog genoss die daraus entstehenden finanziellen Vorteile, indem er Ländereien der Vertriebenen günstig erwarb. 1618 erhielt er durch Papst Paul V. die Kardinalswürde und zog sich aus der Politik zurück. Ihm folgte sein Sohn Cristóbal Gómez de Sandoval-Rojas y de la Cerda – Herzog von Uceda – als weiterer «valido» Philipps III. bis zu dessen Tod, allerdings mit weniger Einfluss als sein Vater.

Die «Pax Hispánica» und die Krise des iberischen Weltreiches

Philipp III. strebte danach, die Konflikte mit den europäischen Nachbarn zu beenden und die spanisch-portugiesische Weltherrschaft durch eine Friedenspolitik, der sogenannten «Pax Hispánica» (an die «Pax Romana oder Pax Augusta» erinnernd), zu stabilisieren. Daher schloss er 1604 mit dem «Erzfeind» England einen Friedensvertrag. Auch mit den Niederlanden wurde nach neuen Wegen des Friedens gesucht und 1607 wurden alle Kriegshandlungen in den spanisch besetzten Teilen der Niederlande eingestellt und ein zwölfjähriger Waffenstillstand vereinbart.

Wirklichen Frieden aber sollte es am Ende nicht geben, denn mit den aufstrebenden Handelsmächten England und den Niederlanden entwickelte sich ein regelrechter Wirtschaftskrieg. Nahezu alle portugiesischen Besitzungen und Handelsstützpunkte in Asien und entlang der Küste Afrikas wechselten die Besitzer. Hafenblockaden in Portugal, die sich gegen die beiden europäischen Rivalen richteten, schadeten letztendlich mehr dem iberischen Handel. Spanien versuchte mit dem Festungsbau in Asien seine Besitztümer abzusichern, scheiterte aber weitgehend auch durch den Mangel an finanziellen Mitteln. In der Karibik und an der Pazifikküste verstärkten sich zudem die Attacken der Silberflotten durch feindliche Korsaren.

Gescheiterte Friedenspolitik in Chile

Ein schwieriges Erbe trat Philipp III. auch im Süden Amerikas an: In Chile tobte der Arauco-Krieg. Zwischen 1598 und 1604 kam es zu einem weiteren großen Aufstand der Mapuche. Die Huilliche hatten 1598 die spanischen Truppen in der Schlacht von Curalaba vernichtend geschlagen, in der auch der spanische Gouverneur Chiles Martín García Óñez de Loyola, getötet wurde. In den folgenden Jahren vermochten die Mapuche sieben Städte zu erobern: Santa Cruz de Coya, Santa María la Blanca de Valdivia und San Andrés de Los Infantes (1599), La Imperial (1600), Santa María Magdalena de Villa Rica (1602), San Mateo de Osorno (1603) und San Felipe de Arauco (1604). Damit brach die spanische Verwaltung zwischen dem Fluss Biobío und dem Kanal von Chacao zusammen. Lediglich in Valdivia und auf der Insel Chiloé konnten sich die Spanier noch halten. Die Krone stationierte daraufhin ab 1601 ein stehendes spanisches Heer in Chile.

Dieser Erfolg der Mapuche stellte den Auftakt für einen langen erbitterten Widerstandskampf gegen die europäischen Kolonisatoren dar, der bis heute seine Auswirkungen zeigt. Konnten die Mapuche anfangs noch den Krieg als einen Verteidigungskrieg betrachten, so wandelte er sich später in eine soziale Rebellion. Für die Spanier bedeutete der Arauco-Krieg die erste und einzige bedeutende Niederlage im kolonialen Amerika. Es war ein kostspieliger Krieg, der nochmals die schon angespannte finanzielle Lage Spaniens verschlimmerte. Die Kolonie Spaniens wurde zeitweilig gar als «Friedhof der Spanier» betrachtet.

Als Vergeltung hob die Krone 1608 das Verbot gegen die Versklavung von «Indios» auf, die Kriegsgefangene waren. Das Dekret wurde dann aber durch spanische Siedler im Chiloé-Archipel missbraucht, indem sie die Versklavung von indigenen Gruppen wie den Chono im Nordwesten Patagoniens rechtfertigten, obwohl diese nie unter spanischer Herrschaft gestanden hatten und auch nie rebellierten.

Der Jesuitenmissionar Luis de Valdivia glaubte an einer Befriedung der Mapuche durch deren freiwillige Bekehrung zum Christentum. Pater Valdivia schlug Philipp vor, mittels eines Verteidigungskrieges die Feindseligkeiten zu beenden. Diese Idee griff der König auf und erließ 1612 ein Dekret, in der der Verteidigungskrieg zur offiziellen Politik erklärt wurde. Dies wurde nicht kritiklos hingenommen: Der Maestre de campo und Corregidor von Concepción Santiago de Tesillo befürchtete, dass der Verteidigungskrieg den Mapuche eine dringend benötigte Atempause schenken würde, um ihre Truppen zu verstärken. In den 1650er Jahren befand die Real Audiencia von Chile, dass die Sklaverei der Mapuche einer der Gründe für den ständigen Kriegszustand zwischen den Spaniern und den Mapuche sei. Die Unruhen wurden letztendlich auch durch die Maßnahme des Verteidigungskrieges nicht beendet und sind noch heute ein zu lösendes koloniales Erbe.

Der Anfang vom Ende der spanischen Hegemonie

Die Regierung Philipp III. war eine Epoche des Übergangs. Die expansive Phase der spanischen Krone in den Weltmeeren fand ihr Ende und in Europa bildeten sich neue hegemoniale Kräfte aus. Frankreich gewann an politischer Macht und England und die Niederlande sollten die portugiesischen Kolonien und Handelsstützpunkte in Afrika und Asien an sich reißen. Mit Philipps Tod am 31. März 1621 endete das ehemalige iberische Weltreich und es begann eine lange Phase des allmählichen Untergangs der spanischen Weltmacht.

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