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domingo, 19. septiembre 2021
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Zum 550. Geburtstag von Albrecht Dürer

Der deutsche Apelles

Er ist einer der «Titanen» der Kunstgeschichte: Albrecht Dürer, Meister der Gravierkunst und Malerei. Heute sind seine Werke in den Museen auf der ganzen Welt ausgestellt.

Berufung zum Künstler

Albrecht Dürer kam am 21. Mai 1471 als Sohn des angesehenen Goldschmieds Albrecht Dürer d. Ä. (circa 1427-1502) und der Goldschmiedtochter Barbara Holper (1452-1514) in Nürnberg zur Welt. Er war das dritte Kind von insgesamt 18, wobei 15 seiner Geschwister bereits im Kindesalter verstarben, sodass ihm lediglich zwei Brüder verblieben: Enders (1484-1555), der Goldschmied wurde und vermutlich den Betrieb des Vaters übernahm, und Hans (1490- 1534), der in Albrechts eigener Werkstatt als Lehrling ausgebildet wurde und später in Krakau als Maler tätig wurde. Seine Eltern beschreibt Dürer in seiner Familienchronik als fromm und rechtschaffen, zugleich aber auch als streng und «grämlich».

Nach seiner Schulausbildung absolvierte er eine Lehre zum Goldschmied in der väterlichen Werkstatt, die er jedoch abbrach, um sich zum Maler ausbilden zu lassen. Vielleicht haben seine Fähigkeiten in der Gravurtechnik seinen Paten, den Drucker und Verleger Anton Koberger, oder auch den Maler Michael Wolgemut bewogen, Dürers Vaters umzustimmen, seinen talentierten Sohn in Wolgemuts Werkstatt ausbilden zu lassen, wo Albrecht dann bis 1490 blieb.

Die Buchillustration war eine innovative und wachstumsträchtige Branche, in der der junge Dürer zu einem Spezialisten wurde. Nun wollte er sich in Nürnberg einen Namen machen, entwickelte sich ehrgeizig zu einem wahren Meister des Graphikdrucks und setzte bald neue Maßstäbe im Holzschnitt und Kupferstich. In der Malerei ließ er sich durch seine erste Italienreise inspirieren (1494/95) – wohl gleich nach seiner Gesellenwanderung – und errang auch auf diesem Gebiet erste Erfolge.

Der «neue Apelles» – der humanistische Holzschnitzer

Das Albrecht-Dürer-Haus in Nürnberg und ab 1509 die Wohn- und Arbeitsstätte Dürers

Nürnberg war nicht nur eine aufstrebende Handwerkermetropole und wichtiger Verlagsort, sondern auch ein Zentrum des deutschen Humanismus. Zum Kreis der gelehrten Humanisten Nürnbergs zählten auch der Drucker und Verleger Anton Koberger, Dürers Taufpate, sowie Albrechts wichtigste Förderer, Partner und Freunde Konrad Celtis und Willibald Pirckheimer. Sie übersetzten antike Texte ins Lateinische und Deutsche, arbeiteten an geschichtlichen und geographischen Werken und kooperierten bei der Illustrierung mit Dürer. Sie führten ihn letztlich in die Welt des Humanismus ein. So lernte er wie kein anderer Künstler sich bildhaft in die geschilderten Szenen hineinzudenken und die Texte visuell so darzustellen, dass sich der Leser geradezu darin wiederfinden konnte. Vergangenheit und Gegenwart – auch durch die Verknüpfung von antiken Architekturelementen und der zeitgenössischen Architektur – verschmolzen in seinen Werken.

Celtis und Prickheimer sahen die Germania (Deutschland) als wahren Erben der Antike und versuchten, mit ihren Werken die Italiener zu überbieten. Es muss wohl auch dieser «nationale» Stolz gewesen sein, der Dürer beflügelte.

Der Elsässer Humanist Jakob Wimfeling verfolgte ein ähnliches Ziel: Er glorifizierte allerdings die Geschichte der Deutschen gegenüber der Geschichte der Franzosen. In seiner «Epithoma rerum Germanicarum» (1505) rühmte er die beiden Graphiker Israhel van Meckenem und Martin Schongauer, um dann auf den Nürnberger aufmerksam zu machen: «(…) Albrecht Dürer, selbst ein Deutscher, ist gegenwärtig der vorzüglichste und malt in Nürnberg die vollkommensten Bilder, die von den Händlern nach Italien gebracht werden und dort von den anerkanntesten Malern nicht weniger geschätzt werden als die Tafeln eines Parrhasios oder Apelles».

Die zweite Italienreise (1505-1507), die Dürer nach Venedig führte, wurde sein künstlerischer Durchbruch. Dort fertigte er für das neue «Hochaltarblatt für S. Bartolomeo», in der Nationalkirche der Deutschen in Venedig, das farbenfrohe «Rosenkranzfest» (1506), womit er sich größten Respekt verdiente.

In einem Brief an seinen Freund und Mäzen Prickheimer schrieb er im September 1506: «Ich habe großes Lob dafür erhalten, aber wenig Nutzen. Ich wollte wohl 2.000 Dukaten in der Zeit gewonnen haben und habe viel Arbeit ausgeschlagen, auf das ich heimkäme, und ich habe all die Maler zum Schweigen gebracht, die da sagten, im Stechen wäre ich gut, aber im Malen wüßte ich nicht mit Farben umzugehen. Jetzt spricht jeder, sie hätten schönere Farben nie gesehen. (…) Ferner haben auch der Doge und Patriarch meine Tafel gesehen.» Auch Bellini bewunderte das Kunstwerk.

Als er schließlich in die Dienste des Kaisers Maximilian I. trat und ab 1515 eine jährliche Leibrente von 100 Rheinischen Gulden erlangte, war er finanziell abgesichert. Zudem war Dürer nicht an den Hof gebunden, musste also nicht mit dem Kaiser im Reich umherziehen, sondern konnte seine Arbeiten in seiner Werkstatt fertigen.

Dürer selbst sah sich nun auch als neuer «Apelles»: Wie das berühmte antike Vorbild seinerzeit am Hof Alexanders des Großen, so arbeitete er nun im Dienste des mächtigsten Herrschers seiner Zeit. Dem Kaiser und zugleich sich selbst wollte er mit den «Monumentaldrucken» der «Ehrenpforte» (1517/18) und «Der große Triumphwagen» (1518/22) ein Denkmal setzen.

1509 hatte er das Haus am Tiergärtnertor – das heutige Künstlerhaus und Dürermuseum – gekauft und wurde Mitglied des Großen Rates Nürnbergs. Für die malerische Ausstattung des Rathauses entwarf er 1522 die Vorlage, eine Federzeichnung zum Thema «Die Verleumdung des Apelles», die leider am Ende des Zweiten Weltkrieges zerstört wurde.

Die Schaffung der «Marke» Albrecht Dürer

Seinen Erfolg verdankt Dürer neben seinem phänomenalen Talent wohl auch seiner Fähigkeit, sich selbst als eine «Marke» zu schaffen. Er war lernfähig und ehrgeizig, strebte nach künstlerischer Perfektion, erkannte gleichzeitig die Zeichen der Zeit und entwickelte sich zum bedeutendsten «humanistischen Bildillustrator» des 15. Jahrhunderts. Und er gab seiner Kunst eine individuelle Note, indem er sie mit dem Monogramm aus den Initialen seines Namens kennzeichnete. Es gleicht einer Tür, in die ein «D» eingefügt ist. Die Familie stammte aus dem ungarischen Dorf Eytas («Tür»), und der Nachname «Dürer» wurde dem oberdeutschen Dialekt entsprechend angepasst. Das so kennzeichnende «Markenzeichen» Dürers erscheint 1495 erstmals auf dem Holzschnitt «Die heilige Familie mit der Heuschrecke». Es war bisher üblich gewesen, Kupferstiche zu signieren, nicht aber Holzschnitte. Dürer fertigte zahlreiche Andachts- und Marienbilder, die zu «Kassenschlagern» wurden und auch im Ausland Käufer fanden. Diese Drucke stellten die Grundlage seiner finanziellen Existenz dar, denn die Porträts, Altarbilder und Tafelbilder beanspruchten mehr Zeit, waren kostenaufwendiger und bildeten so eher Extraeinkünfte.

Beim Vertrieb seiner Drucke halfen ihm seine Frau Agnes, mit der er seit 1494 verheiratet war – die Ehe blieb kinderlos –, seine Mutter und Angestellte, die die Graphikdrucke dann in die Städte brachten und dort anboten. Die zunehmende Frömmigkeit zum Ende des 15. Jahrhunderts sorgte für einen wachsenden Absatzmarkt dieser Druckbilder. Auch im aufblühenden Buchdruck gewannen Illustrationen an Bedeutung, mit denen zentrale Aspekte der Texte hervorgehoben wurden. In Basel hatte Dürer während seiner Gesellenwanderschaft bei der Bebilderung des «Narrenschiffs» (1494) des gelehrten Humanisten Sebastian Brant mitgewirkt. Hier hatte er die Geschäftschancen des aufblühenden Markts der Flugblätter und Druckgraphiken erkannt und zu seinem Haupttätigkeitsfeld gemacht.

Dürer gelang es, seinen Namen mit der Qualität feingearbeiteter Graphiken in das Gedächtnis seiner Kunden einzugravieren. Aber nicht alles war dann auch wirklich von Dürer, denn schon bei neueren Editionen des «Narrenschiffs» hatte man auf einfachere Druckgraphiken zurückgegriffen, die sich an Dürers Vorlagen orientierten.

Streit um Urheberrecht

Dürer versuchte, seine Werke nun auch gegen Kopierer und Nachahmer zu schützen. Schon seine «Apokalypse» (1498) – seine erfolgreichste Druckgraphik, die er selbst veröffentlichte und vertrieb und mit der er in ganz Europa Bekanntheit erlangte – erlebte dieses Schicksal, als Johann Greff 1502 sogar Dürers Monogramm getilgt hatte. Dürer hatte in der Originalausgabe alle 15 Holzschnitte mit seinem Monogramm versehen und so seine Urheberschaft dokumentiert. Solche «trügerischen» Nachahmungen zeigen, dass Dürers Werke bereits große Wertschätzung erlangt hatten. Von 1505/06 ist ein Prozess Dürers gegen den «Fälscher» Raimondi in Venedig überliefert, wobei es sich um den ersten dokumentierten Urheberrechtsstreit der Geschichte handelt. Am Ende konnte Dürer aber nur eine Unterlassung der Verwendung seines Monogramms erzwingen, nicht aber das Kopieren seiner Werke.

So hängt er 1511 an seine drei Buchausgaben der «Großen Passion», «Kleinen Passion» und des «Marienlebens» die mahnende Nachschrift an, die auf das Urheberrecht verweist: «Wehe dir, Betrüger und Dieb von fremder Arbeitsleitung und Einfällen, lass es dir nicht einfallen, deine dreisten Hände an diese Werke anzulegen! Denn lass dir sagen, dass uns das Privileg durch den ruhmreichsten Kaiser des Heiligen römischen Reichs, Maximilian, erteilt ist, dass niemand in Nachschnitten diese Bilder drucken oder gedruckt innerhalb des Reichsgebiets verkaufen darf. Solltest du aber in Missachtung oder aus verbrecherischer Habgier zuwiderhandeln, sei versichert, dass du nach Konfiskation deines Besitzes mit der schärfsten Strafe rechnen musst.»

Er versuchte sich auch als Unternehmer im Bereich der Porträtmalerei. So dienten seine zahlreichen Selbstporträts wohl vor allem als Werbung für potenzielle Auftraggeber. Vor allem das Selbstporträt von 1500, «Selbstbildnis im Pelzrock», hatte Modell- und Werbecharakter, da es auf typische Christusdarstellungen anspielt und zugleich mit seiner detaillierten Darstellung der gelockten Haare des Künstlers und des realistisch gemalten Pelzmantels eine Meisterleistung darstellt. Es sollte zugleich sein letztes Selbstporträt sein. Die lateinische Inschrift lautet: «Ich, der Nürnberger Albrecht Dürer, habe mich selbst auf diese Weise mit der mir zu eigenen Farben im 29. Lebensjahr nachgebildet.» Das heißt, er malte sich naturgetreu.

Dürer selbst aber zeichnete sich fortan nur noch als eine Randfigur in seinen eigenen Werken, so etwa in seinem «Rosenkranzfest» (1506), wo er an einen Baum gelehnt der Krönung von Papst und Kaiser durch Maria und den Jesusknaben beiwohnt.

«Der hl. Hieronymus» von 1521 wurde für viele Künstler zur Vorlage und ist wohl eines der wichtigsten Werke in der Kunstgeschichte geworden.

Die Malerei als – Studienobjekt

Als das Geschäft mit Flugblättern und reformatorischen Schriften begann, war Dürer nicht daran beteiligt. Er begrüßte zwar 1525 noch den Einzug der Reformation in Nürnberg – als einer der ersten Reichstädte – und die Eröffnung des Egidiengymnasiums zur intellektuellen Ausbildung der Bürgerkinder, blieb dann aber bis zu seinem Tod doch der Linie eines Philipp Melanchthon und Erasmus von Rotterdam treu – die er beide auch in Drucken porträtierte. Beide glaubten an eine innerkirchliche Reform.

Zudem widmete er sich nun als finanziell abgesicherter «Privatier» ganz seinen theoretischen Kunststudien, vor allem mit seiner «Unterweisung der Messung» (1525), dem «Festungsbau» (1527) und «Vier Bücher von menschlicher Proportion» (1528). Sie sollten zeigen, dass die Kunst als eine akademische Disziplin gelehrt werden könnte. Seine Theorie- und Lehrbücher waren ihrer Zeit weit voraus. Erst 1662 wurde in Nürnberg die erste Kunstakademie im deutschen Sprachraum gegründet, wobei man auf ihn besonders Bezug nahm.

Mit seinem Tod am 6. April 1528, im Alter von 56 Jahren, starb er zwar körperlich – wie Prickheimer auf der Grabplatte Dürers festhalten ließ, blieb aber durch seine Werke und Nachwirkung bis heute ein «Apelles» des 15. Jahrhunderts.

Mit dem Projekt «duerer.digital» der Universitätsbibliothek Heidelberg, das im vergangenen Jahr startete, sollen fortschreitend Werkverzeichnisse, Literatur, Quellentexte und Werke des Dürer-Nachlebens online bereitgestellt werden. Ein Projekt, das sicherlich ganz im Geiste des «deutschen Apelles» wäre, da es zur Verewigung seiner Werke und seines Namens beiträgt. Erasmus von Rotterdam schrieb 1523 an Pirckheimer über Dürer: «Er ist ein Künstler, würdig, niemals zu sterben».

Leseempfehlung: Thomas Schauerte, Albrecht Dürer, München: Beck 2020.

Apelles

Der bedeutendste Maler der Antike; der einzige Maler von dem sich Alexander der Große proträtieren lassen wollte. Seine Bilder sollen so realistisch gewesen sein, dass man durch sie getäuscht werden konnte. Ihm wird auch nachgesagt, der erste Künstler zu sein, der ein Selbstporträt anfertigte. Es sind aber keine Werke von ihm erhalten.

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