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martes, 15. junio 2021
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Bergsteiger Rodrigo Vivanco : Pandemie durchkreuzt Suchaktion

Vor zwei Jahren verschwunden

Rodrigo Vivanco war ein leidenschaftlicher Berg-steiger und Kletterer, der zahlreiche Höhengipfel in den Hochgebirgen Südamerikas, Europas und Asiens bezwungen hat. Genau vor zwei Jahren, am 15. Mai 2019, bestieg er im Himalaya den Gipfel des Kanchenjunga – den dritthöchsten Berg der Welt – und kehrte nicht zurück.

Um ihn mit einem Ritual zu verabschieden, rief seine Frau im November 2019 zu einer Spendenaktion auf, um sich von ihm zu verabschieden. Doch durch die Pandemie war dies nicht möglich. 

Der Chilene Rodrigo Vivanco erbte die Liebe und die Leidenschaft für die Berge von seinem Vater Francisco, der ebenfalls Bergsteiger war und einige Erstbesteigungen im chilenischen Gebirge vorzeigen kann. Rodrigo lernte also von klein auf, was in den Bergen zählt. Rodrigo Vivanco forderte sich immer wieder selbst zu neuen Zielen heraus und lebte dabei bewusst seinen Lebenstraum. Doch das reichte ihm nicht, auch beruflich bildete er sich vollkommen in diesem Gebiet aus. Er war promovierter Sportwissenschaftler und als Professor an der Universität tätig. Er war Bergführer und Bergretter – durch und durch ein Experte für Hochgebirgssicherheit. An seinem Todestag war er 49 Jahre alt, im Oktober wollte er gemeinsam mit seiner Frau seinen 50. Geburtstag in Japan feiern.

Die Herausforderung in 8.586 Metern Höhe

Am 14. Mai gegen 19 Uhr nepalesischer Zeit begann Rodrigo Vivanco seine Solobesteigung vom Basislager Nummer 4 auf 7.300 Metern. Der erfahrene Bergsteiger hatte sich dazu entschieden ohne zusätzlichen Sauerstoff oder Hochgebirgsträger allein bis zum höchsten Punkt des Mount Kanchenjunga in 8.586 Meter aufzusteigen. Laut dem GPS-Signal erreichte er am 15. Mai gegen 17.30 Uhr den Gipfel, wo er sich circa eine Stunde aufhielt und bei Sonnenschein die sicherlich atemberaubende Aussicht auf die umliegenden Berge genoss. Danach registrierte das Signal nur noch einen geringen Höhenabstieg. Es ist wahrscheinlich, dass der Bergsteiger dann aufgrund seines erschöpften Zustands den Abstieg nicht mehr vornehmen konnte, und dass er am Berg eingeschlafen ist. Sein Körper wird nahe dem Gipfel vermutet.

Ein letztes Abschiedsritual steht noch aus

«Doch hier endet die Geschichte noch nicht», erzählt seine Frau Sabine, «denn jede Expedition haben wir mit Rodrigos Rückkehr und einer innigen Umarmung gefeiert.» Dieses Ritual soll auch für die letzte Besteigung begangen werden. Aus diesem Grund rief Vivancos Frau Ende 2019 zu einer Spendenaktion auf: Rodrigo soll nahe dem Gipfel des Kanchenjunga mit der chilenischen Fahne bedeckt werden, unterschrieben von seiner Familie, seinen Freunden und seiner Frau – stellvertretend für eine letzte, unendliche Umarmung. Die Fahne seines Vaterlandes hatte der Bergsteiger bei jeder Gipfelbesteigung gen Himmel gehoben. Das gesammelte Geld soll dafür verwendet werden örtliche, erfahrene Sherpas für den Aufstieg zum Gipfel zu engagieren, damit sie Rodrigo Vivancos Körper mit der Fahne bedecken können, die ihn dort – in einer Umgebung, für die sein Herz schlug – für immer umarmen soll. 

Was seit dem Spendenaufruf geschehen ist

Parallel zu dem Spendenaufruf wurde im Februar 2020 eine große Tombola auf die Beine gestellt. Hinzu kommt der Erlös aus dem Verkauf der Bergsteiger- und Skisachen von Rodrigo Vivanco – ein nicht unerhebliches Sortiment. Dann wurden alle weiteren Pläne von der Pandemie durchkreuzt: Die Suche konnte nicht wie geplant im Mai 2020 starten und wurde zunächst auf Mai dieses Jahres verschoben. Doch bis dato sind von den Behörden nur Genehmigungen für andere Berge wie beispielsweise den Mount Everest ausgestellt worden.

Der Kanchenjunga ist kein einfacher Berg. Viele Bergsteiger konnten während der Pandemie nicht trainieren oder erhalten wegen des Virus einfach keine Versicherung. Ohne diese bekommen sie wiederum keine Genehmigung von den nepalesischen Behörden.

Zurzeit werden jedoch bereits Expeditionen für das zweite Quartal 2022 angemeldet. Die Suche ist nun für Mai 2022 angedacht. Bis dahin sollen weitere Spendengelder gesammelt werden. Geplant sind ein Garagenverkauf und die Herausgabe eines zeitlosen Fotokalenders. Dieser Kalender erscheint am kommenden 15. Mai – genau zwei Jahre nach Rodrigos Aufstieg. Ein kleines, aber schönes Detail ist: Der Verkaufspreis des Kalenders beträgt 8.586 Pesos, was der Gipfelhöhe des Mount Kanchenjungas entspricht.

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