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domingo, 19. septiembre 2021
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Familie Reiseneggers Bäckerei in Temuco auf dem Erfolgspfad

Ob Apfelstreusel, Bienenstich oder Brezel – Backwaren sind bei «Omas Brot» Verkaufsschlager

Das hätte Oma Elfriede sicherlich nie gedacht: Ihr Brotrezept war der Beginn für ein neues Unternehmen. Viele Aufs und Abs erlebte die Bäckerei «Omas Brot» in Temuco seit ihrer Gründung vor 28 Jahren – aber nun freut sich Elfriedes Enkel und Geschäftsbesitzer Jan Reisenegger über eine größere Nachfrage denn je.

«Das schmeckt so gut – verkaufe das doch», rieten die Freunde von Martin Reisenegger ihm. Er ist eigentlich von Beruf Chemieingenieur und buk gerne zuhause in seiner Küche. Das Vollkornbrot nach dem Rezept seiner aus Dresden gebürtigen Großmutter Elfriede Röhrborn kam besonders gut an. So entschloss er sich 1993 eine Bäckerei zu gründen. Als er einige Jahre später aus familiären Gründen nach Deutschland zog, führten seine Schwägerin und seine Mutter die Bäckerei weiter. Ihnen fehlte die Zeit für das Geschäft und schließlich wurden sie noch von einem Angestellten betrogen. Daher baten die Frauen Martins Bruder, Jan Reisenegger, um seine Unterstützung. Der Tierarzt war im Tierfutterbereich tätig und gerade auf der Suche nach einer neuen Stelle.

Vier Filialen und eine Backfabrik

Mit zwei Mitgesellschaftern, die vom Erfolg überzeugt waren, übernahm er den Laden. Seitdem hat sich die gute Qualität des Brots, aber auch der vielen Backwaren, Kuchen und Torten in Temuco herumgesprochen: Jan Reisenegger eröffnete schließlich eine dritte und einige Jahre später eine vierte Filiale. Im Jahr 2012 kaufte er ein Grundstück, auf das er eine Fabrik baute. Inzwischen sind er und seine Frau Luise Scheel die alleinigen Besitzer der Bäckerei. 

Eine schwierige Zeit erlebte Jan Reisenegger in den Jahren von 2014 bis 2016: Es eröffneten ganz in der Nähe seiner Filialen Supermärkte und viele Kunden kauften dort statt bei ihm ein. Der Umsatz sank merklich. Doch wieder gab er nicht auf. Nach und nach kamen die Kunden zurück – «Qualität siegt», meint der Deutsch-Chilene. Seitdem arbeitet auch seine Frau mit im Geschäft, die eine große Unterstützung für ihn sei, wie der Bäckerei-Inhaber meint: «Als gelernte Erzieherin kann sie gut mit Menschen umgehen und das merken vor allem die Kunden an der guten Betreuung.» Die beiden Cafes, die sich in zwei der Filalen befinden, kommen allerdings ohne Bedienung aus: «Wir haben das Take-away-Konzept von Starbucks gewählt. Die Kunden bezahlen zuerst und können dann bei Musik auf den bequemen Sesseln und an den Tischen Platz nehmen.»

Einen weiteren Qualitätssprung gab es vor einigen Jahren, als der Unternehmer einen Bäckermeister aus Deutschland anwarb. Frank Burggraf aus Bannberscheid bei Montabaur im rheinwestfälischen Westerwald beriet während acht Monaten seinen chilenischen Kollegen dabei, die Herstellung zu verbessern. «Frank half bei der Anschaffung von neuen Maschinen und auch bei den Rezepten – das hat uns wesentlich weitergebracht», meint Jan Reisenegger.

«Run auf unseren Kuchen»

Inzwischen arbeiten in der Brotfabrik 30 und in den vier Verkaufsfilialen in Temuco 35 Angestellte. Immer noch wird das «Pan alemán de campo» gebacken, das auf dem Rezept von seiner Großmutter Elfriede beruht. Das Brot sei eines der beliebtesten der insgesamt rund 25 Sorten, stellt Jan Reisenegger fest. Das «Pan Italiano» findet den größten Absatz, eine Art   Ciabatta-Brot. Genauso sind die Laugenbrezeln ein Verkaufsschlager, die zu bestimmen Veranstaltungen wie dem 3. Oktober oder vor deutschen Fußballspielen bestellt werden können. Außerdem gibt es Pizza, Sandwichs und Empanadas im Angebot.

Über 15 Kuchensorten kommen aus den Öfen der Backstube von «Omas Brot»: Apfelstreusel, Bienenstich, Schwarzwälder Kirschtorte, aber auch vor allem der Pie der Limón ist sehr gefragt – und das umso mehr in der Pandemie. «Tatsächlich erleben wir seit letztem Jahr einen Run insbesondere auf unseren Kuchen.» Wie erklärt sich das Jan Reisenegger? «Die Leute können nicht mehr so viel Geld ausgeben, weil so vieles geschlossen ist. Wenn man außerdem einen großen Teil der Zeit zuhause verbringt, möchte man sich wenigstens beim Essen etwas Gutes leisten.»

Wenn die Nachfrage weiter so hoch bleibe, werde wohl die Fabrik ausgebaut werden müssen, meint der Unternehmer. Ansonsten kann er sich auch vorstellen, dass er in Temuco – die Stadt hat 300.000 Einwohner – noch eine Filiale oder mehr eröffnet. Bei einer Expansion in andere chilenische Städte würde er ein Franchisesystem vorziehen. Auch ein Angebot per Internet sei eine Alternative.

Die Zukunft der Bäckerei «Omas Brot» ist noch offen. Das Ehepaar hat drei Töchter, die aber ähnlich wie der Vater Berufe im medizinischen Bereich gewählt haben. Doch da der studierte Tierarzt auch noch einmal eine berufliche Wende machte, wäre es doch zumindest möglich, dass auch die nächste Generation, die «Omas Brot» leitet, aus der Familie Reisenegger stammt.

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