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domingo, 19. septiembre 2021
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Jorge Imhoff – Konteradmiral

«Man muss sich täglich neu begeistern lassen»

Gegenwärtig ist er für Chiles maritime Belange und den Umweltschutz seiner Meeresgebiete zuständig. Diese Aufgabe nimmt er als Marineoffizier des Ressorts Küste wahr. «Wir sind eine Art Küstenwache der chilenischen Seestreitkraft», erläutert Jorge Imhoff.

In einer Epoche, in der die Umweltverschmutzung besorgniserregende Ausmaße erreicht hat, sorgen Imhoff und seine Mitarbeiter für ein sauberes Meer. «Wenn ein Unglück passiert, ist es unsere Aufgabe, es zu bekämpfen.» Damit meint er zum Beispiel Unfälle von Tankern, die durch ein Leck Öl verlieren, was in den letzten Jahrzehnten immer wieder vorkam.

In chilenischen Gewässern sind gelegentlich solche Fälle eingetreten, «wobei wir immer Sofortmaßnahmen ergreifen, indem wir Eindämmungsbarrieren anlegen und den entstandenen Schaden einschätzen, worauf das verantwortliche Unternehmen die Säuberung vornimmt.» Auf dem Seeweg Paso Kirke in der Magallanes-Region «haben wir zum Beispiel verschiedene Unfälle gehabt. Einige Schiffe sind gestrandet, andere untergegangen. Dabei floss Öl ins Meer, und wir mussten Sperren aufstellen, um den Abfluss und damit eine Ausbreitung aufzuhalten.» Dazu werden Proben entnommen und die Säuberungsmaßnahmen überwacht. Das südliche Gebiet der Meereskanäle «ist eine ziemlich sensible Zone», unterstreicht Imhoff, «insbesondere wegen der Flora und Fauna, der die Marine besondere Aufmerksamkeit schenkt, um sie schützen.»

Jorge Imhoff ist in Valparaíso geboren und besuchte in der Hafenstadt die Deutsche Schule, die, wie er versichert, «meine Kindheit definitiv geprägt hat. Sie hat mir – bis zum heutigen Tage – viel Selbstbewusstsein mitgegeben.» Er pflegt über die sozialen Netzwerke heute noch Freundschaften zu Schulkameraden. «Diese Ausbildungsphase war eine bedeutende Erfahrung in meiner Kindheit und Jugend, mit hervorragenden Lehrern, die mir in meiner Erziehung außerordentlich geholfen haben.»

Trotzdem entschloss sich der 15 Jahre junge Jorge, die Deutsche Schule zu verlassen, um sich an der Offiziersausbildungsstätte der Marine zu bewerben. Seine beiden älteren Brüder waren damals bereits seit einigen Jahren Kadetten der Escuela Naval. An den Wochenenden kamen deren Mitschüler zu Imhoffs zu Besuch. «Einer von ihnen war der Freund von meiner großen Schwester, den sie später geheiratet hat», erzählt er, und fügt schmunzelnd hinzu: «So ist mir eigentlich gar nichts anderes übrig geblieben, als mich auch an der Escuela Naval zu bewerben.» 

Übrigens war Jorge Imhoffs Vater Offizier des Heeres. Er entschloss sich jedoch als Hauptmann seine Laufbahn aufzugeben, um im zivilen Berufsleben eine rentablere Anstellung zu finden, die es ihm ermöglichte, seine vier Kinder in der Deutschen Schule ausbilden zu lassen. Das rechnet ihm sein Sohn immer noch hoch an: «Er hat seine erfolgreiche militärische Berufung zugunsten seiner Kinder aufgegeben.»

Jorge Imhoffs Laufbahn spielte sich nicht nur in Chile ab. An der World Maritime University (WMU) im schwedischen Malmö machte er ab 2003 einen Magister in maritimer Ausbildung und maritimem Training. Schon allein seine 108 Mitschüler aus aller Welt machten diese Erfahrung zum einzigartigen Erlebnis. «Es entstand dort ein Netzwerk von Kontakten, das mir sehr nützlich sein sollte», stellt er fest. Dazu kam, dass er in Begleitung seiner Frau und den vier damals kleinen Kindern nach Schweden reisen konnte, was den Auslandsaufenthalt besonders angenehm gestaltete. 

Jedes Jahr beordert die chilenische Marine einen Offizier an die WMU, um sich beruflich zu spezialisieren. Imhoff ist davon überzeugt, dass ihm diese Fortbildung wertvolle Werkzeuge an die Hand gegeben hat, um seinen Beruf besser und entsprechend den heutigen Anforderungen auszuüben. Außerdem erhielt er die Möglichkeit, mit Kollegen aus zahlreichen Ländern wertvolle Erfahrungen auszutauschen. 

2012 wurde er als chilenischer Vertreter zur International Maritime Organization (IMO) der Vereinten Nationen nach London beordert: «Dort habe ich an sämtlichen technischen Besprechungen teilgenommen, um für die Interessen Chiles zu sorgen.» 175 Staaten sind IMO-Mitglieder. Sie treffen Vereinbarungen zum Schifffahrtsgeschäft: «Es waren zwei Jahre beruflicher Entwicklung in einem internationalen Milieu für mich, die aber auch meine Frau und meine Kinder bereicherten.»

Heute lebt Jorge Imhoff mit seiner Frau und den beiden Jüngsten in Viña del Mar. In der Freizeit treibt er mit Vorliebe vier Mal in der Woche Sport und trifft sich an den Wochenenden mit seinen Kindern. 

Rückblickend meint er, dass die Marineoffizierslaufbahn mit großen Opfern verbunden ist: «Schon die Ausbildung in der Escuela Naval ist hart. Dessen ungeachtet liebe ich diesen Beruf. Im öffentlichen Dienst tätig zu sein, ist etwas Bereicherndes, und man lernt vieles, was heutzutage – besonders unter den jungen Menschen – Not tut, wie zum Beispiel, dass man Rechte hat, aber auch Pflichten, und dass man seinen Pflichten nachgehen muss, um danach auch seine Rechte einfordern zu können.»

Große Wichtigkeit misst er dem Engagement und der Leidenschaft bei, mit denen ein Marineoffizier seine Aufgaben wahrnehmen sollte: «Man muss sich täglich neu begeistern lassen, was nicht immer einfach ist. Manchmal machen wir schwierige, demotivierende Phasen durch. Da müssen wir lernen, uns aufzurichten. Das lernt man in der Marine und deswegen würde ich, wenn ich wieder auf die Welt käme, noch einmal Seeoffizier werden.»

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