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viernes, 22. octubre 2021
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Papst Leo X. vor 500 Jahren gestorben

Der Medici-Papst, der den Weg zur Reformation ebnete

Porträt von Papst Leo X. mit Kardinälen, Gemälde von Raffael um 1518 (in den Uffizien in Florenz)

Leo X. war ein Papst der Medici: Finanzielle, familiäre und machtpolitische Interessen bestimmten sein Handeln. Er erkannte nicht seine zentrale Rolle an diesem Wendepunkt der Geschichte, unterschätzte Luther und statt kirchliche Reformen voranzutreiben, ließ er die Kirche in die Spaltung der Reformation driften.

Hoffnungsträger auf dem Stuhl Petri

Als der 37-jährige Giovanni de’ Medici, Sohn von Lorenzo dem Prächtigen, am 9. März 1513 zum neuen Papst gewählt wurde und den Namen Leo X. annahm, hoffte man auf eine moralische Erneuerung des Papsttums. Dessen unmittelbarer Vorgänger Julius II. kennzeichnete sich eher als ein selbstgefälliger, machtbesessener Fürst einer verweltlichten Kurie, der selbst Gewalt einsetzte, um seine politischen Herrschaftsziele zu erreichen. So zumindest sah ihn auch der berühmte Humanist Erasmus von Rotterdam. Noch schlimmer war davor der Borgia-Papst Alexander, der das Papsttum in sittlichen Misskredit brachte.   

Nun hoffte man auf einen intelligenten Papst, der den Frieden und die Künste förderte und die notwendigen kirchlichen Reformen vorantreiben würde. Der neue hochgebildete Medici-Papst zeigte bereits als Kardinal sein Interesse für Wissenschaft und Kunst. So erwartete man von Leo X. den Einsatz für die schönen Künste und für ein Leben feiner Weltlichkeit mit Spiel, Theater und Jagd. Er war mit 14 Jahren Kardinal geworden, erlangte jedoch erst drei Jahre später das Stimmrecht im Kardinalskollegium und damit Wohlstand durch die Pfründe. Leo X. war daher schon frühzeitig vertraut mit einem Leben als kirchlicher Fürst. 

Tatsächlich war Leo X. ein Förderer der Künste. Der Bildhauer und Maler Rafael führte seine Arbeiten, die er unter Julius II. begonnen hatte, in den Privaträumen und im Audienzsaal fort. Es ging dem Papst vor allem um seine Selbstdarstellung, und er scheint auch direkt an der Gestaltung der Werke Rafaels beteiligt gewesen zu sein. In der «Begegnung zwischen Leo und Attila» wurde das Porträt Leos X. in der Figur Leos des Großen dargestellt. Rafael wurde dann zum Nachfolger des Architekten Bramantes von Neu-St. Peter ernannt. Leo X. sprach täglich mit ihm über den Fortgang der Bauarbeiten.

Familie, Politik und Reformen

Seine Familie waren die Medici. Die aus Florenz stammende Dynastie war über 300 Jahre lang die mächtigste und einflussreichste Familie Italiens. Ihre Interessen standen im Mittelpunkt der Politik des Papstes. Sein Vater Lorenzo riet ihm, sich an bestimmte Mitglieder im Kardinalkollegium zu halten, «so wird Euch die Gelegenheit nicht fehlen, unserer Stadt Florenz und unserem Hause nützlich zu sein; denn die Verbindung mit der Kirche gereicht der Stadt zum Vorteil. Ihr aber müßt das Band zwischen beiden bilden, während das Haus mit der Stadt geht…».

Aber auch die Weltpolitik bestimmte sein Pontifikat. An Frankreich suchte er eine friedliche Annäherung, und bei der Frage nach der Kaisernachfolge des verstorbenen Maximilians im Januar 1519, versuchte Leo X. zunächst die Wahl Karls V. zu verhindern und hoffte, dass stattdessen Friedrich der Weise Kaiser werde. Spanien sollte nicht zu mächtig sein, und der Papst wollte die Macht der Kirche stärken, indem er die Mächte Frankreich und Spanien möglichst in einem Gleichgewicht hielt. 

Leo X. setzte das V. Laterankonzil, das von Julius II. einberufen worden war, fort. Es gelang, auch Vertreter Frankreichs zur Teilnahme zu gewinnen, womit das bestehende Schisma mit der französischen Kirche friedlich ein Ende fand. Das Konzil beschloss Reformen zur Ermäßigung der Taxen (Kosten für Urkunden, Dispensen, Ämterbesetzungen), die Vergabe von Bistümern und Abteien an würdige Personen, Einschränkungen der Pfründenhäufungen, Abhaltung von Provinzial- und Diözesansynoden, Religionsunterricht für die Jugend und vieles mehr. Leider blieben diese Reformen dann nur auf dem Papier stehen. Die Geldnot Roms weitete das Pfründenwesen aus, und auch die Einschränkung der Pfründenhäufung beziehungsweise Ämterhäufung wurde sogleich verletzt, als dem Erzbischof Albrecht von Brandenburg schließlich auch das Erzbistum Mainz zuerkannt wurde. Um die anfallenden Kosten für die Ämterhäufung zu begleichen, nahm Albrecht einen Kredit auf, erhielt zugleich aber auch die Genehmigung, sich finanzielle Einkünfte aus dem Ablasshandel zu sichern. 

Auch bei der Ernennung neuer Kardinäle zeigte Leo X. nur wenig Interesse an einer Durchsetzung von Reformen. Auch hier dominierte die Familien- und Machtpolitik des Medici-Papstes.  

Wie Leo X. die Kirchenspaltung zuließ

Mit seiner Kritik 1517 an der Praxis des Ablasshandels hatte der Wittenbergische Augustinermönch und Bibelprofessor Martin Luther eine theologische Diskussion angestoßen. Da aber die Kirchenvertreter vor Ort sich nicht dazu äußerten, forderte Luther eine Stellungnahme des Papstes. Er schrieb sogar nach Rom und forderte eine theologische Klarstellung. In Rom schien man aber wenig an theologischen Debatten und Themen interessiert, und so verstrich wertvolle Zeit.

Der gelehrte Luther aber befasste sich mit weiteren grundlegenden theologischen Fragen zur weltlichen und kirchlichen Autorität, vor allem zu den Sakramenten. Jahre vergingen, ohne dass etwas in der Causa Luther geschah. Erst als die politische Entscheidung der Kaisernachfolge 1520 entschieden wurde, nahm man sich des «kleinen Mönches» aus Wittenberg an. Luther hatte aber inzwischen radikalere theologische Positionen eingenommen. Mittlerweile erschien ihm Leo X. als unwürdiger Papst, sogar als Antichrist. Rom drohte ihm mit dem Kirchenbann. Luther seinerseits brach mit der Kirche und forderte eine Revision der Sakramentenlehre der Kirche, sprach dem Papst die universale Autorität ab und forderte den Kaiser auf, sich vom Einfluss der Kirche zu trennen und die Landesherren im Reich, die kirchlichen Angelegenheiten in ihren Territorien selbst zu regeln. 


Die Bannandrohnungsbulle von Leo X. «Bulla contra errores Martini Lutheri et sequacium» (Bulle gegen die Irrtümer Luthers und seiner Anhänger) vom 15. Juni 1520 ließ Luther sechzig Tage Zeit zum Widerruf.

41 Punkte der Schriften Luthers wurden schließlich verurteilt und Luther zum Widerruf aufgefordert. Schließlich wurden die Schriften des Theologen öffentlich verbrannt. Doch Luthers demonstrative Gegenaktion, die Verbrennung der Schriften seiner Gegner und der Bannbulle, zeigte, dass der Graben zwischen dem Reformator und Rom inzwischen unüberwindlich geworden waren. 

Nach der kirchlichen Verurteilung sollte dann im Reichstag von Worms die weltliche Hand die Vollstreckung des Urteils garantieren. Doch Luther konnte unter dem Schutz seinen Landesherren Friedrich des Weisen weiterwirken, und damit nahm die Reformation ihren Gang.

Die Nachlässigkeit Leo X., sein Desinteresse an Reformen, seine politischen Interessen und das Verschleppen von Entscheidungen und klärenden theologischen Gesprächen führten am Ende zur Entfaltung der Reformation. Statt die Kirche zu reformieren, führte das Ignorieren von Problemen und das Laufenlassen von Missständen zur Spaltung der Kirche. Hätte er die Reformvorschläge des V. Laterankonzils und theologische Klärungen der Fragen Luthers aufgegriffen und angegangen, wäre die Geschichte sicherlich anders verlaufen.

Als Leo X. am 1. Dezember 1521 verstarb, hatte er eine gespaltene Kirche hinterlassen und den Weg zur Entfaltung der Reformation selbst geebnet. Es sollten noch ein paar Jahrzehnte vergehen, bis die katholische Kirche im Konzil von Trient endlich selbst notwendige Reformen umsetzte.

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