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lunes, 27. septiembre 2021
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Frederik Heise – Schulleiter der Deutschen Schule Santiago

«Für alle erreichbar»

Foto: Silvia Kählert

Von Stefanie Hornung

Am Anfang stand eine «Bierlaune, aber keine Schnapsidee», wie Frederik Heise betont. Mit seiner Frau Britta saßen sie nach einem Volleyball-Turnier gemütlich bei einem Pils mit Kollegen zusammen, die von ihren Erfahrungen als Lehrer im Ausland schwärmten. An jenem Abend 2017 wurde die Idee geboren, sich für eine Tätigkeit außerhalb von Deutschland zu bewerben. Nordamerika war eine erste Idee des Lehrer-Ehepaars, das sich schon seit der gemeinsamen Schulzeit in Gifhorn in der Nähe von Braunschweig kennt. Auch Spanien schien eine spannende Option zu sein, zumal sie das Land aus etlichen Urlauben bereits gut kannten. «Aber wir waren uns einig, dass es nach Möglichkeit nicht in Europa sein sollte. Wir Niedersachsen sind ja als sturmfest und erdverwachsen bekannt, ergo konnte es jedes Land außerhalb der europäischen Komfortzone sein», erinnert sich Frederik. Beide seien schon in viele Länder gereist, kannten die europäischen Nachbarländer sowie Nordamerika und Asien. Südamerika war bislang außen vor geblieben Daher war die Überlegung: «Warum nicht? Und wir wollten sowieso immer Spanisch lernen. Letztlich war es aber eine gemeinsame Entscheidung der Familie, sich auch für Südamerika zu bewerben.» Dass es dann Chile wurde, sei dennoch eine Überraschung gewesen.

«Schon die Ankunft 2018 war ein kleiner Kulturschock für uns. Die Größe und Ausdehnung der Stadt, die armen Barackensiedlungen entlang des Rio Mapocho im Kontrast zu den glitzernden Fassaden der Büro- und Wohntürme in den wohlhabenderen Vierteln – das alles ist für eine Familie aus Oldenburg dann schon sehr beeindruckend», sagt Frederik, der neben seiner Frau auch die beiden Töchter mit nach Chile brachte. Die niedersächsische Heimat Oldenburg mit rund 160.000 Einwohnern kontrastierte erheblich mit der Millionenmetropole Santiago. Aber die Familie lebte sich schnell ein, zumal sich das Leben in Vitacura entspannt anließ auch durch die Nähe zum Arbeits- und Lernort Deutsche Schule Santiago. Britta Heise trat ihre Arbeit als Englisch- und Musiklehrerin an, Frederik die seine als Koordinator für pädagogisches Qualitätsmanagement sowie Lehrer für Physik und Mathematik. Die Töchter Fenna (13) und Malve (10) starteten in den jeweiligen Jahrgangsstufen. 

Frederik gründete an der Deutschen Schule Projektgruppen, die die digitalen Kompetenzen von Schülern und Lehrern stärken sollen. Ein wichtiger Baustein für den Fernunterricht während der Pandemie, wie sich später herausstellen sollte. Als er dann im August 2020 Nachfolger des Leiters des deutschsprachigen Abiturprogramms wurde, hatten die dafür aufgelegten Programme bereits erste Früchte getragen: «Unsere Schule ist digital hervorragend aufgestellt. Wir arbeiten heute mit Chromebooks für Schüler und Lehrer, die einen schnellen Zugang zu allen wichtigen Lerninstrumenten und Lernplattformen sichern. Die pädagogischen Konzepte hierfür lassen sich zukunftsweisend adaptieren und optimieren.»

Dass das chilenischen Bildungssystem im Privatschulbereich besser aufgestellt ist als das des öffentlichen Sektors, ist natürlich ein Faktor, den auch Frederik Heise anerkennt. Die Deutsche Schule Santiago und die anderen beiden Filialien der Corporación Educacional Federico Froebel, die Deutsche Schule Chicureo und Insalco, seien auf einem guten Weg. Und in Chile würde allgemein schnell und innovativ auf Krisen reagiert. «Ich glaube, dass unsere Schule qualitativ mit jenen in Deutschland absolut vergleichbar ist. Hier in Chile ist allerdings einiges unbürokratischer und direkter umsetzbar als dort, wo viele Instanzen über Kleinigkeiten entscheiden.» 

Kleinigkeiten sind für den Endvierziger dennoch entscheidend: Als er im Dezember vergangenen Jahres kommissarischer Nachfolger für den scheidenden Schulleiter wurde, entschied er sich für den Umzug des Direktorenbüros vom Obergeschoss in die erste Ebene – und eine immer offene Türe. «Ich wollte ein klares Zeichen setzen, dass ich für alle erreichbar bin. Als Schulleiter ist man Netzwerker und Entscheider zugleich. Das geht nicht ohne ein Miteinander – weder bei den Lehrkräften noch bei den Schülern.» Eine Erfahrung, die auch auf seiner bisherigen Laufbahn beruht: Schon als Verantwortlicher in der Lehrerausbildung in seinem Bereich West-Niedersachsen war ihm wichtig, dass die Teilnehmer sich auch neuen Arbeitsformen wie zum Beispiel der Digitalisierung öffnen. 

Bis zum Ende seines Chile-Aufenthalts will er in der Deutschen Schule auf jeden Fall noch weitere neue pädagogische Konzepte umsetzen und bisherige optimieren. Die Rückkehr nach Oldenburg ist aber nicht entschieden. Vorher muss noch ein neuer Schulleiter gefunden werden. Bis dahin hofft er, dass Chile ihn weiterhin überraschen wird. Positiv natürlich: mit vielen weiteren Reisen durch das Land, Mountainbike-Touren in den Anden und dem Ende der Pandemie.

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