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martes, 15. junio 2021
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«Es gibt viele neue Ideen und alle wollen etwas bewegen»

Kommunalwahlen am 10. und 11. April

Von Silvia Kählert

Die Kommunalwahlen finden in Chile am 10. und 11. April statt. Auch ehemalige deutsch-chilenische Schüler aus der Deutschen Schule Santiago kandidieren für den Posten der «Consejales», der Stadträte. Der Cóndor fragte nach, was sie dazu bewogen hat.

Felipe O´Ryan ist 28 Jahre alt und machte seinen Abschluss vor elf Jahren auf der DS Santiago. «Auch schon in der Schule habe ich mich gerne in Gemeinschaften engagiert. Das begann mit den Pfadfindern in der DS Santiago, bei denen ich 14 Jahre mitgemacht habe.» Nach seinem Schulabschluss begann er mit dem Jurastudium an der Universidad de los Andes.

Für mehr Recycling

Nach dem Studium arbeitete er in einer Rechtsanwaltspraxis. Schon bald wurde ihm aber klar, dass diese Arbeit nicht das war, was er suchte: «Ich merkte, dass ich mich für mein Land engagieren wollte, dass ich politisch aktiv sein wollte.» Der junge Mann sah sich nach einer anderen Stelle um und begann schließlich beim Innenministerium zu arbeiten: «Es ging um Regionalprojekte. Da war ich die ganze Woche in ganz Chile unterwegs. Ich sprach mit vielen Leuten und merkte auch, was für sie wichtig war.» 

Felipe O`Ryan erklärt überzeugt: «Ich liebe Vitacura – das ist meine Gemeinde, in der ich lebe und in der ich aufgewachsen bin.» Das bewog ihn im letzten Jahr, kommunalpolitisch aktiv zu werden. Er trat in die Partei Evópoli ein, da «in dieser Partei viele junge Leute aktiv sind, es gibt viele neue Ideen und alle wollen etwas bewegen.» 

Daher kandidiert er nun für das Amt des «consejal», des Stadtrats. Neben dem Bürgermeister werden im April für Vitacura sechs neue Stadträte gewählt. Die Anzahl der Stadträte liegt pro «comuna» zwischen sechs und zehn und hängt von der Anzahl der Wähler jeder Gemeinde ab, die in Vitacura weniger als 70.000 Personen beträgt.

Felipe O´Ryans Ziel sei vor allem, dass das Thema Umwelt und Nachhaltigkeit mehr an Gewicht erhält: «Es ist die chilenische Gemeinde, die an vierter Stelle bei der Müllproduktion steht. Es wird viel konsumiert und viel weggeschmissen. Nur aber sieben Prozent des Mülls wird recycelt. Das soll mehr werden.» Seit der Wahlkampagne hat er viel mit Menschen, die in Vitacura leben, gesprochen. So hat er auch erfahren, dass viele einen Fahrradweg vermissen und um ihre Sicherheit besorgt sind. Er plädiert dafür, dass Polizei, Gemeinde und die Mitbürger von Vitacura besser miteinander kooperieren. Dafür möchte er sich einsetzen. Ebenso sei eine Verbesserung der Infrastruktur sein Ziel, damit auch Behinderte besser zurechtkämen. Das betreffe zum Beispiel Gehsteige und Ampeln.

Geprägt habe ihn auch bei seinem politischen Interesse die Schulzeit in der DS Santiago: «Die Lehrer haben uns immer angeregt, kritisch zu denken und uns eine eigene Meinung zu bilden.» Denn Felipe meint: «Dialog ist alles!» Es sollte viel diskutiert werden – auch zwischen Politikern und Bürgern. 

Schutz der Wälder

Juan Pablo Parada ist Felipes Schulfreund aus der DS Santiago. Auch er hat nach dem Schulabschluss Rechtswissenschaften studiert und ist Anwalt. Im Jahr 2017 beendete er sein Studium. Während des Studiums gab er auch noch Schülern der DS Santiago Nachhilfe-Unterricht: «Vor allem arbeitete ich als Geschichtslehrer. » Nach dem Studienabschluss, begann er sein Praktikum bei der Staatsanwaltschaft, um Anwalt zu werden. 

Schließlich entschloss er sich 2019 politisch aktiv zu werden. Auch für ihn spielte die Schulausbildung der DS Santiago dabei eine Rolle: «Wir haben Werte vermittelt bekommen wie Diversität, Inklusion und den Respekt voreinander.» Besonders auf der Universidad de Chile begann er sich mehr und mehr für Politik zu interessieren: «An dieser Uni geht es ständig um Politik und es wird viel diskutiert.»  

Vor allem aber will er, dass sich in seiner eigenen Gemeinde Lo Barnechea, in der er mit seiner Familie von Kind an lebt, vieles verbessert. Wichtig ist es ihm zu betonen: «Ich bin zu 100 Prozent unabhängig. Ich gehöre keiner Partei an, sondern setze mich für die Bewegung «Salvemos Lo Barnechea» ein.» Auch er kandidiert für das Amt eines Stadtrats. Insgesamt werden acht im April in dieser Gemeinde gewählt.

Für die Kandidatur seien zunächst einmal 300 Unterschriften notwendig gewesen, die 300 Personen beim Notar abgeben mussten: «Das war nicht einfach in der Pandemie», sagt er im Rückblick. Am 11. Januar dieses Jahres war es so weit: Die Bedingungen waren erfüllt, sodass er mit der Wahlkampagne starten konnte. Insgesamt seien sie beim «Movimiento» rund 50 Aktive. Bei Instagram folgen ihnen rund 8.000 Menschen, was auch wichtig sei, denn: «Da wir keine Partei sind, brauchen wir noch viel mehr Stimmen, um ein Amt zu erlangen.»

Seiner Meinung nach hätten die Parteien keine Energie mehr. Außerdem könne man auch beobachten, wie Juan Pablo meint, « dass Politiker sich oft von Interessensgruppen leiten lassen, statt das Wohl aller und den Schutz der Umwelt im Auge zu behalten.» Das sei auch in Lo Barnechea der Fall, wo er sich mit seiner Bewegung dafür einsetzt, dass in diesem an den Voranden gelegenen Stadtteil nicht immer mehr Natur, vor allem die Wälder, durch den Bau von Häusern zerstört werde: «Ich möchte, dass sich Lo Barnechea weiterentwickelt, aber es müssen auch Regeln eingehalten werden, die die Umwelt schützen.» Ein zweites Ziel sei, dass es weniger Ungleichheit zwischen den Bürgern gebe, was Bildung, Wohnungen und Verdienst angehe. Außerdem setze er sich für den Bau eines Radwegs in Lo Barnechea ein.

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