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domingo, 7. marzo 2021
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Hermann Fürst von Pückler-Muskau – vor 150 Jahren gestorben

Der Gartenfürst

Von Silvia Kählert

Fürst Pückler etwa im Jahr 1860

Er war ein genialer Gartengestalter, aber auch eine der ungewöhnlichsten Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts: Das wichtigste Vermächtnis des Schriftstellers, Weltreisenden und Visionärs Fürst Pückler sind seine Parks von Bad Muskau und Branitz.

Queen Elisabeth II. wählte nicht ohne Grund bei ihrem Besuch in Berlin und Frankfurt 2015 als Geschenk für Bundespräsident Gauck die Erstausgabe der «Briefe eines Verstorbenen». Die vier Bände, eine Art Reisetagebuch, waren der erste literarische Erfolg des Reiseschriftstellers. Fürst von Pückler-Muskau berichtet in diesen Aufzeichnungen witzig und lebendig unter anderem über seine Reise nach England – seine wichtigste Station, da er die englische Gartenkunst hier derart schätzen lernte, dass er seine Berufung zum Parkgestalter entdeckte. Dazu sollte man aber wissen, dass der Fürst eigentlich zur Brautschau in England unterwegs war – und die Briefe über seine Reise an seine bis zum Lebensende beste Freundin und geschiedene Ehefrau Lucie gerichtet waren. Wie nahm also das Leben des gut situierten Adeligen diese Wendung? 

Schuldenberg für Muskau

Als erstes Kind der 15-jährigen Clementine Gräfin von Callenberg und dem 16 Jahre älteren Graf Ludwig Carl Hans Erdmann von Pückler wird er am 30. Oktober 1785 in Bad Muskau in der Oberlausitz in Sachsen an der heutigen Grenze zu Polen geboren. Er erhält eine wechselhafte Schulbildung, bricht dann ein Jurastudium ab, wird Leutnant der Garde du Corps in Dresden und flieht schließlich hoch verschuldet mit 21 Jahren nach Wien. Vier Jahre lang unternahm er daraufhin zu Fuß Reisen bis in die Provence und nach Italien.

1811 stirbt sein Vater und Pückler erbte die Standesherrschaft Muskau. Nach dem Wiener Kongress 1815 fiel Pücklers Teil der Lausitz von Sachsen an Preußen und er wurde einer der fünfzehn größten Landbesitzer im Königreich. Der Fürst entwickelte seine ersten Landschaftspläne und sollte dann 30 Jahre lang bis 1845 den Park in Muskau nach englischem Vorbild erschaffen. Dabei hatte er genaue Vorstellungen, an denen er auch persönlich mitarbeitete: Ganze Dörfer mussten umgesiedelt werden, die Neiße wurde umgeleitet und Seen und Hügel erschaffen. Von Anfang an machte der Landschaftsplaner den Park für die Öffentlichkeit zugänglich.

1817 heiratet er die neun Jahre ältere Lucie, die geschiedene Reichsgräfin von Pappenheim. Die Tochter des preußischen Staatskanzlers Karl August von Hardenberg teilte seine Gartenleidenschaft. Doch die Gestaltung des kunstvollen Landschaftsparks verschlang ein Vermögen, der Schuldenberg wuchs und schließlich drohte der Verkauf von Muskau. Lucie sieht nur einen Ausweg: 1926 lässt sich das Ehepaar pro forma scheiden und Pückler sollte sich in England eine reiche Braut suchen.

Drei Jahre ist er auf Brautschau und obwohl erfolglos, findet der Adelige auf seiner Reise durch die Landschaftsgärten Englands seine Berufung als Gartenkünstler. Was er in England erlebte, schrieb er in zahlreichen Briefen an seine Frau Lucie. Diese erschienen 1830 als die «Briefe eines Verstorbenen» und das Buch wurde unerwartet zu einem Bestseller. Mit dem Erlös konnte er zunächst den Verkauf von Muskau aufhalten.

Ende 1834 geht Pückler abermals auf Reisen und ist sechs Jahre im Orient unterwegs. Mit spitzer Feder beschreibt der meistgelesene Reiseschriftsteller seiner Zeit eine exotische Welt, die bis heute das Orientbild der Deutschen prägt. Schließlich muss Pückler 1845 Muskau doch hoch verschuldet verkaufen und auf Wunsch Lucies ziehen sie nach Branitz im heutigen Brandenburg.

Alterswerk Branitz

Das spätbarocke Schloss, den einstigen Sitz seiner Ahnen, beginnt er umzubauen. Als inzwischen 61-Jähriger startet er außerdem noch einmal ein Gartenprojekt. Der Fürst verwandelt die flache und sandige Landschaft von Branitz durch ein ausgeklügeltes Wasser- und Wegesystem, Seen, Blickachsen, Aussichtspunkte und zwei Pyramiden zu einem völlig natürlich anmutenden Gesamtkunstwerk. Denn «der höchste Grad der landschaftlichen Gartenkunst ist nur da erreicht, wo sie wieder wie freie Natur, jedoch in ihrer edelsten Form, zu sein scheint», wie er in seinem Buch «Andeutungen über Landschaftsgärtnerei» schreibt.

Deutschen ist besonders die braun-weiß-rosa Fürst-Pückler-Eisschnitte ein Begriff. Der Fürst war ein großer Feinschmecker und die Süßspeise wurde daher nach ihm benannt. Auch in anderer Hinsicht war Pückler kein Kostverächter: Seine Romanzen sind legendär, aber er pflegte auch geistig-intellektuelle Frauenfreundschaften, etwa mit Bettina von Arnim oder der Kaiserin Augusta von Preußen. 

Nach dem Tod von Lucie 1854 ist der trauernde Pückler zwei Jahre auf Reisen. Zurück in Branitz beginnt er mit den Arbeiten an seinem eigenen Grabhügel, dem sogenannten Tumulus, führt ein gastfreundliches Haus und steht mit Größen aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft seiner Zeit in Kontakt. 

Am 4. Februar 1871 stirbt Fürst Pückler und findet im Tumulus, einer mitten im See gelegenen Pyramide, seine letzte Ruhestätte.

Mehr Parkbesucher in Pandemie

«Ein historischer Inspirator für eine energische und visionäre Zukunftsgestaltung» sei Fürst Pückler, schreibt Catrin Winn-Janetz, Pressesprecherin der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz (SFPM). Und das sei er nicht nur für die Lausitz, «eine Region, die stark von einem Strukturwandel infolge des Ausstiegs aus der Kohleverstromung gezeichnet ist». Denn gerade in der Corona-Pandemie haben außer den Cottbusern und Lausitzern viele andere Besucher aus Deutschland den immer zugänglichen Landschaftspark entdeckt und «bestaunen die Pyramiden im Park und sind überrascht vom farbenprächtigen und exotischen Interieur in einem äußerlich eher schlichten Schlossbau».

Die Aufnahme des Muskauer Parks auf die Liste des Weltkulturerbes der Unesco im Jahr 2004 sorgte für einen Anstieg der Besucherzahlen auf zurzeit rund 320.000 im Jahr. Deutschland und Polen teilen sich den Park, der mit 820 Hektar der größte europäische Landschaftspark im englischen Stil ist. 

In den vergangenen Jahren sind viele Berichte über den Parkschöpfer für das Fernsehen gedreht worden. Auch in Chile ist es möglich in der Mediathek des ZDF den Film «Fürst Pückler – Playboy, Pascha und Visionär» anzusehen.

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