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sábado, 23. enero 2021
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Porträt: Mauro Winffer – Unternehmer und Sportlehrer

«Man muss sich immer neu erfinden»

Von Stefanie Hornung

Mauro Winffer

Die deutsche Nationalhymne kann er auswendig singen und auch das Vaterunser geht ihm ohne zu stocken über die Lippen. «Damit haben sich meine Deutschkenntnisse trotz zwölf Jahren Unterricht im Liceo Alemán aber auch schon weitgehend erschöpft», gibt Mauro Winffer offen zu. Sein Talent sah der schlanke Mittfünfziger früh auf anderen Gebieten. «Ich wusste schon mit 15, dass ich gern Sportlehrer werden möchte. Mir hat die körperliche Betätigung immer Spaß gemacht und meine Energie in die richtigen Bahnen gelenkt.» Der sportliche und großgewachsene Teenager wurde zu einem der Asse in Basketball, Leichtathletik und Fußball. Sehr zur Freude seiner Eltern, denn: «Ich war als Rebell verschrien, die Lehrer hatten mit mir alle Hände voll zu tun und bei Schulstreichen war ich meistens mit dabei. Und meine Eltern mussten dann für mich eintreten.» Folgerichtig studierte er Sport- und Erziehungswissenschaften an der Universidad de Chile. Aufgrund seiner Begeisterung für den Ballsport wurde er zum Torhüter bei der Seniorennationalmannschaft im Handball und die Begeisterung für das Schwimmen bescherte ihm Studentenjobs als Rettungsschwimmer.

Daneben interessierte er sich aber auch für Philosophie und Religion. «Ich war schon als Jugendlicher in der Schönstatt-Bewegung aktiv und natürlich hat mich die christlich orientierte Schulzeit am Liceo Alemán geprägt», erzählt der gebürtige Santiaguino. Er schrieb sich parallel zum Studium in ein Priesterseminar ein. «Nun ist es ja so, dass man sich im Priesterberuf mit ganzer Seele und ganzem Herzen der Religion und Gott widmen sollte. Ich konnte das aber nicht, denn ich wollte doch Lehrer werden und der Wunsch, einmal eine Familie zu gründen, war stärker als meine Eignung zum Priesterberuf», gibt Mauro zu. Nach dem Studium der Sportwissenschaften an der Unversidad de Chile trat er dann die erste Stelle als Lehrer am Colegio Miguel Rafael Prado in Independencia an. Nach einigen Zwischenstationen an anderen Colegios kehrte er schließlich Anfang 30 zu seinen Wurzeln zurück und gab am Liceo Alemán im Bezirk Bellavista Generationen von Schülern Sportunterricht.

Nicht nur seiner schulischen Alma Mater blieb Mauro treu. An der Universidad de Chile machte er seinen Doktor in Erziehungs- und Sportwissenschaften und war Hilfsprofessor, bis er später als fester Dozent an die Universidad Central wechselte, wo er bis 2016 angehende Sportpädagogen unterrichtete. Er gründete eine Familie und nebenbei ein eigenes Unternehmen. «Gut, dass ich mich gegen den Priesterberuf entschieden habe, denn ich bin begeisterter Vater einer Tochter und meine Arbeit macht mir auch großen Spaß.»

Auf seine Tochter Arianne, die an der Pontificia Universidad Católica de Valparaíso Jura studiert, ist er sehr stolz. Ihr Spitzname gab seiner Firma den Namen. «Ary Jump», gegründet 2002, produziert, vermietet und verkauft aufblasbare Werbe- und Event-Elemente: Von der Riesen-Hüpfburg oder temporären Schwimmbecken bis zu individuell gestalteten Werbebögen oder Leinwänden für Autokinos – dem Material PVC und der Fantasie Mauro Winffers sind kaum Grenzen gesetzt. «Ich habe immer wieder neue Ideen, was man mit diesem ungemein flexiblen Material machen kann. Mein Team ist sehr kreativ und wagt sich auch an die Umsetzung ungewöhnlicher Kundenwünsche», erklärt der Selfmade-Unternehmer. So gab es schon gigantische Hindernisspiele oder futuristische Kuppeln mit 20 Metern Durchmesser – alles aufblasbar und mobil. Die sozialen Unruhen und die anschließende Covid-Pandemie haben zwar derzeit die Nachfrage etwas geschwächt, aber nicht seinen Unternehmersinn ausgebremst: «Man muss sich immer wieder neu erfinden. Aus dem vorhandenen Material kann man zum Beispiel auch Fahrradtaschen oder Outdoor-Säcke fertigen. Wasserdicht und sehr haltbar», wirbt er für seine Produkte. Ein Verkaufstalent, ganz wie der Opa. «Ein bisschen habe ich wohl von ihm geerbt», lacht Mauro.

Sein Großvater, Angel Winffer, war in den frühen 1920er Jahren gemeinsam mit seinem Bruder über Argentinien nach Chile ausgewandert. Für den jungen Mann eine traumatische Reise: Er wurde ausgeraubt, alle seine Papiere gestohlen. Eine Wiederbeschaffung gestaltete sich wegen der Entfernung schwierig. So ist heute auch kaum noch nachvollziehbar, woher der Großvater stammt – und wie sein tatsächlicher Name war: «Wir vermuten, dass der Opa aus dem Gebiet des früheren Schlesien kam. Und mit der Auswanderung ist möglicherweise auch der ursprüngliche Name verändert worden – von Winford zu Winffer. Das war auch nie wirklich Thema in der Familie.» Auch der Vorname Angel wurde wohl hispanisiert. Der Großvater reiste über den Norden Chiles ein und ernährte mit seinem außergewöhnlichen Verkaufstalent seine kleine Familie. «Leider war er schon hoch in den Vierzigern, als er heiratete und ich habe ihn kaum kennengelernt, bevor er starb», bedauert Mauro. Aber er erinnert sich noch gut an den großen, helläugigen Opa, der ihm neben dem Unternehmergeist auch die grüngrauen Augen vererbte.

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