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martes, 2. marzo 2021
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«Für Elise» – Beethovens Bagatelle, die gar keine Bagatelle ist

Von Silvia Kählert

Joseph Willibrord Mähler, circa 1814. Elisabeth Röckel (1793 bis 1883) war mit Beethoven bekannt und wurde Elise genannt, aber es gibt keinen Beweis, dass die Widmung des Albumblatts ihr galt.

«Für Elise» ist nicht nur eines der meistgespielten Stücke Beethovens, sondern auch eine der berühmtesten Melodien weltweit. Das Werk hat Generationen von Klavierschülern zum Üben motiviert. Denn diese Töne verzaubern, drängen einfach zum Spielen auf.

Dazu gehört auch die Autorin dieser Zeilen – die damit ihr erstes Erfolgserlebnis als Zwölfjährige vor Familienpublikum errang. «Für Elise» ist eigentlich nur die Widmung. Der Titel des Stücks lautet Bagatelle No. 25 in A-Moll WoO 59. Doch auch Nichtmusikern erkennen sofort den Ohrwurm: Sei es, dass er beim Handy-Anruf, beim Kurbeln einer Spieluhr erklingt oder in der Telefonwarteschleife unterhält. Selbst Regisseur Quentin Tarantino verwendete die Melodie in seinem Oscar-Streifen « Inglorious Basterds». Also allein die Tantiemen dieses Werks hätten Beethoven zum Millionär gemacht – was ihm angesichts seiner ihn lebenslang plagenden Geldsorgen sehr zu pass gekommen wäre!

«Für Elise» ist aber weder eine Bagatelle im Sinne von einem technisch einfachen Klavierstück, noch ein Stück, das nebenbei im Supermarkt gehört seiner Bedeutung gerecht wird. Es ist auch bezeichnend, dass der Begriff Bagatelle von Ludwig van Beethoven selber geprägt wurde. Es bedeutet eigentlich eine «kleine Liebschaft», ein kleines Charakterstück. Der Komponist schuf seine ersten Folgen von Bagatellen für Klavier in den Jahren 1794 bis 1823 als Opus 119. «Für Elise» soll er 1810 komponiert haben. Der Pianist Lang Lang schreibt über das Werk in seinem 2019 veröffentlichten Album «Piano Book»: «Für mich ist dieses Stück sehr romantisch und leicht wie eine Feder. Es muss aus dem Nirgendwo kommen und die Leute berühren. Auf keinen Fall darf es wie Hintergrundgeklimper klingen. Ich habe versucht, dieses Stück als das Meisterwerk zu spielen, das es ist, und ich hoffe, dass die Kinder, die gerade dabei sind, „Für Elise“ zu lernen, dieses Stück ebenso verstehen.»

Natürlich wurde auch der Frage nachgegangen: Wer war eigentlich diese Elise? Wie so oft bei Beethovens Widmungen konnte auch in diesem Fall das Geheimnis nicht abschließend aufgeklärt werden. Allein schon, dass ein Musikforscher erst 30 Jahre nach Beethovens Tod auf das Albumblatt stieß, machte die Spurensuche nicht einfacher. Der Berliner Beethoven-Forscher Klaus Kopitz vermutete die Opernsängerin Elisabeth Röckel (1793-1883), von ihren Freunden Elise genannt. Tatsächlich wurde nachgewiesen, dass sie mit Beethoven bekannt war. Dennoch sind die meisten Experten von der Theorie nicht überzeugt.

Mindestens genauso spannend ist die Frage, warum ausgerechnet dieses Beethoven-Stück ein «Beststeller» weltweit wurde. Jeder, der die zwei Halbtöne e-dis-e-dis-e im Wechsel gespielt hört, weiß sofort, wie die Melodie weitergeht. Die Tempobezeichnung «Molto grazioso» gibt schon den anmutigen Ton vor. Das wie bei einem Perpetuum mobile eher langsame, gleichbleibende und sanft fließende Tempo unterstreicht die eindringliche Melodie. Die bekannten Abschnitte dieses Werkes bestehen hauptsächlich aus rollenden Sechzehntelfiguren: Arpeggien und der schönen, einfachen Melodie. Diese werden von zwei Episoden umrahmt, die die weniger bekannten, dramatischeren Teile enthalten. Gerade der Kontrast von dem effektvollen Wechsel aus lauteren und leiseren Passagen macht die Wirkung aus.

Wie bei jedem Meisterwerk in der Kunst, ob in der Literatur, der Malerei oder eben in der Musik: Man erkennt im Laufe seines Lebens immer wieder neue Aspekte. Wenn «Für Elise» die Zwölfjährige technisch fehlerfrei spielte, dann kann die Erwachsene erst die ganze musikalische Schönheit des Stücks erkennen.

Lang Lang erklärte, dass diese Bagatelle eines der Stücke ist, die von seiner «ersten Liebe – der Liebe zur Musik» handeln und «der Grund, warum ich überhaupt Pianist werden wollte».

Wer sich der Schönheit der Komposition vergewissern will, dem sei die Version von Lang Lang vom 22. Mai 2019 empfohlen, die man bei youtube unter «„Für Elise“ Performed by Lang Lang» findet.

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