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viernes, 30. julio 2021
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Ein echter Weihnachtsbaum und ein fast echter Weihnachtsmann

Von Hans-Joachim Krämer

Seit 20 Jahren begehen wir die Weihnachtszeit auf traditionell-deutsche Art im sommerlichen Süden Chiles in der Araucanía bei uns in «Kümelen», was auf Mapudungun passenderweise «hier fühle ich mich wohl» bedeutet. Viele Jahre waren unsere Kinder und Enkel aus Europa dabei oder wir waren etliche Male auch bei ihnen in Übersee. Wir «ernten» hier selbst die echten, von uns angepflanzten Weihnachtsbäume – heute nur die Spitze, die oberen zwei Meter. Wir schmücken ihn und das Wohn- und das Esszimmer mit Weihnachtsbaumschmuck aus Deutschland und aus den USA, der sich schon lange in unserer Familie befindet, und mit Lametta und mit echten Kerzen.

Es versetzt alle unsere Besucher immer wieder in Erstaunen, dass wir auch heute noch, nur richtige Wachskerzen oder möglichst Bienenwachskerzen aus Deutschland benützen. Wir haben die Kerzen nur an, wenn wir alle selbst zusammen um den Weihnachtsbaum sitzen. Eines unserer Kinder liest dann Lukas 2, V. 1-14 vor, wir singen dann Weihnachtslieder und der Tannenbaumduft schwebt von alleine den ganzen Tag durch das Haus.

In USA gingen wir jedes Jahr zu Heiligabend in die Kirche. Als wir zu Hause wegfuhren, stand nur der Weihnachtsbaum im Zimmer; als wir zurückkamen, lag die ganze Bescherung um den Baum – der Weihnachtsmann war zufällig und dummerweise gerade dann dagewesen, als wir in der Kirche saßen.

In einem Jahr erzählte der Nachbarssohn Jeff, ein Jahr älter als unser Jüngster, diesem: «Nee, den gibt’s nicht, den Weihnachtsmann.» «Doch, der kommt jedes Jahr zu uns», war die Antwort.

So lud ich in jenem Jahr Jeff zu uns zur Bescherung ein (sein Vater gab mir auch einige seiner Geschenke in den großen Sack). Ganz gespannt guckten die Kinder in den Himmel, und Du glaubst es nicht – in dem Moment kam zufällig tatsächlich ein Flugzeug hoch oben über das Haus geflogen und im Dunkeln war sein rot blinkendes Licht zu sehen. Da hieß es: «Da kommt er, ich habe die rote Nase vom Rudolf (the Reindeer) gesehen!»

In dem Jahr waren auch mein Schwager aus Boston und seine vier Mädchen dabei. Jedes unserer sieben Kinder hatte dem lieben Weihnachtsmann ein Gedicht aufzusagen oder ein Liedchen zu singen. Jeff wurde immer leiser und schüchterner. So etwas hatte er noch nie erlebt. Nach unseren sieben, forderte ich ihn dann auf, er solle dem Weihnachtsmann auch etwas darbieten. Er sang vor Schrecken stotternd: «J j j ing l l l e   Be e e lls, jinggggg…». Und er war selig, das gut und heil hinter sich gebracht zu haben. Und er wird seinen Freunden so bald nicht wieder erzählt haben: «Neee, den gibt´s nicht…»

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