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miércoles, 27. octubre 2021
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Die chilenische Unabhängigkeit (Teil 2)

Das erste Parlament von 1811

Von Erwin Ramdohr

Die Familie de la Carrera, Gemälde von Arturo Gordon Vargas (1883 -1944)

Die Liberalen und Freimaurer hatten nach jahrelanger Arbeit die Mehrheit ihrer Mitbürger so beeinflusst, dass diese sich einverstanden erklärten, einen autonomen Regierungsausschuss zu bilden: die erste «Junta de Gobierno». So übernahmen sie die Macht über die ehemalige spanische Kolonie. Das einzige, was laut ihrem Programm noch fehlte, war ein Kongress, in dem die Einwohner der verschiedenen Provinzen Chiles repräsentiert wurden. Dies wurde in den ersten Monaten des Jahres 1811 nach dem Wahlreglement von Martínez de Rozas verwirklicht.

In der Tat machte dieser Prozess den Patrioten großes Kopfzerbrechen. Wenn sie gedacht hatten, dass alle Chilenen die gleichen Ideale hätten, so hatten sie sich geirrt. Die «Moderados», aber noch mehr die «Realistas», die von der katholischen Kirche unterstützt wurden, hatten völlig andere Ansichten. Sie wollten nichts von einer möglichen Unabhängigkeit wissen. So bemühten sie sich, dass in den Regionen ihre Anhänger als Abgeordnete gewählt wurden. Es kam sogar zu einer Revolte, die von den «Realistas» selbst angestiftet wurde.

Am 1. April 1811 ereignete sich der «Motín de Figueroa», der Aufstand eines der Regimenter, der von Oberst Tomás de Figueroa angeführt wurde. Er forderte den sofortigen Rücktritt der «Junta», was diese keinesfalls akzeptierte. Nach einer schnellen Gegenoffensive kam es zu der ersten Schlacht mitten in der Stadt Santiago. Auf einer Seite der «Plaza de Armas» befanden sich die Aufständischen und auf der anderen die Rekruten des eben eingeführten chilenischen Regiments. Nach einer Besprechung zwischen Oberst Figueroa und dem patriotischen Offizier Viel wurde scharf geschossen. Nach nur einer Minute fielen sechs Soldaten, und die Aufständischen flüchteten samt ihrem Führer und wurden von den Patrioten verfolgt. Der Oberst Figueroa wurde gefangen genommen, am gleichen Tag verurteilt und noch am selben Abend erschossen. Die «Realistas» hatten ihre Karten offen gezeigt, und die «Patriotas» fühlten sich berechtigt, danach in derselben gewaltsamen Form zu handeln.

Die Kongresswahlen hingegen verliefen für die «Patriotas» äußerst ungünstig. Ihre Kandidaten blieben in der Minderheit. Die Realisierung all ihrer freiheitlichen Projekte schien unmöglich geworden zu sein. Die erste «Junta» übergab somit die Macht an den eben gewählten Kongress, damit dieser eine Regierungsbehörde ernennen sollte. Aber es kam zu schlimmen Auseinandersetzungen zwischen den Abgeordneten. Sie wurden sich nicht einig, und die ganze Regierung stand machtlos da. In diesem Moment erinnerten sich die «Patriotas» an den «Motín de Figueroa» und beschlossen, ebenfalls den Weg der Gewalt zu wählen.

Der erste Putsch von 1811 – die Liberalen kommen an die Macht

Dieser Beschluss der «Patriotas» bedeutete – nach Vorschlag von Bernardo O’Higgins – die Loge «Lautaro» in Chile zu gründen und damit einen Bund zu errichten, in den die Freimaurer und andere Liberale eintreten konnten, um ihre Bestrebungen auf politischer Ebene zu verwirklichen. Sie planten rasch einen Putsch, der jedoch nicht gelang, und anschließend einen weiteren, der am 4. September durch die Teilnahme der Brüder de la Carrera, erfolgreich war. Dadurch konnte das Parlament und die Regierung neu gebildet werden.

Die fünf neuen Mitglieder des neuen Regierungsausschusses waren alle Mitglied einer Loge: Juan Enrique Rosales, Juan Mackenna, Juan Martínez de Rozas, Martín Calvo Encalada und Gaspar Marín. Ihr Freimaurer-Bruder, der Priester Joaquín Larraín, blieb Präsident des Parlaments.

In den nächsten Monaten schien alles gut zu laufen. Die Regierung konnte wieder tätig werden. Der Kongress arbeitete regelmäßig an Reformen und an den Gesetzen der neu enstandenen Republik. Die Patrioten waren zufrieden mit ihrem Erfolg. Dank der Pressefreiheit, die sie eingeführt hatten, wurden jetzt überall Artikel zugunsten der republikanischen Sache publiziert. Dabei taten sich vor allem zwei Männer, die Freimaurer waren, hervor, die die Vorteile des republikanischen Systems priesen. Der erste war Pfarrer Camilo Henríquez, der zweite von Manuel de Salas.
Bei den «Realistas» hingegen sah es nicht so gut aus. Die katholische Kirche und ihre Anhänger waren aufgebracht. Die katholischen Pfarrer hielten von ihren Kanzeln feurige Predigten gegen die Liberalen und die Häretiker, wie sie die Freimaurer nannten.

Und auch ein anderer war aufgebracht: Der junge Offizier José Miguel de la Carrera, einer der drei Brüder, die bei dem Putsch sehr aktiv gewesen waren. Er fühlte sich missachtet, weil er von der liberalen Gruppe nicht entsprechend belohnt worden war. Er war fest der Meinung, dass er eine einflussreiche Stelle verdiente, was seine Bundesbrüder ihm nicht gegönnt hatten. José Miguel war schon in seiner Kindheit ein äußerst unruhiger Junge gewesen, der seinem Vater sehr viele Probleme bereitet hatte. Deshalb hatte er ihn drei Jahre zuvor nach Spanien geschickt, um dort im Heer Karriere zu machen. Doch José Miguel war zurückgekommen, um an der hiesigen Revolution teilzunehmen.

Der zweite Putsch von 1811 – Carrera kommt an die Macht

Wie bereits erwähnt, fühlte sich José Miguel von wichtigen Angelegenheiten ausgeschlossen, was ihm zutiefst missfiel. Seine engeren Freunde und sogar die «Realistas» näherten sich ihm und schlugen ihm vor, die Regierung zu stürzen und sich selbst zu ernennen. Er teilte seinen Bundesbrüdern seine Absichten mit, und obwohl diese ihn umzustimmen versuchten, entschied er sich letztendlich doch für den Putsch. Die Richtlinien der Loge «Lautaro» wollte er jedoch weiterhin befolgen.
Am 15. November machte er seine Drohung wahr. Er zettelte mit Hilfe seiner Brüder den zweiten Putsch an und kam dadurch an die Macht. Er bildete, wie angekündigt, einen neuen Ausschuss mit ihm selber und zwei von ihm ernannten Logenbrüdern. Diese waren Juan Martínez de Rozas und Gaspar Marín. Da zu der Zeit Martínez in Concepción weilte, sollte ihn Bernardo O’Higgins zeitweilig vertreten. Aber weder O’Higgins noch Marín, der eigentlich ein guter Freund Carreras war, wollten diesen in seiner kühnen Unternehmung unterstützen.

Dieser Umstand machte Carrera nichts aus, denn er wollte allein herrschen. Er besaß die Macht, und das Heer gehorchte ihm. Er ging so weit, dass er im Dezember einfach den Kongress auflöste und die Abgeordneten nach Hause schickte. Juan Martínez de Rozas, der in der Provinz Concepción herrschte, reagierte erzürnt und drohte Carrera, mit seinem Regiment nach Santiago zu kommen, um das Parlament wieder einzusetzen. Dieser wusste, dass Martínez der einzige Mann im Land war, der seine Macht gefährden konnte. Es kam zu Verhandlungen zwischen Repräsentanten beider Seiten und als diese endlich ein Abkommen schlossen, weigerte sich Carrera, es zu unterschreiben.

Der erste Bürgerkrieg von 1812

Währenddessen mobilisierte Carrera sein Heer von Santiago bis nach Talca, um Martínez zu bedrohen. Doch dieser führte sein Heer bis zum entgegengesetzten Ufer des Maule-Flusses, um sein Gebiet zu verteidigen. So kam es zu neuen Verhandlungen, die schließlich im Mai 1812 mit einem Waffenstillstand endeten. Beide Anführer kehrten in ihre Städte zurück und es schien, als ob nun alles in Ordnung wäre. Doch dem war nicht so.

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