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sábado, 5. diciembre 2020
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Porträt: Josef Hlobil, Tschechischer Botschafter in Chile

Nach dem Mauerfall in die Welt der Diplomatie

Von Silvia Kählert

Josef Hlobil

Josef Hlobil ist seit 2018 der tschechische Botschafter in Chile. Die Weltgeschichte prägte seinen Lebensweg: die k. u. k. Monarchie und der Mauerfall. Den Weg nach Lateinamerika hat ihm der Ratschlag einer Buchhändlerin in Prag geebnet.

Freundlich und offen erzählt Botschafter Josef Hlobil von sich und seinem Leben – und das in einem fließenden Deutsch. «Ich stamme aus Süd-Ost Mähren. Hier war der Einfluss von Österreich historisch immer sehr stark. Als junger Geselle kam mein Opa nach Wien, um hier das Handwerk des Maurers zu erlernen. Er kehrte nicht nur mit dem Facharbeiterzeugnis, sondern auch mit Kenntnissen der deutschen Sprache zurück.» Der Großvater, der noch im Vielvölkerstaat derÖsterreichisch-Ungarischen Monarchie oder kurz k. u. k. Monarchieaufgewachsen ist, weckte das Interesse seines Enkels an der etwas «exotischen» Sprache: «Ja, er sprach kein Hochdeutsch, wie mir später gesagt wurde, sondern eine Wiener Mundart.» 

Beim Lesen seines Lebenslaufs auf der Internetseite der Botschaft fällt sofort ins Auge: Josef Hlobil war in den unterschiedlichsten Berufen beschäftigt. Tatsächlich studierte er an der Technischen Universität in Prag Computertechnik und erläutert: «Ja, das ist eine lange Geschichte, die bis in die Zeit meiner Kindheit zurückgeht. Mich hat immer Mathematik angezogen.» Nach dem Studium arbeitete er zunächst in einer Außenhandelsfirma, die Computer verkaufte. 

«Eine auf den ersten Blick bedeutungslose Begebenheit, die aber für mein Leben weitreichende Folgen haben sollte, ereignete sich in meiner Teenagerzeit», erinnert sich der Botschafter. «In der Tschechoslowakei waren in den 1970er Jahren italienische Filme über die Mafia sehr populär, die in der Originalsprache mit Untertiteln gezeigt wurden. Als begeisterter Teenager wollte ich mehr verstehen.» Der junge Mann ging in eine Buchhandlung und fragte nach einem Buch für «Italienisch für Selbstlerner». Die junge Verkäuferin habe nachgedacht und dann vorgeschlagen: «Italienisch haben wir nicht, aber nimm Spanisch. Es ist dasselbe.» Josef Hlobil kaufte das Lehrbuch und meint: «Seitdem arbeite ich mit dieser Sprache und bin in Südamerika und nicht auf der Apenninenhalbinsel!» 

Tatsächlich hatte er aufgrund seiner Spanischkenntnisse in der Firma in Prag seine ersten Kontakte mit Lateinamerika. Die Firma pflegte mit Peru Handelbeziehungen und als einziger spanischsprachiger Mitarbeiter kümmerte er sich um die Kontakte. 

1989 mit den Ereignissen, die der Fall des Eisernen Vorhangs mit sich brachte, wurde auch für Josef Hlobil ein Wendejahr. Seine Firma musste Konkurs anmelden. Nun kamen ihm seine Sprachkenntnisse zustatten: «Ich begann als freiberuflicher Dolmetscher und Übersetzer zu arbeiten.» Im Jahre 1995 fiel ihm eine Anzeige ins Auge: «Das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten in Prag suchte junge Leute mit einem Profil, das meinem entsprach. Spanisch war damals sehr gefragt – und da erblickte ich meine Chance – auch weil ich gerne reise und neue Länder kennenlerne.» 

Nach einigen Ausschreibungen und dem Einarbeiten im Ministerium wurde er nach Lima geschickt, um hier als Konsul und Handelsrat zu arbeiten. An diese Zeit denkt der Diplomat besonders gerne zurück: «Alles was man zum ersten Mal macht, bleibt einem besonders gut in Erinnerung.» Und für Josef Hlobil ist dies die lateinamerikanische Mentalität der Peruaner: spontan, offen, herzlich. 

Auch an seine zwei Aufenthalte in Deutschland als Generalkonsul erst ab 2004 in Bonn und dann ab 2009 in München vier Jahre erinnert sich der Tscheche «mit Liebe und ein bisschen Nostalgie, auch weil diese Jahre in meinem Arbeitsleben zu den erfolgreichsten gehörten». Es seien zwei ganz verschiedene Posten gewesen «in einem wunderschönen Land, das viele Facetten bietet, als ob es zwei Länder wären. Die Arbeit hat mir sowohl in Nordrhein-Westfalen als auch in Bayern außerordentlich gut gefallen und speziell in München erlebte ich große politische Ereignisse: Unter anderem begleitete ich Ministerpräsidenten Horst Seehofer nach Prag. Ein historischer Moment: Erstmals nach 60 Jahren stattete ein bayrischer Ministerpräsident Prag einen Besuch ab.»

Auch für die Botschaftsstelle in Chile hat er sich beworben: «Ich habe mich sehr gefreut, dass ich nun zum zweiten Mal in Südamerika für mein Land im Dienst sein kann.» In Chile gibt es etwa fünf tschechische Firmen und es leben hier rund 800 Menschen tschechischen Ursprungs. Davon haben sich etwa 450 im Verein «Círculo Chileno Checo» zusammengeschlossen. Am 28. Oktober, dem tschechischen Nationalfeiertag, gibt es jedes Jahr einen Empfang in der Tschechischen Botschaft – bis auf dieses Pandemie-Jahr. Gerade die ersten Wochen 2020 waren schwierig: Die erste Aufgabe des Botschafters war in dieser Situation, dafür zu sorgen, dass die mehr als 130 sich in Chile befindenden Tschechen wieder nach Hause kamen. Er betont, dass ihm in diesem Moment richtig bewusst wurde, wie wichtig der Kontakt zu den anderen Botschaftern der Europäischen Union ist, der Tschechien seit 2004 angehört: «Wie haben wie eine große Familie miteinander kommuniziert – alle haben sich gegenseitig unterstützt.» 

In seiner noch verbleibenden Zeit hofft Josef Hlobil, dass er noch die Gelegenheit hat, «die vielen Naturschönheiten Chiles kennenzulernen».

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