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sábado, 5. diciembre 2020
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Flexible neue Bürowelt

Der Architekt Carlos Bauer gründete BauerProjects 2013. Gemeinsam mit vier Mitarbeitern entwickelt er unter anderem die «Granja China» in San Nicolás in der VII. Region für die chilenische und chinesische Regierung. Bei dem Projekt werden neueste Techniken und Anbauformen zum Wachstum für Früchte angewendet.

Aufgrund der Pandemie arbeiten immer mehr Menschen im Homeoffice. Inzwischen haben sich viele Firmen bereits darauf eingestellt, auch nach der Covid-Krise ihre Arbeitsformen zu verändern – dabei lockt nicht nur das Einsparpotential. Carlos Bauer von BauerProjects beschreibt im Cóndor-Interview, wie Architekten sich künftig die Bürowelt vorstellen.

Was machen Unternehmen künftig mit ihren Büros und was bedeutet das für die Mitarbeiter?

Meine Kollegen und ich sind der Meinung, dass es bei der Büroarbeit nicht mehr um den physischen Raum geht. Es muss eine Umstrukturierung der Räume stattfinden, so dass die Bedürfnisse des Unternehmens und gleichzeitig die jedes einzelnen Mitarbeiters beachtet werden. Gleichzeitig sollten neue Technologien angewendet werden und die Mitarbeiter sollten bereit sind, mit dem Tempo, in dem sich die Gesellschaft verändert, zu wachsen und sich weiterzuentwickeln.

Welche Firmen betrifft dies in Chile?

Dies betrifft wirklich einen großen Teil der Geschäftswelt im ganzen Land. Von großen über mittlere bis hin zu kleinen Unternehmen. Es ist für alle Firmen notwendig, neue Wege der Führung von Unternehmen zu beschreiten, um weiter zu wachsen und so weit wie möglich zu vermeiden, dass weiterhin menschliches, räumliches und wirtschaftliches Kapital verloren geht.

Wie wird nun die verbleibende Bürofläche effizient genutzt?

Es wird sicher Fläche abgebaut, aber es werden die bestehenden wohl auch anders genutzt werden. Wir setzen auf die Schaffung von viel flexibleren Räumen, die sogar an Dritte vermietet werden können, die einen Raum für ein Treffen, eine Konferenz oder ähnliches benötigen. In den von uns durchgeführten Projekten versuchen wir, die Büroräume so zu gestalten, dass ein Mehrwert entsteht, bei dem alle Nutzer und unsere Kunden Teil des Veränderungs- und Schaffensprozesses werden. Wir müssen das Konzept eines Büros mit zugewiesenen und festen Arbeitsplätzen definitiv hinter uns lassen, um Raum für ein kooperativeres und umfassenderes Szenario zu schaffen.

Was bedeutet es für die Planung, dass die Büros effizienter genutzt werden sollen?

Wir entwerfen keine Büroräume mehr, die um das Chefbüro herum konzipiert werden. Wir befinden uns einfach in einem neuen Zeitalter, in dem sich die Art und Weise der Arbeitsform durch gemeinschaftliche, offene Räume ergibt. Diese können zu verschiedenen Zeiten zu verschiedenen Zwecken genutzt und reserviert werden. So entsteht die bestmögliche Nutzung des vorhandenen Raums für die optimale Entwicklung und das Wachstum jedes Unternehmens.

Kann man dann Räume buchen? 

Ja, das funktioniert inzwischen sehr gut durch entsprechende technische Anwendungen. Wir können mit Programmen beim Reservieren von verschiedenen Räume oder Räumlichkeiten so planen und koordinieren, dass wir von überall aus mit unseren Mobiltelefonen Reservierungen oder Verschiebungen vornehmen können und den Überblick haben, ob ein Platz frei ist oder nicht.

Gibt es neue Funktionen für diese Räume? 

Das Konzept der Tagungs- und Veranstaltungsräume hat sich zweifellos weiterentwickelt. Es geht vermehrt um ein Umfeld, dass Zusammenarbeit, persönlichen Austausch und Meetings von Teams oder Selbständigen oder auch Events ermöglicht. Dies ist nicht mehr notwendigerweise ein Raum mit vier Wänden und einem Tisch. Es sind stattdessen offene Räume mit modularen und flexiblen Arbeitstischen, Bildschirmen und Geräten, die für ein persönliches Treffen, online oder für einen Arbeitsnachmittag genutzt werden können.

Unsere Erfahrung hat uns gezeigt, dass eine bestimmte Art der Gestaltung mit einer sehr guten Ausstattung und einer optimalen Planung notwendig sind – damit entsprechend die verschiedenen Arten von Arbeiten möglich sind.

Wird es nach der Pandemie mehr «Shared Desks» beziehungsweise «Flexibel Offices» geben, bei denen weniger Arbeitsplätze als Mitarbeiter existieren und nicht jeder Mitarbeiter seinen festen Arbeitsplatz hat?

Es werden sich tatsächlich vermehrt dynamischere und rotierende Arbeitsmethoden entwickeln, die zu einer Reduzierung des physischen Raums um mindestens die Hälfte führen werden. Dabei wird die maximal notwendige Anzahl an festen Arbeitsplätzen eingeplant. 

Es wird sicherlich eine neue Ära der Bürowelt nach der Pandemie geben. Wir haben erlebt, dass viele Büros ihre Türen geschlossen haben, und andere haben nach Wegen gesucht, die für das Wachstum und die Entwicklung der Unternehmen sowie für das Wohlergehen jedes einzelnen seiner Mitarbeiter geeignet sind. Grundsätzlich sehen meine Kollegen und ich einen Trend hin zu kooperativer Arbeit und hochflexiblen Räumen, die Begegnungen und Austausch mit besserer Kontrolle, Entfernung und das Wohlergehen eines jeden gewährleisten.

Es geht nicht nur darum, über getrennte Arbeitsplätze nachzudenken, sondern den Raum nach diesen neuen Regeln zu planen und technologische Systeme zu nutzen, die es ermöglichen, eine große Anzahl von Personen miteinander zu verbinden, ohne dass alle im selben Raum anwesend sind.

Bei BauerProjects entwickeln wir stetig an neuen Konzepten, um Räume und Räumlichkeiten zu schaffen. Unser Ziel ist es, Büros so zu gestalten, dass die Arbeit mit Wohlbefinden und Entwicklung der Menschen einhergeht und es ihnen gleichzeitig ermöglicht wird, ihre Aufgaben für ihr Unternehmen zu erfüllen. Nur so wird es möglich sein, dass ihnen genug Freizeit auch neben der Arbeit zur Verfügung steht.

Die Fragen stellte Silvia Kählert.

Offen und flexibel sollen die Büros der Zukunft sein. Foto: Fernando Gómez
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