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sábado, 5. diciembre 2020
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190. Geburtstag von Kaiser Franz Joseph

Der «Salzprinz» und sein Bad Ischl

Von Traude Walek-Doby

Aufstellung und Abmarsch vor der Kaiservilla (Foto: Mag. Ignazius Schmid)

Manche Geburtstage klingen lange nach – so der von Kaiser Franz Joseph, der am 18. August 1830 geboren wurde. Dieser Geburtstag wird in Bad Ischl normalerweise jedes Jahr mit einem großen Umzug gefeiert.

Nur ausgerechnet zu seinem 190. Geburtstag mussten die Kaisertage wegen der Pandemie als kleines Programm stattfinden. Zumindest dies ließ sich die Stadt aber nicht nehmen, da auch der 150. Geburtstags des Operettenkönigs Franz Léhar, der in Bad Ischl gestorben ist, 2020 gefeiert wurde. Immerhin hat das Salzkammergut mit der Bannerstadt Bad Ischl den Titel «Kulturhauptstadt Europas 2024» gewonnen.

Ischl im Leben des Kaisers

Genau genommen hat Ischl für das Leben von Kaiser Franz Joseph schon eine Rolle gespielt, bevor er überhaupt auf der Welt war. Seine Mutter Erzherzogin Sophie war mit Franz Karl von Österreich verheiratet und wusste, dass sie den künftigen Thronfolger gebären musste, da der eigentliche Thronfolger, ihr Schwager Ferdinand der Gütige, kinderlos blieb. Nach fünf Ehejahren, in denen Sophie fünf Fehlgeburten erlitt, nahm sie schließlich bei einer Kur in Ischl das angeblich empfängnisfördernde Heilwasser in Anspruch. Und siehe da, alsbald kündigte sich das erste – gesunde – Kind an: Franz Joseph, dem noch drei weitere Brüder folgen sollten, die der Volksmund wegen der wirksamen Ischler Sole die «Salzprinzen» nannte. Verständlich, dass das Kaiserhaus Ischl besonders verbunden blieb, zumal der Adel das Salzkammergut schon seit 700 Jahren als Jagdgebiet in hohem Maße schätzte.

Auch Franz Joseph sehnte sich schon als Kind immer nach seinem «lieben, lieben Ischl». Als Erzherzogin Sophie befand, für ihren ältesten Sohn eine passende Ehefrau besorgen zu müssen, wurde zwischen ihr und ihrer Schwester Ludovika, die mit dem Wittelsbacher-Herzog Max in Bayern verheiratet war, am 16. August 1853 ein Familientreffen in Ischl arrangiert. Als künftige Gemahlin Franz Josephs war Helene vorgesehen, aber Franz Joseph hatte sich schon im ersten Augenblick in ihre 15-jährige Schwester Elisabeth (Sisi) verliebt. Bereits drei Tage später wurde im Hotel Austria die Verlobung gefeiert und in der Pfarrkirche  St.  Nikolaus gesegnet. Anton  Bruckner (1824-1896)  spielte als Hoforganist bei festlichen
Anlässen des Kaiserhauses in dieser Kirche die Orgel. 

Die Ischler Kaiservilla

Noch im gleichen Jahr erwarb Erzherzogin Sophie vom Wiener Arzt Eduard Mastalier eine Biedermeier-Villa am Fuß des Jainzenberges. Erbaut hatte sie 1834 der Wiener Notar August Eltz und nach 16 Jahren verkauft. Nun war sie als Hochzeitsgeschenk für Franz Joseph und Sisi vorgesehen. Der Umbau im neoklassizistischen Stil dauerte sieben Jahre, da in der jährlich monatelangen Anwesenheit der Kaiserfamilie nicht gebaut werden durfte. Der Grundriss wurde durch zwei Seitenflügel zu einem E erweitert, das als Hommage an Elisabeth angesehen wird. Ein repräsentativer Eingang wurde auf die Parkseite verlegt, davor ein Springbrunnen aus weißem Marmor, und auf einer kleinen Anhöhe wurde das Marmorschlössl gebaut, das Sisi als Rückzugsort diente. Franz Joseph verbrachte jeden Sommer in der Kaiservilla, empfing in gemütlicher Atmosphäre gekrönte Häupter und feierte hier am
18. August seine Geburtstage. Die verhängnisvolle Kriegserklärung an Serbien und das Manifest «An meine Völker!» wurden am 24. Juli 1914 hier unterzeichnet.

Nach dem Tod des Kaisers 1916 ging das Ischler Erbe an Erzherzogin Marie Valerie, seine jüngste Tochter. Sie und ihr Mann, Franz Salvator Habsburg-Toskana, verzichteten auf alle Thronansprüche, dadurch verblieb das Anwesen im Privatbesitz der Familie und ging weiter an ihren Sohn Hubert Salvator Habsburg-Lothringen. Heutiger Besitzer und Bewohner ist Markus Emanuel Salvator Habsburg-Lothringen, der direkte Urenkel Kaiser Franz Josephs. Die Kaiservilla, das Marmorschlössl, das Küchengebäude, die Gärtnerei und der riesige Park, der zu den bedeutendsten gartenarchitektonischen Anlagen Österreichs gehört, stehen heute unter Denkmalschutz. Die Kaiservilla mit ihrem unverändert erhaltenen Ambiente ist noch immer – wie zu Kaisers Zeiten – für Besucher offen. 

Kaisers Geburtstag

Bei so viel kaiserlichem Bezug ergab sich fast selbstverständlich, dass Ischl – seit 1906 heißt es offiziell «Bad Ischl» – zur «Kaiserstadt» wurde. 1870 war das Gründungsjahr der Bürgerkapelle Bad Ischl, die ab da an den jährlichen Festlichkeiten zu Kaisers Geburtstag teilnahm und 1982 diese Tradition wiederbelebte. Seither veranstaltet die Bürgerkapelle das Kaiserfest der Neuzeit. Dieses Fest ist eine Reverenz an die alten Zeiten, man erinnert sich der schönen Seiten der Kaiserzeit – die wie jede Zeit ihre Stärken und Schwächen hatte – und an die altehrwürdigen Traditionen. In der Kaiserwoche kommen an die 200.000 Besucher nach Bad Ischl, die das bunte Fest mitfeiern. Es gibt aber keinerlei Bestrebungen, in Österreich die Monarchie wieder einzuführen, und die Stadt Bad Ischl, fest in sozialdemokratischer Hand, hat nichts Monarchistisches oder Habsburgisches im Sinn.

Der 18. August beginnt immer mit der Formation der Traditionsregimenter und -verbände vor der Pfarrkirche St. Nikolaus. Den Beginn des Aufmarsches macht die Bürgermusikkapelle Bad Ischl, es folgen die Gruppen der Goldhaubenfrauen, das Deutschmeister Schützenkorps IR 4, das k. u. k. Infanterieregiment Nr. 14, der Südtiroler Schützenbund Bezirk Brixen, die Südtiroler Schützenkompanie Meran, der Kaiserschützen Traditionsverein Hall, der Verband Kaiserschützen Tirol, das k. u. k. Yachtgeschwader… um nur einige zu nennen. Den Abschluss macht die k. u. k. Sanitätskolonne, deren historisches Fahrzeug vor der Kirche stehen bleibt. Nach der Parademeldung des Kommandanten an Markus Emanuel Salvator Habsburg-Lothringen nehmen die Abordnungen mit ihren Fahnen in der Kirche Aufstellung, um mit den Mitgliedern der Familie Habsburg und der Bevölkerung die Festmesse zu feiern. Nach dem Ende der Festmesse ziehen alle Gruppen und Traditionsregimenter zum Empfang vor die Kaiservilla, wo Hausherr Markus Emanuel Salvator Habsburg die Fahnenparade abnimmt, die auch den feierlichen Abschluss des Gedenkfestes bildet. 

Ein Volksfest

In der Neuzeit weitete sich des Kaisers Geburtstagsfest zu einem einwöchigen Volksfest mit einem reichhaltigen Begleitprogramm aus. Die Straßen sind belebt von Menschen in Uniformen, Trachten und nostalgischen Kleidern. 

Das Ischler Kaiserfest mit seinen vielen Erinnerungen an vergangene Zeiten hat viele bewegende Momente, aber einer der berührendsten ist am Ende der Kaisermesse das Absingen der alten österreichischen Kaiserhymne «Gott erhalte, Gott beschütze» nach der wunderschönen und unsterblichen Melodie von Joseph Haydn von 1796. Diese möge über alle Zeiten hinweg seine Gültigkeit behalten, wie es in der alten Textstelle heißt: «Gottes Sonne strahl’ in Frieden auf ein glücklich Österreich.»

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