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sábado, 5. diciembre 2020
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Zehn Jahre nach der Rettung – Chilenische Kumpel fühlen sich vergessen

Die Rettungsteams mit der Kapsel, die die Kumpels aus der Mine San José geholt hatten

Über zwei Monate waren die 33 Bergleute unter Tage gefangen. Millionen von Menschen weltweit verfolgten ihre Rettung live im Fernsehen. Heute geht es ihnen gesundheitlich schlecht und sie kämpfen um eine Entschädigung.

Copiapó (dpa) – Die ganze Welt fieberte mit, als vor zehn Jahren 33 verschüttete Bergleute aus der Mine San José in der Atacama-Wüste in einer spektakulären Rettungsaktion an die Erdoberfläche geholt wurden.

Heute aber fühlen sich viele der Kumpel verraten. Im Mercurio klagte der bolivianische Bergmann Carlos Mamani: «Die Welt hat uns vergessen.» Er lebt mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern immer noch in Copiapó nahe der Mine. Zwei Jahre war er in psychologischer Behandlung, um sein Trauma zu überwinden. «Ich werde nie mehr unter Tage arbeiten», sagt er.

69 Tage mussten die Männer in 700 Meter Tiefe ausharren, bis sie schließlich mit der eigens für ihre Rettung angefertigten Kapsel «Phönix» am 13. Oktober 2010 wieder an die Oberfläche gebracht werden konnten. In den ersten 17 Tagen wussten die Kollegen und Angehörigen gar nicht, ob die Männer das Minenunglück überhaupt überlebt hatten. Dann endlich drang die Rettungsmannschaft mit einem Spezialbohrer und einer Sonde zu den Verschütteten durch. Die Männer schickten einen Zettel nach oben: «Uns geht es gut im Schutzraum. Die 33.»

José Ojeda hatte damals die Botschaft geschrieben, die die Familien im Camp «Esperanza» aufatmen ließ. Heute geht es ihm gar nicht gut. Er ist an Herz, Prostata und Nieren erkrankt, leidet unter Diabetes und hat psychische Probleme.

Am 5. August 2010 gegen 14 Uhr war in dem Kupfer- und Goldbergwerk San José im Norden von Chile ein Stollen eingestürzt und hatte die 33 Kumpel eingeschlossen. Es begann die wohl aufwändigste Rettungsaktion in der Geschichte des Bergbaus. Über zwei Monate mussten die Männer warten – bei über 30 Grad, hoher Luftfeuchtigkeit
und teilweise in totaler Finsternis. Schichtführer Luis Urzúa rationalisierte die Thunfischdosen und sorgte somit dafür, dass die Kumpel zum Zeitpunkt der Rettung noch nicht verhungert waren.

Am 13. Oktober 2010 wurden die Bergleute dann endlich an die Oberfläche geholt. Einer nach dem anderen stieg in die Rettungskapsel «Phönix 2» und fuhr hinauf. Allein diese letzte Phase der Rettungsaktion dauerte 22 Stunden und 36 Minuten. Die Fotos von den geretteten Kumpeln gingen um die Welt.

Hollywood verfilmte die Geschichte der 33 Bergleute mit Antonio Banderas und Juliette Binoche in den Hauptrollen. Die Kumpel reisten um die Welt, selbst Actionfiguren der Männer wurden verkauft. Doch den Profit mit ihrer Geschichte machten vor allem andere. «Als wir herauskamen, haben sie uns große Projekte versprochen, aber jetzt stehen wir mit leeren Händen da», sagte Urzúa zuletzt im Fernsehsender BBC Mundo. «Seit zehn Jahren versuchen wir nun, unsere Würde, unsere Rechte zurückzuerlangen.»

Bergarbeiter, die in der San-José-Mine verschüttet sind und dort 69 Tage in 700 Meter Tiefe ausharren mussten (Handout der chilenischen Regierung im Jahr 2010)

Die Mine San José wurde nach dem Unglück geschlossen, das Strafverfahren gegen die Betreibergesellschaft ohne Anklage eingestellt. Im Camp Esperanza erinnert heute nur noch ein fünf Meter hohes Betonkreuz an das «Wunder von Chile». Die Männer erhalten eine monatliche Rente von 315.000 Peso, die Hälfte ihres Einkommens als Arbeiter in der Mine. Zwar wurde den Männern eine Entschädigung in Höhe von 80 Millionen Pesos zugesprochen. Allerdings hat die Regierung Berufung gegen die Entscheidung eingelegt; wegen der Corona-Krise liegt das Verfahren derzeit auf Eis.

Kaum einer der 33 Kumpel arbeitet heute noch im Bergbau. Mario Sepúlveda hat in einer Spielshow gewonnen und mit dem Geld ein Zentrum für autistische Kinder gegründet. Daniel Herrera lernte eine Deutsche kennen und heiratete. Omar Reygadas und Franklin Lobos arbeiten als Fahrer.

Eine große Feier zum 10. Jahrestag des «Wunders von Chile» wird es wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr nicht geben. Mario Gómez, der Älteste der Gruppe, meint, dass er auch ohne Gedenkveranstaltung an jenen Tag vor zehn Jahren denken werde, als er zum zweiten Mal auf die Welt kam. «Es ist, als wäre es gestern gewesen», sagt er.

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