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sábado, 5. diciembre 2020
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Nicolas Friedemann – Generaldirektor der Firma Red Bull in Chile

«Mein Team in diesen Zeiten zu motivieren, ist eine große Herausforderung»

Von Paula Castillo

Seit vier Jahren ist Nicolas Friedemann Generaldirektor der österreichischen Firma Red Bull in Chile. Der Ingenieur ist in Chile aufgewachsen, hat aber auch deutsche Wurzeln.

Beim Interview mit dem Generaldirektor der Firma Red Bull in Chile, hätte man wohl einen älteren Herrn mit ernster Miene erwartet. Stattdessen erschien auf dem Bildschirm des Computers Nicolas Friedemann, ein jugendlich wirkender, offener, sportlicher Mann. Aufgewachsen ist der 42-Jährige mit drei Geschwistern in Santiago. Seine Schuljahre verbrachte er in der englischsprachigen Schule «Craighouse». Rückblickend beschreibt er sich selbst als «einen Jungen, der immer so lange wie möglich auf der Straße beim Spielen bleiben wollte». Bereits damals habe er sich durch seinen Sinn für Ordnung und Organisation ausgezeichnet. Das Ziel, einmal Wirtschaftsingenieur wie sein Vater zu werden, sei für ihn erstaunlicherweise schon in der 4. Klasse klar gewesen. «Durch meinen Vater konnte ich mir diesen Beruf gut vorstellen» und wenn er noch einen Plan B gehabt hätte, dann wäre es wohl ein Leben als Flugpilot gewesen.

Seine deutschen Wurzeln kommen von seinem Urgroßvater, der aus der Stadt Breslau (heute in Polen) stammte. Nicolas besitzt zwar einen deutschen Pass, doch er beschreibt seine Bindung zu Deutschland als etwas, was ihm erst jetzt im Erwachsenenalter bewusster geworden sei. Dazu habe auch seine Tätigkeit bei der österreichischen Firma Red Bull und seine Reisen nach Salzburg, Wien und Fuschl am See sowie Deutschland beigetragen. Dies habe ihn in seinem Vorhaben bestärkt, selbst die deutsche Sprache zu lernen und es auch seinen drei Kindern zu ermöglichen. Aufgrund der Nationalität des Großvaters mütterlicherseits unterhielt sein Elternhaus enge Beziehungen mit der spanischen Gemeinschaft in Chile. Nun sei es an der Zeit, die Bindung zu den anderen Vorfahren wiederherzustellen.

Der Ingenieur erzählt, dass er bereits als Kind sportinteressiert gewesen sei. Wie viele Kinder in Chile, begeisterten ihn insbesondere der Fußball und die Mannschaft «Colo Colo». Doch es blieb nicht bei diesem Sport. Im Jahr 2005, als Erwachsener und mit 90 Kilo Gewicht, beschloss er seinen Lebensstil zu ändern. Was zuerst nur zu einer besseren Kondition und Gesundheit führen sollte, verwandelte sich in eine Leidenschaft für den Marathonlauf. Inzwischen hat er bereits 20 Marathonläufe, sogar in New York, hinter sich. Das ist eine Erfahrung, die ihn persönlich und beruflich weiterentwickelt habe. Daher erklärt er: «Marathonlaufen ist auch etwas Mentales. Man braucht viel Durchhaltevermögen, man erlebt beim Rennen unterschiedliche und ziemlich schwierige Phasen, die nur mit viel Motivation zu bewältigen sind.» Dabei hebt er besonders hervor: «Eine gute Vorbereitung auf den Marathon ist das A und O. Es kann, wie es oft im beruflichen sowie im normalen Leben der Fall ist, den Unterschied zwischen Niederlage und Erfolg ausmachen.» 

Man merkt schnell, dass er in seiner Arbeit ganz aufgeht. Er meint: «Mein Alltag besteht aus vielseitigen Aufgaben, in denen ich mich mal mit Finanzen, mal mit Marketing oder mal mit dem Vertrieb beschäftigen muss.» Doch das Wichtigste sei für ihn «mein Team stets zu motivieren und zu inspirieren», eine Aufgabe, die in der Coronakrise eine große Herausforderung darstelle. «Für mich war es wichtig beim Ausbruch der Pandemie weder persönlicher noch beruflich in Angst zu erstarren, sondern die Energie richtig zu kanalisieren.» Die ersten Wochen des Lockdowns mit seiner Familie zu Hause beschreibt er als «besonders anstrengend». Doch er habe beschlossen, sich speziell auf das Gelingen der Schulaufgaben seiner Kinder zu konzentrieren und das Leben zu Hause mit einem festen Tagesablauf zu organisieren. Sowohl die eigene Familie als auch seine Arbeitskollegen bezeichnet er als «ein sehr gut eingespieltes Team». Auf die Frage, ob er auch an Videokonferenzen mit Pantoffeln teilgenommen hat, lacht er und antwortet: «Und auch in Shorts und Sandalen.»

Er sieht auch positive Seiten an den durch die Quarantäne entstandenen technischen Veränderungen. Gleichzeitig unterstreicht der Geschäftsführer, dass «die Technologie dennoch den menschlichen Kontakt nicht komplett ersetzen kann». Besonders in der Arbeitswelt sei es von enormer Bedeutung, persönlich zu kommunizieren. Denn dabei entstünden ganz wichtige spontane Signale, die durch eine Videokonferenz verloren gehen würden und für die Arbeit doch wesentlich wären.

Als das Gespräch auf seine Lieblingsfilme kommt, nennt er «Star Wars» und «Rocky IV», die er vor allem als Junge gerne ansah. Auch wenn diese Filme keine richtigen Kunstwerke seien, zeigten sie die Genialität des Regisseurs Georg Lucas, der seiner Zeit weit voraus gewesen sei. Die Geschichte um die Hauptperson des Boxers Rocky habe ihm klar gemacht, wie wichtig es sei, dass die innere Motivation im Vordergrund stehe.

Der aktive Mann freut sich nun auf die Lockerungen der Corona-Maßnahmen in der Stadt und besonders darauf, bald wieder mit seiner Familie Sport zu betreiben. Hat er selbst schon Energy-Drinks probiert? Grinsend deutet er auf eine Dose Red Bull auf seinem Schreibtisch und erklärt: «Die Österreicher und Deutschen trinken das viel. Für mich ist das eine richtige Entdeckung gewesen.»

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