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miércoles, 28. octubre 2020
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Zum 1000. Todestag von Leif Eriksson

Von Peter Downes

Fast 500 Jahre vor Kolumbus war es Leif Eriksson, der um das Jahr 1000 als erster Europäer die Nordküste Amerikas betrat. Der Norweger wurde mit seiner Entdeckung von «Vinland» (Neufundland) zum «glücklichen» Anführer der Skandinavier in Grönland.

Berühmtheit  erlangte  er aber auch als der Begründer der grönländischen Kirche, da er im Auftrag des norwegischen Königs in dieser fernabliegenden skandinavischen Kolonie das Christentum einführte. Durch die isländischen Sagas ist die Geschichte von Leif Eriksson der Nachwelt erhalten geblieben. 

Sohn eines geächteten Wüterichs und Abenteurers

Leif kam wohl um 975 in Island zur Welt. Sein Großvater und Vater waren Raufbolde und wurden aufgrund von Gewalttaten verbannt. Auch wenn die Zeit der Plünderungsfahrten und Piratenzüge der «Wikingerära» (8. und 9. Jahrhundert) schon der Vergangenheit angehörte, scheinen sie sich den Ruf als gewalttätige «Wikinger» bewahrt zu haben. «Vater und Sohn waren Totschläge halber von Jädern (Norwegen) nach Island gefahren», so erfahren wir in der «Eiríks saga rauða». Der ehemalige Großbauer Thorvald Ásvaldsson und sein Sohn Erik wurden von Harald I. «Blauzahn» aus Norwegen verbannt und machten sich um 975 mit dem eigenen Schiff zu einem Lebensneubeginn auf, letztendlich auch um der Rache für ihre Verbrechen zu entkommen. 

In der neuen Heimat Island ehelichte Erik dann die Tochter eines wohlhabenden Mannes, Thorhild, und gründete dort seine neue Familie. Aus dieser Ehe gingen dann drei Söhne und eine Tochter hervor: Thorsteinn, Leif, Thorvald und Freydis. Alle sollten später Amerikafahrer werden. Auch in der neuen Heimat wurde Erik kein friedliebender Mensch, sondern geriet auch hier in einen Streit mit einem Nachbarn und tötete dabei zwei Männer. Die isländische Thingversammlung (Volksgericht) zwang ihn darauf, die Gegend zu verlassen und sich eine Bleibe weitab von der Siedlung zu suchen. Doch geriet er wiederum, entzündet vor Wut, mit einem seiner neuen Nachbarn in Streit und brachte dabei gleich mehrere Männer um. Und so erfolgte ein neues Gerichtsurteil: drei Jahre Verbannung. Da ihm die Sippe der Opfer mit Blutrache drohte, konnte er nicht auf Island bleiben und wegen seiner Vorgeschichte auch nicht nach Norwegen zurückkehren. Nun kannte Erik die Berichte des Norwegers Gunnbjörn Úlfsson, der auf einer Segelfahrt von Norwegen nach Island vom Kurs abgekommen war und dabei an die Küste Grönlands getrieben wurde, das Land jedoch nicht betrat. Mit 15 Männern und einigen Sklavinnen stach er dann um 882 in See und erkundete drei Jahre lang Grönland. In Grönland fand er Fjorde, ein einigermaßen mildes Klima, grüne Wiesen und Bäche mit frischem Wasser. Klimatisch war es damals tatsächlich wärmer als heute.  

984/985 kehrte er dann nach Island zurück und machte sogleich Werbung für eine Besiedlung des neuen Landes, das er als «grünes Land» (daher Grönland) mit idealem Weideland anpries. Ihm folgten dann tatsächlich 25 Schiffe, wobei lediglich 14 das Ziel erreichten. Als Gründungsvater errichtete Erik im Eriksjord einen Hof, den er «Brattahlid» (Steilhang) nannte. Die Mehrheit seiner etwa 300 Gefolgsleute ließen sich in der Nähe seines Hofes nieder und bildeten die sogenannte «Ostsiedlung», während der Rest sich 650 Kilometer nordwestlich davon niederließ, in der «Westsiedlung». Mit der Zeit entstanden mehrere hundert Höfe, wobei die Bevölkerung bis auf etwa 2.500 bis 3.000 Menschen anstieg.  

Aus dem Raufbold und Totschläger Erik war ein unumstrittener Kolonialgründer und «oberster Häuptling» geworden. Auf seinem Hof fand das jährliche Althing – Gerichts- und politische Entscheidungsinstanz – der Grönländer statt. Endlich schien Erik nun seinen Frieden gefunden zu haben, als 1002 Neukolonisten eine Epidemie auslösten, an der er ein Jahr später starb.  

Der «Missionar» und Entdecker

Über Leif Eriksson erfahren wir in der «Eiríks saga rauða», dass er während seiner Rückreise von Norwegen nach Grönland ein unbekanntes Land entdeckt haben soll und dann auch noch Schiffsbrüchige auf dem Weg nach Grönland rettete. Dies brachte ihm dann den Beinamen «der Glückliche» ein. In Grönland angekommen soll er dann die Grönländer zum Christentum bekehrt haben. Seine Mutter ließ sich nun Thjodhild rufen, sein Vater jedoch lehnte das Christentum ab. Als Indiz für eine solche Missionstätigkeit Leif Erikssons wird der Ausgrabungsfund von 1932 angeführt. 

Im Laufe der Zeit hatte Grönland 16 Kirchen und zwei Klöster; zwischen 1124 und 1126 wurde es zur Diözese erhoben und in Garðar (das heutige Igaliku) der Bischofssitz. 

Leif machte sich dann kurz nach seiner Rückkehr nach Grönland auf, um das entdeckte Land zu erkunden. Er folgte somit als Zweitgeborener dem Abenteuerdrang seines Vaters, fast wie die alten Wikinger. Mit 30 Mann Besatzung erkundete er das gesichtete Land; betrat zunächst das «Helluland» (Flachsteinland – Baffininsel), dann das «Markland» (Waldland – Labrador) und schließlich «Vinland» (Wein- beziehungsweise Weideland – Neufundland). 

Laut der «Grænlendinga saga» ist jedoch nicht Leif der eigentliche Entdecker, sondern Bjarni Herjólfsson, der auf seiner Reise von Norwegen nach Grönland vom Weg abkam. Dann wird allerdings berichtet, dass Leif ihm das Schiff abkaufte und sich auf die Suche nach dem entdeckten Land machte und dabei die besagten Gebiete erkundete. Daher wird Leif dann die eigentliche «Entdeckung» Amerikas zugesprochen. 

Wo sich genau «Vinland» befindet, ist bis heute ungeklärt. Tatsächlich fand 1960 die Norwegerin Anne Stine eine skandinavische Siedlung aus dem 11. Jahrhundert in L’Anse aux Meadows (Neufundland). Die archäologischen Ausgrabungen zwischen 1961 bis 1969 belegten eindeutig die Ankunft von Skandinaviern («Wikingern») in Amerika. Sie und ihren Mann, Helge Ingstad, machte die Entdeckung dann weltweit bekannt. Auch neueste Funde belegen die Präsenz der Skandinavier an der Küste des heutigen Kanada. Die Archäologin Pat Sutherland konnte auf der Baffininsel nahe Nanook aufgrund der Bauweise von Steinhäusern die Niederlassung von Skandinaviern um die Jahrtausendwende nachweisen. 

Leifs Erkundung muss andere Abenteurer, vor allem seine Brüder und seine Schwester Freydis, inspiriert haben. Bäume, die es weder auf Grönland noch Island gab, standen nun für den Schiffsbau bereit, dazu ein mögliches Weideland für das Vieh und ein angenehmeres Klima. All das schien nun doch verheißungsvoll.    

Von Leif erfahren wir dann auch nichts mehr. Vermutlich hatte er den Hof seines verstorbenen Bruders Thorsteinn übernommen. Leif ist dann um 1020 – vor 1.000 Jahren gestorben.  

Das Ende des Traums einer Skandinavierkolonie   

Womöglich ist schon die negative Bezeichnung der Einwohner Grönlands und auch Amerikas als «Skrælingjar» ein Hinweis auf eine gescheiterte Koexistenz. Die Skandinavier haben sich nicht angepasst und waren lernunwillig. Als ihnen dann die Vorräte ausgingen und das Klima sich wieder abkühlte, erwies sich nicht nur der Traum von «Vinland» als utopisch. Sie hatten zudem die Hauptquelle ihres Handels mit Norwegen und anderen skandinavischen Niederlassungen durch das Abschlachten von Walrossen zur Gewinnung von Elfenbein selbst vernichtet. Nachhaltig dachte man nicht, auch nicht bei der Beweidung. Am Ende gingen ihnen schlicht die Ressourcen aus und wuchsen wohl auch die Konflikte mit den Einheimischen an, so dass nicht nur die Küsten Amerikas unattraktiv wurden, sondern im 14. Jahrhundert dann auch das Leben in Grönland selbst. 

In den USA wird seit 1964 der Leif Erikson Day gefeiert. Damit wird seine Entdeckung Amerikas weiterhin lebendig gehalten.

Leseempfehlung:

Rudolf Simek, Vinland! Wie die Wikinger Amerika entdeckten, Beck 2016

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