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miércoles, 28. octubre 2020
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Pasteur: Vater der Pasteurisierung und Pionier der Impfungen

Zum 125. Todestag von Louis Pasteur

Von Peter Downes

Louis Pasteur 1880

In Zeiten der Corona-Pandemie ist die Erinnerung an einen Pionier der Impfungen und Erforschung zur Mikrobiologie besonders aktuell. Der französische Chemiker Louis Pasteur hat sich auf zahlreichen Feldern hervorgetan: bei der Entwicklung von Antibiotika, der Sterilisation und Hygiene im medizinischen Bereich sowie innerhalb der Erforschung von Mikroben in der Fermentation und Keimbekämpfung sowie in der Entwicklung des Haltbarkeitsverfahrens, das nach ihm Pasteurisierung genannt wird.  

Ambitionierter Sohn eines Gerbers

Louis wurde am 27. Dezember 1822 in Dole in Frankreich als Sohn des Gerbers Jean-Joseph Pasteur geboren. Er wuchs dann in Arbois auf, wo er im Gymnasium ein großes künstlerisches Talent zeigte. Da er auf diesem Gebiet zahlreiche Schulpreise erlangte, wurde er zur Vorbereitung eines späteren pädagogischen Studiums an die «École normale supérieure» nach Paris geschickt. Dort aber blieb er nicht lange, da er an Heimweh litt. Er absolvierte dann 1842 das Baccalauréat (vergleichbar dem Abitur), wobei seine Note in Chemie nur «mittelmäßig» war. 1846 bestand er die Lehramtsprüfung für physikalische Wissenschaften. Im darauffolgenden Jahr wurde er in den zwei Disziplinen Physik und Chemie promoviert. 

Ein Doktor, aber kein Arzt

1848 begann er als Physiklehrer am Lycée von Dijon zu arbeiten. Doch bereits 1849 übernahm Pasteur eine Assistenzprofessur für Chemie an der Universität in Straßburg. Dort heiratete er im selben Jahr die Tochter des Rektors der Akademie von Straßburg, Maria Laurent, mit der er dann fünf Kinder haben sollte, von denn aber nur zwei das Jugendalter überlebten.

Schnell erlangte Louis Pasteur wissenschaftliches Ansehen. 1854 erfolgte seine Berufung als Chemieprofessor und Dekan der neu gegründeten Fakultät für Wissenschaften in Lille. Kennzeichnend für seine Forschungen wurde nun der praktische Anwendungsbezug, wobei ihn industrielle Probleme ebenso beschäftigten wie auch die Ursachenforschung von geläufigen Tiererkrankungen. Er führte auch eine wichtige Innovation in der Ausbildung von Studenten der Naturwissenschaften ein. Durch ein kaiserliches dekret sollten diese fortan in Laboren ausgebildet werden.

1857 wurde er zum Direktor für wissenschaftliche Studien und zum «Administrator» an der «École Normale» in Paris ernannt. Seine strenge disziplinäre Linie in der Leitung führte dazu, dass er während der Studentenunruhen nach 1867 als Chemie-Professor zur Sorbonne wechselte.

Pasteur hatte neben seiner Lehrtätigkeit privat seine Studien zur Gärung in eigenen Laboratorien fortgeführt. War die Forschung zunächst noch eine Nebensache, so wurde sie zunehmend zu seinem Hauptwirkungsfeld. Direkte Kontakte zu Kaiser Napoleon III. ermöglichten eine finanzielle Grundlage, so dass Pasteur sich schließlich ganz der Forschung zu widmen begann.

1865 wurde  ihm der Auftrag übertragen, die Krankheit der Seidenraupen zu untersuchen, die die damalige Seidenindustrie in Bedrängnis führte. Ab 1878 traten human- und veterinärmedizinische Fragen ins Zentrum seiner Forschungen. Nun griff er auf die Ergebnisse früherer Forschungen zu Erkrankungen und Infekten zurück, beließ es aber nicht bei der Behandlung von Symptomen, sondern wollte deren Ursachen ergründen. Schon vor seinen Untersuchungen zur Fermentierung, Fäulnis- und Gärungsprozessen, hatte er die Rolle von Mikroben herausgestellt. Organische, kleinste Lebewesn bewirkten nicht nur Gärungsprozesse, sondern waren auch die Ursache für Wundinfektionen und infektiöse Erkrankungen. Pasteur wurde Spezialist in der Mikrobiologie und konnte dank einer guten Dauerfinanzierung durch den Staat, seine Forschungen weiterführen.

Impfstoff gegen Tollwut 

So entwickelte er nun auch Impfstoffe. Innerhalb der Humanmedizin gab es bisher lediglich eine Pockenschutzimpfung. Pasteur machte aber das Verfahren zur Herstellung von Impfstoffen zu einem allgemeinen Prinzip. Seine Erfolge bei Milzbrand, Schweinerotlauf und vor allem der Tollwut zeigten, wie Infektionen vorgebeugt werden konnten. 1884 veröffentlichte er seine Untersuchungen zur Tollwutimpfung und im folgenden Jahr wurde erstmals die Impfung an Menschen vorgenommen. 

Als er inständig gebeten wurde, einen kleinen Jungen vor dem Tod zu bewahren, zögerte er zunächst, da er selbst kein Arzt war und daher die Risiken nicht eingehen wollte. Als ihm dann aber am 6. Juli 1885 der Fall des kleinen Joseph Meisters vorgelegt wurde, entschied sich der Forscher erstmals für den entscheidenden Schritt. Er stellte das Kind seinen Arztkollegen Alfred Vulpin und Jaques-Joseph Grancher vor, die ihm zur Impfung rieten. Der kleine Junge erhielt eine Spritze mit 14 Tage lang getrockneter Hirnmasse von erkrankten Hunden, dann am folgenden Tag, die 13 Tage getrocknete Masse und über zehn Tage erfolgten zwölf Injektionen mit immer höherer Virulenz. Am Ende erfolgte die «Viertagessuspension». Sie wurde auch einem Hund verabreicht, der daraufhin verstarb. Der Junge aber überlebte. Pasteur hatte den Beweis der Wirksamkeit der Impfung erbracht.

Die Bakterienstudien Robert Kochs von 1876 ermöglichten den Impfstoff außerhalb des Körpers zu kultivieren und dann in berechneten Dosierungen Tieren zu injizieren.  Pasteur bestätigte die Ergebnisse Kochs und stellte sich damit gegen dessen wissenschaftliche Gegner. Louis Pasteur und Robert Koch waren die zwei großen Pioniere der Virologie. 

Pasteurs Erfolg bei der Tollwutbekämpfung führte zur Gründung des «Institut Pasteur», das bis heute führende Wissenschaftsinstitut Frankreichs in der biomedizinischen Forschung, ähnlich wie das Robert-Koch-Institut in Deutschland.  

Der französische Wissenschaftler erlitt ab dem 1870er Jahren mehrfach Schlaganfälle, die ihn zunehmend einschränkten und schließlich lähmten. Er starb am 28. September 1895 in Paris.

Seine Erkenntnisse zu Mikroben haben zum Verfahren der Pasteurisierung geführt – etwa bei Milch und Säften –, das Bakterienbildung verhindert und eine längere Haltbarkeit garantiert. Zudem förderte er die Sterilisierung von chirurgischen Instrumenten und erzeugte ein Hygienebewusstsein – etwa die Notwendigkeit der Reinigung der Hände besonders bei Infektionskrankheiten. Wie wichtig seine Impfstoffentwicklungsstudien waren, ist angesichts der heutigen Pandemie offensichtlich. Pasteur wäre sicherlich an der Entwicklung eines Corona-Virus-Impfstoffes interessiert und hätte auch dort seinen Beitrag geleistet, wenn er heute noch leben würde.

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