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miércoles, 20. enero 2021
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Rudolf Seiters – der stille Macher

Serie: Die Architekten der deutschen Einheit

Von Silvia Kählert

37. Bundesparteitag der CDU in der Bremer Stadthalle 1989, Rudolf Seiters in der Mitte
37. Bundesparteitag der CDU in der Bremer Stadthalle 1989, Rudolf Seiters in der Mitte (Bundesarchiv, B 145 Bild-F082412-0020 / Schaack, Lothar / CC-BY-SA 3.0)

Rudolf Seiters war einer von Helmut Kohls wichtigsten Berater. Vor vier Jahren wurde die Autobiografie «Vertrauensverhältnisse» des heute 82-Jährigen veröffentlicht. Der kurze Titel sagt manches über den Mann im Hintergrund aus: Loyal, zurückhaltend und verschwiegen hat er in den Jahren 1989 und 1990 einen wichtigen Beitrag zur deutschen Wiedervereinigung geleistet. 

Rudolf Seiters wurde 1937 in Osnabrück geboren. Noch während seines Studiums der Rechts- und Staatswissenschaften in Münster trat er den Jungen Europäischen Föderalisten bei. 1958 wurde er Mitglied der CDU und übernahm in der Partei leitende Positionen bis hin zum stellvertretenden CDU-Landesvorsitzenden in Niedersachsen. Dem Bundestag gehörte er von 1969 bis 2002 an und war mehrfach direkt in die Wahlkreise Emsland und Unterems gewählt worden.

Im April 1989 schließlich wurde Seiters zum Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramts ernannt. Damit war er zuständig für die bilateralen Beziehungen zur DDR. Seine emotionalsten Momente dieser Zeit erlebte Seiters gemeinsam mit Hans-Dietrich Genscher auf dem Botschaftsbalkon in Prag. Zu den Gesprächen im Vorfeld erzählte er am 30. September 2019 im Interview beim Radio Prag International:

«Ich hatte auch telefonisch viele Gespräche, unter anderem mit dem Außenminister Fischer, seinem Stellvertreter Kolikowski in Ost-Berlin, dem Rechtsanwalt Vogel oder mit Schalck-Golodkowski und dem Ständigen Vertreter der DDR, Horst Neubauer. Die Haltung war stur, und das auch nach der Öffnung der österreichisch-ungarischen Grenze. Je näher aber der Oktober rückte, umso spürbarer war die Nervosität.» Die Verhandlungen dauerten wochenlang: «Ich war überzeugt, dass die DDR nicht wollen könnte, dass die für sie so beschämenden Bilder aus Prag die Feierlichkeiten zum 40. Jubiläum der Staatsgründung der DDR überschatten würden. So erhielt ich zusammen mit Genscher am 30. September 1989 in meinem Büro im Kanzleramt die erlösende Nachricht, dass die DDR der Ausreise der Flüchtlinge nunmehr zustimmen werde. In Prag wurde der erste Stein aus der Mauer gebrochen.»

Seiters ist auch mit Kohl ein knappes Jahr später im Kaukasus dabei, als Michael Gorbatschow «Weg und Zeit der Einigung» freigab. Außerdem verhandelte er für die DDR ein neues Wahlgesetz. Er ist verantwortlich für die Koordination der Verträge mit der DDR über die Währungs- und Sozialunion, genauso auch was die Vorbereitung der deutschen Einheit, den Friedensschluss mit den «2+4»-Siegermächten sowie die Gestaltung der Beziehungen zur Europäischen Union und der Nato betrifft. 

Rudolf Seiters war von 1991 bis 1993 Bundesminister des Innern und von 1998 bis 2002 Vizepräsident des Deutschen Bundestages. Von 2003 bis Ende 2017 stand Rudolf Seiters als Präsident an der Spitze des Deutschen Roten Kreuzes.

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