5.2 C
Santiago
29.7 C
Berlin
domingo, 3. julio 2022
Inicio Magazin Geschichte Hans-Dietrich Genscher – der internationale Netzwerker

Hans-Dietrich Genscher – der internationale Netzwerker

Serie: Die Architekten der deutschen Einheit

Von Silvia Kählert

Rudolf Seiters und Hans-Dietrich Genscher in Prag, nachdem der Außenminister am 30. September 1989 seine berühmten Worte gesprochen hatte.

Wer Hans-Dietrich Genscher erlebte, vergisst nicht sein fast schon nuschelndes Sächsisch. Tatsächlich ist er bei Halle 1927 geboren und ging dort zur Schule. Als Flakhelfer und später als Soldat erlebte er ab 1943 die Schrecken des Zweiten Weltkriegs. Von 1946 bis 1949 studierte er Rechtswissenschaften in Halle. Im Jahr 1952 flüchtete er aus der DDR in den Westen und trat noch im gleichen Jahr in die FDP ein. 

Genscher war also in Ost und West zuhause. Das und seine Kriegserfahrungen waren sicher ein Grund für seinen unermüdlichen Einsatz für ein vereintes Europa des Friedens. Das verband ihn mit Helmut Kohl, beide waren überzeugte Europäer und sich daher auch nahezu einig bei den Fragen der deutschen Wiedervereinigung. 

Der Vollblutpolitiker machte in der FDP Karriere: Insgesamt 18 Jahre lang, von 1974 bis 1992, war er unter den Bundeskanzlern Helmut Schmidt und Helmut Kohl fast ununterbrochen Bundesaußenminister und war somit der am längsten amtierende Außenminister der Bundesrepublik Deutschland – und sicherlich einer der beliebtesten. 

Mit Weitsicht und Erfahrung ebnete er durch seine Diplomatie der persönlichen Kontakte die deutsche Wiedervereinigung. Bereits 1988 konnte er sich die Unterstützung der polnischen Opposition und schließlich das Vertrauen Michael Gorbatschows sichern. Der Außenminister setzte auf multilaterale Verträge und war maßgeblich an den internationalen Verhandlungen der Zwei-Plus-Vier-Verträge beteiligt, die er am 12. September 1990 mitunterzeichnete. Erst die Anerkennung dieser Verträge 1991 durch Russland verlieh Deutschland seine volle Souveränität. Dies war ein maßgeblicher Verdienst Hans-Dietrich Genschers.

Am  30. September 1989 um 18.58 Uhr verkündete er vom Balkon der Prager Botschaft den Tausenden dorthin geflüchteten DDR-Bürgern ihre Ausreise per Sonderzug. Berühmt geworden sind seine Worte «Liebe Landsleute, wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise …», die im folgenden Jubel untergingen. 

Rund 5000 DDR-Bürger vor der Prager Botschaft am 30. September 1989 warteten auf die Bewilligung ihrer Ausreise

Auf dem Höhepunkt seiner Karriere 1989 ernannte ihn das Satire-Magazin Titanic zum Superhelden «Genschman» – mit Flatterohren und gelbem Pullunder durch die Welt fliegend. Hans-Dietrich Genscher ist mit 89 Jahren am 31. März 2016 gestorben.

Anmeldung zum Cóndor-Newsletter

Wir senden Ihnen den regelmäßig erscheinenden Newsletter mit unseren Textempfehlungen zu.

- Werbung -

Mehr Lesen

Schülerdelegation der DS Santiago als Beste ausgezeichnet

Model-United-Nations-Konferenzen für Lateinamerika Von  Annekatrin Leis, Kommunikationsabteilung DS Santiago Einmal in die Rolle eines Diplomaten schlüpfen...

Schwimm-WM-Rekordlerin Kristel Köbrich auf achtem Platz

Kristel Köbrich ist die erste Sportlerin, die an insgesamt zehn Schwimm-Weltmeisterschaften teilgenommen hat. Am 20. Juni erreichte sie bei der Fina-WM in...

Heriberto Hildebrandt, Architekt

Baufachmann auf vier Kontinenten Kürzlich zeichnete ihn die Corporación Educacional Federico Froebel mit einer fein gefertigten Nachbildung der Deutschen...

72 Jahre Cóndor-Geschichte digitalisiert

Passend zum Cóndor-Geburtstag:  DCB-Geschäftsführerin Marlen Thiermann überreichte Cóndor-Geschäftsführer Ralph Delaval die Festplatte mit 72 Jahren Cóndor-Ausgaben am 6. Juni im Emil Heldt Archiv.