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miércoles, 28. octubre 2020
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Die drei Antonios – Verschwörer der ersten Stunde

Chilenische Unabhängigkeitskämpfer im 18. Jahrhundert

Von Walter Krumbach

José Antonio de Rojas, in dessen Haus die Idee einer Verschwörung entstand

Offiziell gilt der 18. September 1810 als der Tag, an dem die chilenische Unabhägigkeit ausgerufen wurde. Der Gedanke, das Land von der Oberherrschaft der spanischen Krone zu befreien, reifte jedoch in vielen chilenischen Köpfen lange vorher: Bereits 1780 begann die «Verschwörung der drei Antonios» gegen die Kolonialmacht.

1778, also 32 Jahre vor der Unabhängigkeit, kehrte José Antonio de Rojas y Ortuguren von einer Spanienreise zurück. Rojas war 1742 in Santiago in eine wohlhabende Familie hineingeboren worden, die zudem eine nicht unwesentliche Machtposition innehatte. Auf seiner Europareise hatte er sich mit dem Gedankengut der Aufklärung auseinandergesetzt und sich zahlreiche Bücher französischer Philosophen und Intelektueller besorgt. 

Umsturz mit Hilfe von Sklaven

In seinem Haus trafen sich nach seiner Rückkehr politikinteressierte Freunde zum Gedankenaustausch. Regelmäßige Gäste waren zwei Franzosen: der Landwirt Antonio Gramusset und Antonio Berney, Mathematik- und Lateinlehrer des «Convictorio Carolino», die mit dem Hausherrn die

Meinung teilten, dass es an der Zeit sei, die Monarchie durch eine republikanische Regierungsform zu ersetzen. Die Macht sollte von einem Kollegialorgan ausgeübt werden, das sich aus chilenischen Einwohnern zusammensetzen sollte. Ferner plädierten die drei Antonios für die Abschaffung der Sklaverei und der Adelstitel. 

Jeder der Komplottschmieder verpflichtete sich, weitere Teilnehmer zu gewinnen, wobei er die anderen Beteiligten geheimzuhalten hatte. So sollte verhindert werden, dass im Falle einer Entdeckung oder eines Verrats, die restlichen Teilnehmer ausfindig gemacht werden. Der Plan war recht einfach und entbehrte nicht einer gewissen Logik: Am Tag des Umsturzes sollten sich sämtliche Verschwörer im Stadtteil La Chimba – nördlich des Mapocho – einfinden, von dort aus gruppenweise aufbrechen, um die Regierungsmitglieder festzunehmen, das Pulverdepot, das Waffenlager und die königlichen Kassen zu besetzen, während einige als Geistliche verkleidete Umstürzler das Volk auffordern sollten, sich unverzüglich an der Bewegung zu beteiligen. Dazu sollten die Sklaven befreit werden, mit denen man begeisterte Mitstreiter zu gewinnen hoffte.

Komplott aufgedeckt

Antonio Gramusset hatte den Plan ausführlich zu Papier gebracht. Während einer Reise verlor er das Handgepäck mit dem heiklen Schriftstück. Der Finder übergab es der Polizei, damit es wieder zu seinem rechtmäßigen Eigentümer gelangte. Der Text war auf Französisch verfasst, weshalb die Beamten ihn nicht lesen konnten. Sie schickten jedoch den Koffer nach Santiago, wo das Schriftstück auf Spanisch übersetzt wurde und so alsbald das Komplott aufgedeckt wurde. Am 1. Januar 1781 erteilte die «Real Audiencia» den Befehl, die beiden Franzosen und einen Mitverschwörer, einen gewissen Galizier mit Namen Gallegos, zu verhaften. Rojas wurde für unschuldig erklärt und freigelassen. Nach einer kurzen Exilperiode in Spanien kehrte er nach Santiago zurück.

Gramusset und Berney wurden nach Lima verschifft, wo sie ein Jahr im Gefängnis saßen. Anschließend beorderte das Vizekönigreich sie zum Prozess nach Spanien. Ihr Schiff, die «San Pedro de Alcántara», erlitt während eines Sturms vor der portugiesischen Küste Schiffbruch. Berney kam dabei ums Leben. Gramusset konnte gerettet werden, erlag jedoch drei Monate später seinen Verletzungen.

Antonio de Rojas fuhr unterdessen mit den Zusammenkünften in seinem Haus fort. Im Jahr 1809 befahl der Gouverneur Francisco Antonio García Carrasco die Festnahme Rojas, was allerdings den Fall des Gouverneurs und seine Ablösung durch den Chilenen Mateo de Toro y Zambrano zur Folge hatte. Nach dem Ende der Patria Vieja-Periode musste er zusammen mit anderen besiegten Patrioten eine zeitweilige Verbannung auf die Insel Juan Fernández hinnehmen. Nach dem Sieg der Schlacht bei Chacabuco (12. Februar 1817) wurde er freigelassen, starb aber im Oktober des gleichen Jahres aufgrund der in der Gefangenschaft erlittenen Misshandlungen und seines vorgerückten Alters. 

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