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miércoles, 23. septiembre 2020
Inicio Gemeinschaft Christen und Juden in Chile diskutieren Folgen der Pandemie

Christen und Juden in Chile diskutieren Folgen der Pandemie

«Die Religionen an einen Tisch holen»

Von Nicole Erler

«Die Religionen im Angesicht der Herausforderungen der Welt nach der Pandemie» – darüber sprachen gemeinsam Shmuel Szteinhendler, Rabbi der Jüdischen Gemeinde «Beit Emunah», Jorge Patricio Vega, katholischer Bischof der Prälatur Illapel und Mitglied des Ordens der Steyler Missionare, und Johannes Merkel, Pfarrer der Evangelisch-Lutheranischen Gemeinde «La Reconcilación». Zu dem Diskurs hatte die jüdische Gemeinde «Beit Emunah» eingeladen und dieser fand in einer Online-Konferenz via Zoom am 20. August um 19.30 Uhr statt.

Die Vortragenden sind Mitglieder der «Jüdisch Christlichen Bruderschaft» von Chile. Es nahmen über 70 Zuhörer aus Chile, Argentinien, Uruguay, Brasilien und Mexiko an der Konferenz teil.Nach einleitenden Worten von Rabbi Shmuel Szteinhendler und dem Apostolischen Nuntius Monseñor Alberto Ortega verlas Pfarrer Johannes Merkel als Eröffnungsgruß den Bibelspruch des Tages. 

Anschließend beschrieb Bischof Jorge Patricio Vega eine Momentaufnahme der aktuellen Situation in Chile. Zu Beginn der Pandemie sei der Gedanke aufgekommen, dass wir uns als Menschheit verändern würden, unsere Spiritualität wieder stärker in den Vordergrund treten würde. Die Regierungen ordneten Schutzmaßnahmen an, organisierten die Versorgung mit den wichtigsten Gütern, die Gesundheitszentren trugen mit ihrer Infrastruktur zur medizinischen Versorgung bei. Aus Sicht des Bischofs, finde die Religion in diesem Prozess ihre Wertschätzung zur Zeit erst an zweiter oder dritter Stelle. Ihr Beitrag sei nun, die Gesellschaft in dem allgemeinen Ziel zu unterstützen, menschliches Leben zu schützen. Generell sei der gemeinsame Weg, Werte zu stärken und die Gesellschaft wegzuführen von Egoismus und Individualismus. Während der Pandemie habe niemand nach der Hautfarbe, der Rasse, dem Pass oder der Religion des anderen gefragt. Man habe mit vereinten Kräften gearbeitet. Es sei wichtig, das Allgemeinwohl zu schützen und dazu gehöre auch der Schutz unseres Planeten. 

Aufbauend auf das Panorama des Bischofs, schloss Pfarrer Johannes Merkel mit seiner Anschauung als Pfarrer und als  Deutscher an. Die Schlüsselfragen, die er im Vordergrund sieht, waren zum einen «Ist der Virus eine Strafe Gottes?» und zum anderen «Wo liegt unsere Schwäche als Menschheit?» Die erste Frage verneint er und kommentiert «dass das Virus vielleicht eine Folge unserer Lebensweise ist». Die Pandemie solle uns wachrütteln, um unsere Lebensweise zu überdenken und sie zu ändern, wobei besonders die Ökologie stärker in den Mittelpunkt rücken müsse. Die Umwelt habe während der letzten Monate aufgeatmet. Die Menschheit sei nun aufgefordert, dies weiterzuführen. Zur zweiten Frage reflektierte Merkel, dass bisher das Leben als vorhersehbar empfunden und mit einer gewissen Planungssicherheit gelebt wurde. Doch die Pandemie habe deutlicher sichtbar gemacht: Nicht alle haben Zugang zu diesen Sicherheiten und Möglichkeiten. Er verwies dabei auf das diakonische Projekt seiner Gemeinde «Proyecto Belén» im Süden von Santiago, wo die dort lebenden Familien die katastrophalen Auswirkungen der Pandemie und das soziale Ungleichgewicht erfahren. Zum Abschluss rief er zu mehr Brüderlichkeit auf.

Zuletzt sprach Rabbi Shmuel Szteinhendler. Er erzählte, dass er persönlich daran zu tragen habe, dass sein Leben sich zur Zeit überwiegend in die digitale Welt verlagert habe: «Wie können wir die Verbindung zu anderen halten und nähren?» Das beschäftige ihn. Er sei sich sicher, dass der Kontakt über Video und soziale Medien im Leben aller in verstärktem Maße auch in Zukunft bleiben werde. Wir ständen vielen neuen Herausforderungen und auch Chancen gegenüber. Das beträfe alle gemeinsam und daher fordert der Rabbi: «Um dieses Tal zu durchschreiten, sollen die Religionen an einen Tisch geholt werden.»

Im Dialog dieser Abendkonferenz haben Szteinhendler und seine Gäste einen Schritt dazu beigetragen. Es folgte eine kurze Fragerunde. Mit dem Impuls einer Zuhörerin, gemeinsam über den «Wert der Freiheit» zu reflektieren, wurde ein mögliches Thema für eine nächste interreligiöse Dialogrunde gesetzt.

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