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sábado, 26. septiembre 2020
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Einmal Tirol und immer wieder zurück

Porträt: Wieland Watznauer, General Manager ILF Chile

Seine Offenheit und Neugier haben Wieland Watznauer zu dem gemacht, was er heute ist: global denkend und sich in zwei Ländern zuhause fühlend.

Wieland Watznauer, General Manager ILF Chile (Foto: privat)

Von Stefanie Hornung

«Wenn man fast jeden Tag mit der alten Heimat telefoniert, kommt es einem nicht so vor, als würde man über 12.000 Kilometer entfernt leben.» Die alte Heimat sind in diesem Fall Innsbruck und Tirol, wo der Hauptsitz der Firma ILF Consulting Engineers ist. Wieland Watznauer ist für deren eigenständige Niederlassung in Chile als Hauptgeschäftsführer tätig und hält die Verbindung nach Österreich. Als junger Mann in den 1970er Jahren studierte er damals an der Höheren Technischen Lehranstalt in Innsbruck Maschinenbauingenieurwesen. «Mein Studium habe ich mir mit den verschiedensten Jobs finanziert. Ich war Skilehrer, Zeitungsverkäufer, Sachgutachter bei einer Versicherung, Barmann, Motorradrennmaschinen-Mechaniker, Übersetzer und vieles weitere mehr», zählt der Deutsch-Chilene auf. Zur Zeit seines Studiums arbeitete er erstmals für ILF, bis ihn 1984 die chilenische Firma Coditec für ihre Bergbauabteilung rekrutierte.

«Nach so vielen Jahren in Deutschland und Österreich in ein Chile zu kommen, das sich fundamental von dem unterschied, was ich aus meiner Kindheit kannte, war schon sehr besonders», erinnert er sich. In Tomé geboren, verbrachte er die ersten Jahre seines Lebens dort, bis die Familie 1960 nach Santiago umzog. Über seine Kindheit erzählt er: «In unserer Straße im Stadtteil Bella Vista in Tomé wohnten sehr viele Deutschstämmige aus dem Sudetenland, die in einer der dortigen Textilfabriken arbeiteten.»

Auch sein Vater Walter Watznauer wanderte aus dem Sudetenland nach Chile aus. Der gebürtige Landskroner war Textilingenieur und fand dort Arbeit und Frau. Wielands Mutter Marlies Weller Schneider stammte aus Valdivia und arbeitete als Lehrerin. Neben deutschen Traditionen wurde in Wielands Elternhaus auch die Liebe zur klassischen Musik gepflegt. «Mein Vater war ein großer Wagner-Verehrer. Ich bin übrigens nach dem Schmied aus der Nibelungensage benannt worden. Später hat mein Vater aus Deutschland auch die Kritiken des Wagner-Festivals in Bayreuth für den Cóndor geschrieben.» Eine Vorliebe, die sein Sohn Wieland nicht mit der gleichen Intensität teilt. Er sei zwar bereits in Bayreuth gewesen, um die Stadt kennenzulernen, aber sein Musikgeschmack ist deutlich moderner: «Von Tina Turner und Rolling Stones bis zu zeitgenössischer Volksmusik von Hansi Hinterseer höre ich alles.» Auch in Konzerte geht er gerne, meistens in Begleitung seiner zweiten Frau Soledad, die einige Zeit nach dem frühen Tod seiner ersten Frau 1995 an seine Seite trat. Mit gerade einmal 40 Jahren Witwer geworden, musste er alleine für die beiden Schulkinder Margot und Wieland junior sorgen. Inzwischen ist Margot Krankengymnastin und Sohn Wieland Architekt. Beide besuchten die Deutsche Schule in Santiago und sprechen auch heute noch Deutsch.

Darauf hatte Wieland Watznauer geachtet: «Mir war wichtig, dass sie die deutsche Sprache und deutschen Traditionen kennenlernen. Ich bin ja beruflich weltweit unterwegs gewesen, da braucht man mehr als nur die Muttersprache.» Den leichten Tiroler Akzent hat er sich in über zehn Jahren in seiner österreichischen Zweitheimat angeeignet. Den Schulabschluss machte er noch in Deutschland, wohin seine Mutter mit den beiden Söhnen Ende der 1970er Jahre gezogen waren. Wieland war lange Zeit der einzige aus der Familie, der nach Chile zurückkehrte. Erst vor einigen Jahren folgte ihm sein Bruder nach und die Eltern pendelten lange zwischen Österreich und Chile hin und her.

Die Sehnsucht nach Chile hatte den heute 65-jährigen Wieland nie verlassen. Die Erinnerungen an eine glückliche Kindheit mit Besuchen von Verwandten in Concepción berühren ihn auch noch nach vielen Jahren: «Wir haben mit den Großeltern und Cousins viele schöne Ausflüge gemacht. Meine Mutter hatte eine Zwillingsschwester in Concepción und da war die Bindung zur Familie naturgemäß eng. Und lieb gewonnenene Traditionen wie das typisch deutsche Weihnachtsfest haben wir gepflegt.» Auch auf die Herkunft der Familie ist Wieland Watznauer stolz: Er bewahrt die Stammbäume der Familie, die väterlicherseits bis 1580 in das österreichisch-ungarische Staatsgebiet zurückreichen. Die Familie der Mutter wanderte um 1860 nach Valdivia aus und stammt teils aus Hamburg, Ostpreußen und Weimar.

Obwohl er beruflich sehr eingespannt ist – seit 2014 ist er nach langer Tätigkeit für andere Unternehmen als Hauptgeschäftsführer zu ILF Chile zurückgekehrt – versucht Wieland, das ein oder andere Hobby weiterzubetreiben. «Eine Leidenschaft von mir ist das Reiten. Ich habe sogar schon an Rodeos teilgenommen. Außerdem bin ich begeisterter Skifahrer, habe ja während des Studiums als Skilehrer gearbeitet.» Auch die Vorliebe für schnelle Maschinen ist ihm seit der Studentenzeit geblieben: Wenn Motorrad- und Autorennen im Fernsehen ausgestrahlt werden, fiebert Wieland mit. An den beruflichen Ruhestand denkt er indes noch lange nicht: «Ich bin fit und aktiv und mache weiter, solange es Spaß macht!».

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