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sábado, 28. noviembre 2020
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45 Jahre Versöhnungsgemeinde in Santiago

Seit Oktober 2014 mit der geistlichen Leitung der Versöhnungsgmeinde betraut: Pastorin Nicole Oheler und Pastor Johannes Merkel

Die Versöhnungsgemeinde mit Pastorin Nicole Oehler und Johannes Merkel feiert in diesem Jahr ihr 45-jähriges Bestehen. Die Gemeinde in der Calle Alonso de Camargo in Las Condes gehört zur Evangelisch-lutherischen Kirche in Chile (Iglesia evangélica luterana en Chile – IELCH), die im 19. Jahrhundert deutsche Einwanderer gegründet haben. Im Jahr 1975 hat sich aus politischen und kirchlichen Differenzen ein Teil der Kirche von der IELCH distanziert und es entstand die ILCH (Iglesia Luterana en Chile).

Die Erlösergemeinde hat insofern eine Sonderstellung innerhalb der zehn Gemeinden der IELCH, da sie regelmäßig Gottesdienste auf Deutsch feiert, mehr Gemeindemitglieder aus Deutschland hat und ihre Pfarrer beide aus Deutschland stammen. Der Cóndor befragte Pfarrerin Nicole Oehler und Pfarrer Johannes Merkel zu ihrer Arbeit und wie sich die Gemeinde in den letzten Jahren entwickelt hat.

Seit wann seid ihr in Chile und wie habt ihr die Entwicklung der Gemeinde in dieser Zeit erlebt?

Wir sind jetzt ziemlich genau sechs Jahre hier und als Pfarrerin und Pfarrer in der Versöhnungsgemeinde im Dienst. Als wir kamen hatte die Gemeinde eine schwere Zeit mit vielen Wechseln hinter sich und so war es die erste Aufgabe, die Gemeinde wieder zu aktivieren und ihr zum Wachsen zu verhelfen. Das ist mit der Zeit wirklich gelungen. Die Gottesdienste und Veranstaltungen sind gut besucht, die Einnahmen haben sich positiv entwickelt und wir erhalten viele begeisterte Rückmeldungen. Natürlich ist das aber immer das Werk von vielen Menschen und auch von äußeren Faktoren.

Während die Versöhnungsgemeinde in den ersten Jahren ein kleiner Kreis war und immer wieder im Laufe ihrer Geschichte existentiell herausgefordert war, konnten wir den 45. Geburtstag dankbar, mit ein wenig Stolz und voll Zuversicht für die Zukunft feiern.

Wie viele Mitglieder hat eure Gemeinde zurzeit und wie viele Deutsche, Deutsch-Chilenen und Chilenen und andere sind bei euch aktiv und spielt die Abstammung und Herkunft eine Rolle für euch und das Gemeindeleben?

Der erste Teil der Frage ist schwer in konkrete Zahlen zu fassen, wir sagen immer: ungefähr ein Drittel sind Deutsche, die wie wir für eine Zeit hier leben; ein Drittel Deutsch-ChilenInnen und ein Drittel Menschen, die weder mit Deutschland, noch ursprünglich mit der lutherischen Kirche eine Verbindung hatten. Da sich die Welt aber immer weiter globalisiert, haben wir auch Gemeindemitglieder aus Brasilien und Ecuador, und auch Englisch wird bei uns hin und wieder gesprochen.

Natürlich hat es für die, die diese Wurzeln haben, eine besondere Rolle, dass wir deutsche Gottesdienste feiern und zum Beispiel Weihnachtslieder auf Deutsch singen. Auch sind wir eine offizielle Auslandsgemeinde der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Aber in dem, wie wir uns den Menschen und ihren Anliegen zuwenden oder man zum Beispiel Mitglied im Direktorium werden kann, spielt die Herkunft keine Rolle. Vielmehr empfinden es viele unserer Mitglieder gerade als eine Stärke, dass wir so verschieden sind.

Inwieweit spielt die Zusammenarbeit mit den anderen neun Gemeinden der IELCH für euch eine Rolle?

Die Gemeindemitglieder sind meist schon sehr darauf fixiert, was bei uns in der Gemeinde und mit den Menschen, die sie kennen stattfindet. Aber natürlich laden wir zu überregionalen Treffen zum Beispiel zu theologischen Seminaren ein und manchmal finden auch bei uns gemeinsame Großveranstaltungen statt. Der Festgottesdienst „500 Jahre Reformation“ gehört ohne Zweifel zu den Höhepunkten der letzten Jahre. Damals waren nicht nur zahlreiche Glaubensgeschwister der IELCH, sondern auch aus der ILCH beteiligt und wir hatten viele Gäste aus der religiösen und politischen Welt bis hin zur damaligen Staatspräsidentin.

Als Pfarrerin und Pfarrer engagieren wir uns in den Gremien der IELCH, Nicole zum Beispiel in der Frauenpastorale und Johannes in der Kirchenleitung. Auch gibt es ganz regelmäßig Pfarrkonferenzen udgl. Zuletzt haben wir einer Gemeinde in der VIII. Region, die in der Sozialarbeit sehr aktiv ist, mit der Kollekte eines Sonntagsgottesdienstes ein wenig helfen können.

Erwähnt sei außerdem noch, dass wir sehr gute Beziehung zur Erlösergemeinde pflegen. Auch wenn sie zur ILCH gehört, feiern wir gemeinsam Gottesdienste oder laden gemeinsam zu Veranstaltungen ein. Der von den Vätern und Müttern der Gemeinde gewählte Name bezieht sich ja unter anderem auch auf die Versöhnung zwischen den beiden lutherischen Kirchen Chiles!

Könnt ihr euch mit den Gründern eurer Gemeinde identifizieren oder gibt es heute ganz andere Herausforderungen?

Identifizieren ja. Aber ob wir selber damals die Kraft und den Mut gehabt hätten, in dieser Situation aus festem Glauben heraus so zu handeln und eine neue Gemeinde zu gründen – das wissen wir nicht. Und bewundern es daher umso mehr!

Unsere GemeindegründerInnen waren der festen Überzeugung: „Lass uns aufsehen auf Christus, den Beginner und Vollender unseres Glaubens“ – er ist der einzige Maßstab. Ein Maßstab, der auch heute noch richtungsweisend ist. Für ebenso wichtig halten wir weiterhin die aktive Suche nach Versöhnung, sei es zwischen den verschiedenen lutherischen Kirchen, sei es zwischen verschiedenen sozialen Realitäten, die wir in Chile (er-)leben oder zwischen Mensch und Gott.

Wie tankt ihr Kraft bzw. was motiviert euch, als Pfarrer diese Gemeinde zusammenzuhalten, die Gemeindemitglieder zu motivieren?

Es ist die Gemeinde selber, die uns motiviert. Es macht solche Freude, in dieser Gemeinde zu arbeiten! Wir empfinden es immer wieder als einen großen Segen. Und das springt natürlich über von einer auf die andere Seite. Persönlich finden wir Kraft im Miteinander, im Austausch, aber auch in Gesang und Gebet.

Bei eurem Video zum Jubiläum habt ihr verschiedene aktuelle und ehemalige Gemeindemitglieder interviewt. Was hat euch besonders berührt?

Die Vielfalt! Menschen unterschiedlichen Alters und mit ganz unterschiedlichen kulturellen Hintergründen sind bei uns aktiv – das ist ganz wunderbar und entspricht dem Anliegen der Gründungsgeneration, dass das gemeinsame Ausrichten auf Jesus stärker sein soll, als alle Unterschiede. Damals waren diese eher politischer Natur, bei den Geburtstagsgrüßen wird deutlich, was wir auch im Gottesdienst erleben: die Vielfalt, auch der Gaben, die die Einzelnen einbringen.

Spielt die Arbeit mit der Schule Belén O´Higgins immer noch eine so große Rolle für die Gemeinde, genauso wie am Anfang?

Unser Colegio Belén O`Higgins ist immer noch ein wich Baustein der Gemeinde. Allerdings nicht mehr so wie in den Anfängen, in denen sich viele Gemeindeglieder ganz aktiv in die Arbeit dort eingebracht haben, bzw. sie ja aufgebaut haben. Die Schule hat heute eine eigene Leitung und Administration, die der Trägerschaft unserer Bildungsstiftung Martin Lutero untersteht. Darin engagieren sich immer noch etliche Gemeindemitglieder mit viel Zeit und Herzblut.

Von Anfang an ein Herzstück der Gemeindearbeit: das sozial-diakonische Engagement im Colegio Belén O’Higgins

Und den Gemeindemitgliedern ist das soziale Engagement und die Entwicklung unserer Schule wichtig. Dennoch gilt es immer wieder neu nach Formen zu suchen, wie sich beide auch ganz konkret und praktisch immer wieder „nahe“ kommen können – sowohl hier wie auch dort. So besuchen wir das Colegio zum Beispiel mit unseren KonfirmandInnen und die SchülerInnen haben schon unsere Gemeindefeste mit Musik und Tanz bereichert.

Was gefällt euch am meisten bei eurer Arbeit in der Versöhnungsgemeinde?

Dass die Versöhnungsgemeinde so offen und vielfältig ist. Es gibt wirklich eine ganz besondere Willkommenskultur, in der alle mit offenen Armen empfangen werden. Und die Vielseitigkeit zeigt sich nicht nur an den verschiedenen Kulturen, sondern auch darin, dass hier Menschen verschiedener politischer Standpunkte und jeglichen Alters miteinander Gemeinde sind. Und sich aktiv einbringen – besonders auch in diesen Tagen, wo wir nur aus der Distanz miteinander sein können.

Last but not least ist es eine Gemeinde mit viel Gesang und einem ausnehmend tollen Kirchraum!

Was macht euer Lebensmittelpaketeprojekt?

Wir sind ehrlich gesagt sehr beeindruckt von der großen Solidarität der Gemeindemitglieder, aber auch vieler Menschen in Deutschland und der Schweiz! Wir konnten relativ zügig die erforderlichen Spenden einwerben um je 300 Kisten mit Lebensmitteln und mit Hygieneprodukten für die Familien unseres Colegio Belén O´Higgins zu kaufen.

Vorletzte Woche wurden diese dann unter den erforderlichen Sicherheitsbestimmungen begeistert in Empfang genommen. Die Schulgemeinschaft hat sehr dankbar und glücklich reagiert und dies als große Unterstützung für ihren unter den derzeitigen Umständen noch schwierigeren Alltag wahrgenommen.

Was glaubt ihr, ist besonders wichtig, damit es auch in Zukunft diese Gemeinde noch gibt?

Da kann man aus der Geschichte lernen und dankbar sagen: die Versöhnungsgemeinde gibt es trotz aller Schwierigkeiten immer noch, weil Menschen sich engagiert für sie eingesetzt haben. Und weil Gott sie mit seinem Segen begleitet hat. Beides wird auch für die Zukunft unabdingbar sein!.

Das Video zum Jubiläum kann angesehen werden unter www.lareconciliacion.cl/de

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