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sábado, 8. agosto 2020
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Andrea von Schultzendorff – Unternehmerin und Dozentin

«Wohlfühlen als Ziel»

Für Andrea von Schultzendorff ist Neurowissenschaft der Schlüssel zu einer ausgeglichenen und produktiven Unterrichtsatmosphäre. Ihre 2015 gegründete Firma führt sie zurzeit von Peru aus.

Von Stefanie Hornung

Die aktuelle Heimat von Andrea von Schultzendorff liegt einige tausend Kilometer von Santiago entfernt in San Isidro, dem grünen Stadtteil der peruanischen Hauptstadt. «Uns hat es hierher verschlagen, weil mein Mann für ProChile nach Peru gesandt wurde», erklärt die gebürtige Santiaguina, die nun seit 2019 mit ihrem Ehemann und der jüngsten Tochter Nicole in Peru lebt. Obwohl sie mit ihrer Firma Aulapositiva zurzeit überwiegend peruanische Institutionen betreut, wirkt Andrea von Schultzendorff auch in der chilenischen Hauptstadt. «Ich arbeite schon seit einiger Zeit auf Distanz und via Telekonferenzen und es hat sich bewährt», erklärt die Unternehmerin. Ihre Firma Aulapositiva bietet unter anderem Weiterbildungen und Coaching für Lehrkräfte an. Ihre Themen: Methoden und Instrumente basierend auf neurowissenschaftlicher Forschung zur Verbesserung der Unterrichtsatmosphäre und -ergebnisse. Zudem ist Andrea selbst als Dozentin tätig. Sie unterrichtet per Fern-Dozentur an der Universidad Finis Terrae in Santiago.

Die studierte Lehrerin mit Schwerpunkt Deutsch zählt auch das Lehrerbildungsinstitut Wilhelm von Humboldt (heute Teil der Universität Talca) zu ihren Kunden. 1996 erwarb sie dort ihren Titel als Grundschullehrerin. Nur einen Katzensprung vom LBI entfernt liegt die Deutsche Schule, wo Andrea ebenfalls als Lehrerin arbeitete. «Das war wie eine Rückkehr zu den Wurzeln, denn ich habe dort meinen eigenen Schulabschluss gemacht.»

Die Wurzeln ihrer Familie liegen etwas weiter weg, in der idyllisch oberhalb des Saaletals gelegenen, mittelalterlich geprägten Stadt Naumburg. Ihr Urgroßvater Günther von Schultzendorff (1884-1958), der aus einem ursprünglich schlesischen Adelsgeschlecht entstammte, verließ seine sachsen-anhaltinische Heimat, um aus geschäftlichen Gründen nach Chile überzusiedeln. In Valparaíso lernte er Irma Juana Luisa Welkner kennen, ebenfalls mit deutscher Herkunft. Nach der Heirat 1913 bekamen sie sieben Kinder, darunter den Großvater von Andrea. Dieser wuchs in Valparaíso auf, siedelte aber später nach Santiago um. In der Familie wurde die deutsche Muttersprache gepflegt, sodass sowohl Andreas Vater als auch seine drei Brüder sich weiterhin in fließendem Deutsch unterhalten konnten.

Auch Andrea bekam dieses Erbe deutscher Einwanderer vermittelt, wenngleich sie sich heute in ihrer Familie hauptsächlich auf Spanisch verständigen. Dennoch fühlt sie sich ganz als Deutsch-Chilenin und sieht darin auch Vorteile: «Die deutsch-chilenische Mischung innerhalb der Familie hat ihre Besonderheiten und wir pflegen diverse Traditionen auch in meiner Generation weiter.» Dazu gehört zum Beispiel das Campen. Schon mit ihren Eltern ging es in den Ferien in die Natur hinaus. «Meine Eltern hatten einen Wohnwagen und wir waren damit oft an der Laguna Aculeo, die ja heute leider ausgetrocknet ist. Damals sah das dort ganz anders aus und das temporäre Leben am Wasser hat meine Leidenschaft für Wassersport angefacht.»

Ein anderer See, der Lago Rapel, war der Schicksalssee für ihre Liebe: Beim Campen mit den Eltern lernte Andrea den sieben Jahre älteren späteren Ehemann kennen, der dort damals mit Freunden seine Ferien verbrachte. Der Lago Rapel ließ beide auch später nicht los, aber anfangs urlaubte die junge Familie noch – ganz der Familientradition folgend – im Wohnwagen an den Ufern der Laguna Aculeo. Heute haben sie den Wohnwagen gegen saisonal angemietete Ferienhütten eingetauscht, aber dafür liegt das familieneigene Motorboot fest am Lago Rapel – ideal zum Entspannen und Sporteln. Denn die Familienmitglieder sind allesamt Wasserratten: «Wir haben schon immer viel Sport betrieben», erzählt Andrea und die schlanke Figur der 50-Jährigen zeigt, dass sich das seit ihrer Jugendzeit nicht geändert hat. Von Wasserski über Surfen bis hin zum Kitesurfen betreiben die fünf Familienmitglieder alle Sportarten, die mit dem nassen Element verbunden sind – letzteres wegen der notwendigen Windstärken allerdings dann doch lieber am Meer und nicht am Lago Rapel.

Auf den nächsten Familienurlaub müssen alle noch ein wenig warten. Denn nicht nur die durch den Coronavirus bedingten Reisebeschränkungen halten ein Familientreffen auf. Die beiden älteren Töchter stecken außerdem bis über beide Ohren in ihrem Studium. Während die Älteste, Karen, gerade an ihrer Abschlussarbeit ihres Studiums der Wirtschaftswissenschaften feilt, muss die mittlere Tochter Marion noch fertig studieren. Nur Nicole, die Jüngste, ist noch zuhause bei den Eltern in Lima, macht gerade das Abitur an der Deutschen Schule und plant danach Psychologie zu studieren.

In ihrer temporären Heimat Peru ist die Familie schon gemeinsam umhergereist: «Wir waren schon im Dschungel und im Altiplano. Außerdem ist der Pazifik ganz nah und wir sind ja alle große Wasserfans», sagt Andrea. Bleibt zu hoffen, dass die Familie bald wieder gemeinsam im nassen Element sporteln kann.

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