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viernes, 25. septiembre 2020
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Wie das Huemul überleben kann

«Kein Stress durch den Menschen»

Von Silvia Kählert

Diese in Halbfreiheit lebenden Südandenhirsche in der Reserva Huilo Huilo werden in einem Gehege auf das Auswildern vorbereitet.

Viele Bedingungen braucht dieses vom Aussterben bedrohte Tier, um selbstständig überleben zu können. Daher erklärte mir Parkaufseher Eduardo Arias bei meinem Besuch im Februar in Huilo Huilo immer noch selber erstaunt: «Die Geburt eines Huemuls in der freien Wildbahn ist ein unglaublicher Erfolg!»

Dieses Tier ist ein ganz wichtiges Symbol für die chilenische Identität: Der Südandenhirsch ist neben dem Andenkondor Teil des Staatswappens. Sicherlich auch eine Motivation für die Stiftung Huilo Huilo, dass sie dieses Projekt vor fünfzehn Jahren startete. Seit fünf Jahren ist Eduardo Arias, der selber aus dieser Region stammt, dabei.

Zutraulich und neugierig

Es sind unter anderem zwei wichtige Voraussetzungen, die laut Eduardo für das Gelingen gesorgt haben: «Erstens natürliche Wasserquellen und zweitens kein Stress durch den Menschen.» Die Südandenhirsche sind nämlich recht zutrauliche und neugierige Tiere.

Ich erlebe es selber. Eduardo fährt im Jeep auf einem schmalen Weg durch den Valdivianischen Regenwald. Zwei Mal stoppt das Auto vor einem Gatter, das geöffnet werden muss, ehe wir bei dem Gehege mit 70 Hektar ankommen. Die Gatter sind wichtig, damit wirklich nur die Parkwächter Zugang zu dem Gebiet haben. Beim Rundgang um das Gelände treffen wir, erst kurz bevor wir es schon aufgeben wollen, auf die Gruppe von sechs Huemules.

Sie sind gerade am Fressen und schauen uns mit großen Augen an, ohne dass sie versuchen zu flüchten. Sie spitzen ihre langen Lauscher aufmerksam. Im Gegensatz zu europäischem Hirschwild sind die etwa 90 Zentimeter bis zur Schulter hohen Andenhirsche nicht scheu. «Auch darum sind sie gefährdet», stellt Eduardo fest. Einer ihrer großen Feinde sind die Wilderer, die Jagd auf sie machen.

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Eine weitere Ursache für ihr Aus-sterben sind Bakterien, die vorwiegend von frei lebenden Hunden eingeschleppt werden. An ihren Pfoten befinden sich für den Huemul gefährliche und Krankheiten verursachende Bakterien. Natürliche Feinde des Huemuls sind der Puma und der Andenschakal, wobei die Schakale vor allem den Jungtieren gefährlich werden. Die meisten Jungen kommen im November und Dezember zur Welt. Die Kitze sind ungepunktet und liegen in einem Versteck, während die Mutter nach Futter sucht. Als Laubfresser und Wiederkäuer benötigt der Huemul vor allem Knospen, Zweige und andere holzige Pflanzen als Nahrung. Grundsätzlich trifft man in der freien Wildbahn auch oft einzelne Männchen. Meistens sammelt aber ein männliches Tier etwa drei oder vier Weibchen um sich, die es gegen andere Männchen aggressiv verteidigt.

Informationen per GPS sammeln

Um noch besser auf die Bedürfnisse der Tiere eingehen zu können, erhalten sie in der freien Wildbahn von den Park-
wächtern des Reservats Halsbänder, die Signale abgeben und mit Hilfe von GPS helfen, mehr über ihre Aufenthaltsorte zu erfahren. Diese Informationen tragen die Parkwächter zusammen und werden dann ausgewertet. Eduardo Arias plant mit anderen Parkwächtern von chilenischen Nationalparks eine Vereinigung zu bilden: «Man kann sich dann besser ausbilden und gegenseitig von den Erfahrungen der anderen profitieren.»

Ein Vorteil der 100.000 Hektar großen Reserva Biológica Huilo Huilo sei auch ihre Lage, die den Huemules zugute käme, wie der Parkaufseher ausführt. Das Gebiet bildet einen Korridor zwischen dem Lanín National Park in Argentinien und dem chilenischen Nationalpark Mocho-Choshuenco. So entstehe ein noch größerer möglicher Lebensraum für den Huemul.

Die Schüler der Schule von Neltume über die Flora und Fauna zu informieren, sei ein weiterer Schritt, um künftig das Überleben des Süd-andenhirschs zu gewährleisten, sagt Eduardo. Je besser die Kinder informiert sind, umso eher sind sie auch bereit, sich für den Schutz der Tiere einzusetzen.

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