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viernes, 25. septiembre 2020
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Vor 500 Jahren ergeht Bannbulle an Martin Luther

Wie Professor Johannes Eck die Reformation provozierte

Farblithografie (1918) nach einer Zeichnung von Max Seliger: «Martin Luther: Disputation in der Pleissenburg zu Leipzig» 1519

Von Silvia Kählert

Im Jahr 1520 spitzte sich die Sache der Reformation zu und nahm eine entscheidende Wendung: Papst Leo X. verabschiedete die Bannandrohungsbulle am 15. Juni 1520 gegen Martin Luther, der diese im Dezember öffentlich verbrannte. Bei diesen Ereignissen spielte der Theologe und Luther-Gegner Johannes Eck eine treibende Rolle.

Eigentlich hatten die Männer vieles gemeinsam: Martin Luther und Johannes Eck waren Theologen und Universitätsprofessoren und hatten hochstehende politische Unterstützer. Beide waren Stadt- beziehungsweise Universitätsprediger auf der Kanzel, und konnten Argumente überzeugend formulieren und ihre jeweilige Position rhetorisch geschickt verteidigen. Sowohl der Wittenberger als auch der Ingolstädter übersetzten die Bibel ins Deutsche, wurden zu Reformern und nahmen zu theologischen, aber auch zu weltlichen Themen Stellung. Sogar was ihre antisemitische Einstellung angeht, waren sie sich einig, aber auch in ihrer Kritik am Ablasshandel. Beide schrieben gegen den Schweizer Reformator Huldrych Zwingli (1484–1531) und wandten sich gegen die Täufer.

Streit gipfelt in Leipziger Disputation

Johannes Eck hieß ursprünglich Johannes Mayer, wurde aber nach seinem schwäbischen Geburtsort Egg an der Günz benannt. Er erblickte 1486 das Licht der Welt und starb 1543 in Ingolstadt. Weltberühmt wurde der katholische Theologe als Gegenespieler Martin Luthers.

Tatsächlich standen er und Luther zunächst sogar in freundschaftlichem Briefwechsel miteinander. Doch nachdem Luther am
31. Oktober 1517 seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen hatte, kam es zum Bruch. Eck verfasste zu den Thesen Anmerkungen für den Bischof von Eichstätt. Diese gelangten an die Öffentlichkeit, Luther erfuhr davon und antwortete mit eigenen Ausführungen. Der Streit zwischen den Theologen brach offen aus. Es folgte die Leipziger Disputation, ein öffentliches Streitgespräch im Sommer 1519 über die Themen der Gnade Gottes, die Stellung des Papstes und die Rolle der Konzilien.

Luther argumentierte, dass gemäß Paulus Christus das Fundament der Kirche ist, daher könne es nicht Petrus sein. Daher legte Luther die Bibelstelle so aus, dass nicht Petrus, sondern der Glaube an Christus der Fels sei. Damit relativierte Luther nicht nur die Autorität des Papstes, sondern auch der Konzilien. Eck brachte Luther dazu, sein reformatorisches Kirchenverständnis klar zu artikulieren.

Der Theologe war überzeugt, dass Luthers Lehren die Einheit der Kirche gefährdeten. Daher reiste er nach Rom und wirkte an der Bannandrohungsbulle mit. Leipzig und der Bann verfehlten allerdings langfristig ihr Ziel. Erst durch die ständigen Angriffe sah sich Luther gezwungen, seine religiösen Ansichten auf den Punkt zu bringen und begann intensiv über sein Verhältnis zur Papstkirche nachzudenken. Der Thesenanschlag allein hätte in Rom kaum so viel Aufsehen erregt.

In einem Brief an den Papst hatte Eck seine Kritik an Luther zusammengefasst:
«Aus Entrüstung über die Unverfrorenheit dieses Menschen habe ich auf seine Possen geantwortet und beweise aus der Heiligen Schrift, den heiligen Konzilien und den Lehren der Kirchenväter, dass die Lehre unbesiegbar ist, der zufolge Petrus der Stellvertreter Christi auf Erden und der universalen Kirche gewesen ist, dessen Sitz auf Erden und dessen Glauben Eure Heiligkeit bewahrt als Vorsteher des christlichen Erdkreises.»

«Ich kann und will nichts widerrufen»

Luther währenddessen arbeitete in den Jahren 1520 und 1521 an den drei großen reformatorischen Schriften «An den christlichen Adel deutscher Nation», «Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche» und «Von der Freiheit eines Christenmenschen» und trennte sich innerlich nun völlig von Rom.

Im Jahre 1520 reiste Eck zum ersten von drei Malen nach Rom, um Papst Leo X. auf die Gefahr, die nach seiner Auffassung von Luther für die Einheit des Glaubens ausging, aufmerksam zu machen. 1520 wurde auch wieder der Ketzerprozeß gegen Luther aufgenommen, der am 15. Juni im gleichen Jahr zur Bannandrohung führte, mit der Luther ultimativ aufgefordert wird, seine Lehren zu widerrufen. Diese beginnt mit den Worten: «Exsurge, Domine, et judica causam tuam … Erhebe dich, Herr, und richte deine Sache! Ein Wildschwein trachtet danach, deinen Weinberg zu zerwühlen, und ein wildes Tier frisst ihn ab.» Mit dem Wildschwein war natürlich kein anderer als Luther gemeint.

Die Bulle «Exsurge Domine», die 41 Sätze des Reformators als ketzerisch verdammte, ordnete die Verbrennung seiner Schriften an und drohte mit dem Bann, falls der rebellische Theologe nicht innerhalb von 60 Tagen widerrufen würde. Zurück in Deutschland, veröffentlichte Eck die päpstliche Bannandrohungsbulle

Am 10. Dezember 1520, nach Ablauf der Widerrufsfrist, verbrannte Luther sein Exemplar der Bulle öffentlich. Der Vatikan antwortete mit der endgültigen Exkommunikation durch die Bannbulle Decet Romanum Pontificem vom
3. Januar 1521.

Kaiser Karl V. jedoch sieht sich durch die lutherfreundliche Stimmung im Land und durch den Einfluß einiger Fürsten, die wiederum hofften, durch Luther den Einfluß des Papstes auf die Reichspolitik zu schwächen, gezwungen, Luther anzuhören. So wird er auf den Reichstag nach Worms geladen. In seiner berühmten Rede vom 18. April 1521 betonte er dort, dass er nur dann widerrufen werde, wenn er durch die Bibel widerlegt werde. Außerdem unterstrich er: «Ich kann und will nichts widerrufen, weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist.» Er endet mit den berühmten Worten: «Hier stehe ich. Gott helfe mir. Amen.» Daraufhin verhängt Kaiser Karl V. im Wormser Edikt die Reichsacht über ihn und verbietet die Verbreitung seiner Schriften.

Luthers Kurfürst Friedrich der Weise ließ Luther auf seiner Rückreise von Worms überfallen, um ihn auf der Wartburg in Sicherheit zu bringen.

Gegenreformation und ökumenischer Meilenstein

Der evangelische Glauben breitete sich schnell in vielen Ländern aus. Schließlich wurde vor 475 Jahren das Konzil von Trient einberufen – nun sollten die längst fälligen Reformen beschlossen werden. 18 Jahre, von 1545 bis 1563, tagten die Bischöfe. Auch hier wurde aus den Schriften Ecks zitiert, dem es darum ging, die Einheit der Kirche zu bewahren. Doch die Kirchenspaltung konnte auch das Konzil nicht überwinden.

1999 schließlich wurde der jahrhundertelange theologische Streit in einem wichtige Punkt zwischen den christlichen Kirchen beendet und man sprach von einem ökumenischen Meilenstein. In der für die reformatorische Bewegung wesentlichen Grundfrage um Gottes Gnade, konnte eine Übereinstimmung gefunden werden. In Augsburg unterzeichneten der Lutherische Weltbund und die Katholische Kirche die «Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre», in der es unter anderem heißt: «Allein aus Gnade im Glauben an die Heilstatt Christi, nicht auf Grund unseres Verdienstes werden wir von Gott angenommen und empfangen den Heiligen Geist, der unsere Herzen erneuert und befähigt und aufruft zu guten Werken.» Die Kirchen hoben mit der Unterzeichnung der damaligen Schrift ihre gegenseitigen Lehrverurteilungen aus der Reformationszeit auf.

Franz Xaver Bischof und Harry
Oelke: Luther und Eck – Opponenten der Reformationsgeschichte im Vergleich, München 2017, Allitera Verlag.

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