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viernes, 25. septiembre 2020
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Irene Doggenweiler – Musiklehrerin

Ob Musical oder Chor – Pädagogin begeistert Sänger und Publikum

Irene Doggenweiler erhielt am 27. Oktober 2019 vom Deutsch-Chilenischen Bund die Arturo-Junge-Medaille für ihre Verdienste in Kunst und Kultur sowie ihre vielen Konzerte seit Jahrzehnten in Chile. Auch heute noch bereichert sie als Lehrerin und als Chorleiterin des Ex-Alumni-Chors der Deutschen Schule viele Menschen durch ihr Engagement für die Musik.

Von Silvia Kählert

Eigentlich wurde Irene Doggenweiler als Musiklehrerin 2018 pensioniert und eigentlich hat sie bereits fünf erwachsene Kinder: Doch weder in ihrem Beruf noch was das Familienleben – mit mittlerweile fünf Enkeln – und vor allem, was ihre besonders große Leidenschaft angeht, die Leitung von Chören, hat sie sich zur Ruhe gesetzt. Selbst in der Coronakrise muss sie in ihrem Terminkalender nach einer freien Stunde schauen. Unermüdlich probt sie jeden Donnerstag mit den Mitgliedern des Ex-Alumni-Chors der Deutschen Schule Santiago trotz Quarantäne online weiter und erklärt: «Es gibt auch schon Pläne für Musikaufnahmen und ein Konzert nach der Krise.»

Die Liebe zur Musik entstand ganz selbstverständlich, da sie in einer musikalischen Familie aufgewachsen ist: «Vor allem haben meine Eltern mit meinen beiden Brüdern, meinen beiden Schwestern und mir immer viel gesungen.» Einer von Irene Doggenweilers Brüdern studierte Querflöte und ist Leiter des Jugendorchesters Ordeon bei München geworden, das schon viele Preise erhalten hat. Regelmäßig trifft sie ihre Enkel: «Dann singe ich mit ihnen auch einige deutsche Lieder.»

Obwohl ihre Familie deutschstämmig ist, haben ihr ihre Eltern im Gegensatz zur Musik nicht die deutsche Sprache weitergegeben. Erst durch einen Aufenthalt wegen der Arbeit ihres Vaters als Elektroingenieur der Firma Endesa in Frankfurt am Main, als sie zwischen zwei und sechs Jahre alt war, lernte sie die Sprache ihrer Vorfahren und besuchte bei ihrer Rückkehr nach Santiago die Deutsche Schule. «Dort habe ich erst einmal im Chor bei der Musiklehrerin Ahlke Scheffelt und dann im Chor von Arno Freiwald mitgesungen: Ich habe es von Anfang an geliebt, gemeinsam mit anderen zu singen.»

Nicht unbedingt selbstverständlich in ihrer Generation war, dass sie nach der Schule viele Jahre studieren konnte – auch ihre Mutter hatte Chemie studiert. Zunächst hatte sie sogar daran gedacht, Erzieherin im Kindergarten zu werden, weil sie einfach gerne mit Kindern arbeitet. Doch schließlich machte sie ihre Licenciatura an der Universidad de Chile als Musiklehrerin. Da sie feststellte, dass sie das meiste des Erlernten eigentlich schon wusste, beschloss sie ein weiteres Musikstudium dranzuhängen, das sie schließlich dazu befähigte selber Musiklehrer auszubilden.

An der Universidad Católica arbeitete sie daraufhin als Dozentin und parallel dazu als Lehrerin an der Deutschen Schule. Ab 1984 engagierte sie die Ursulinenschule. Im gleichen Jahr wurden ihre Zwillinge geboren, vier Jahre später ihre Tochter und das Nesthäkchen der Familie 1995. «Ich habe aber immer viel gearbeitet», stellt sie fest. Nicht nur das: Mit viel Enthusiasmus leitete sie den Chor der Enseñanza Media auf der Ursulinenschule. Die jungen Sänger erreichten ein so hohes Niveau, dass der Chor beim Wettbewerb «Gran Concurso Coral de Santiago» im Jahr 1986 mit ihrer Chorleiterin den ersten Preis erhielt.

Im Jahre 1988 wurde sie an der Schule Santa Catalina de Siena als Musiklehrerin und Fachleiterin angestellt und stellte alle zwei Jahre mit den Schülern ein Musical auf die Beine. 1998 begann sie wieder bei der Deutschen Schule Santiago mit den jüngeren Schülern in Vitacura zu arbeiten und sieben Jahre später mit einer ganzen Stelle als Musiklehrerin und Chorleiterin. Ihre Pensionierung 2018 dauerte nicht lange: «Ich wurde 2019 gefragt, ob ich wieder die fünfte und sechste Klasse übernehmen wolle. Da habe ich gerne zugesagt, begann gleich im zweiten Semester das Musical Queen einzuüben, das dann auch letztes Jahr aufgeführt wurde.» Heutzutage arbeitet sie an der Deutschen Schule Chicureo als Musiklehrerin und leitet die Chöre der ersten bis vierten Klasse.

Im Gegensatz zu vielen Chören in Deutschland, hat Irene Doggenweiler kein Problem, Nachwuchs zu finden: «Es sind jetzt 40 Personen zwischen rund 30 und 60 Jahren beim Ex-Alumni-Chor. Wir haben eine gute Anzahl von allen Stimmlagen, vor allem sechs Bässe und acht Tenöre, denn Männer sind rar im Chor.»

Das große Chorprojekt Acchal (Agrupación de coros chileno-alemán) hat sie mit anderen Chorleitern und Marion Schmidt-Hebbel, die den Chor Divertimento leitet, 2016 initiiert. Mit der Musiklehrerin verbindet sie eine lebenslange enge Freundschaft. Bei Acchal beteiligen sich auch der Thomas Morus Chor unter Leitung von Jorge Pérez, der Dietrich Bonhöffer und der Frohsinn Chor unter Italo Riffo und der Singkreis Arturo Junge unter Hernán Cuevas. «Das Schöne ist, dass wir es gemeinsam schaffen, auch Teile einiger symphonische Werke aufzuführen, so wie beim letzten Weihnachtskonzert im Club Manquehue, als wir mit dem Orquesta Neoclásica Juvenil aus Puente Alto und drei Chören aus der Schöpfung von Haydn gesungen haben», erklärt Irene Doggenweiler. Nun hofft sie, dass auch trotz Coronakrise das geplante Konzert der Acchal im November stattfinden kann.

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