29.2 C
Santiago
3.9 C
Berlin
sábado, 28. noviembre 2020
Inicio Kultur Blu-Ray-Report Verdis «Otello» am Covent-Garden-Opernhaus

Verdis «Otello» am Covent-Garden-Opernhaus

Von Walter Krumbach

Der Mitschnitt einer Aufführung der Londoner Covent-Garden-Oper dokumentiert Jonas Kaufmanns Debüt in Verdis schwerster Tenorrolle. Das Wunder Kaufmann, der im letzten Jahrzehnt von den lyrischen Mozartfiguren bis zu den gewichtigen Wagnerhelden ein unüblich großes Repertoire aufgebaut hat, zieht hier alle Register seiner gottbegnadeten Stimme, vom heroischen «Esultate!»-Ruf zu Beginn der Oper, über die lyrischen Passagen des Liebesduetts, das das erste Bild schließt, bis zu den hochdramatischen, extrem fordernden Gefühlsentladungen seiner hemmungslosen Eifersuchtsanfälle. Othellos Widersacher Marco Vratogna (Iago) und Maria Agresta (Desdemona) sind zwar keine Offenbarungen, aber dafür darstellerisch durchaus kompetent, besonders Vratogna, der der wohl bösesten Schöpfung der Weltliteratur Leben einhauchen muss.

Antonio Pappano hat mit dem Orchester des Royal Opera House die Partitur bis auf die subtilsten Feinheiten akkurat ausgearbeitet. Sein Verdiklang ist traumhaft echt und bei den wiederholten Ausbrüchen Othellos fliegen auch im Orchestergraben die Fetzen.

Bühnenbild und Beleuchtung zeigen wenig Farbe, aber umso mehr Kontrast, ganz im Sinne der Tragödie, die sich unausweichlich entfesselt.

Das Fernsehbild lässt keine Wünsche offen, so auch Jonathan Haswells Bildregie, die dem wechselvollen Geschehen ebenso behände folgt. DieTonqualität ist nicht umwerfend (zu wenig Raumklang), aber zumindest haben die Stimmen der Solisten Präsenz.

Die Platte wartet zusätzlich mit zwei Dokumentationen auf: «The characters in Shakespeares Othello» zeigt Dirigent, Regisseur und Sänger bei der Probenarbeit und wie sie Werk und Figuren besprechen. In «Verdis music for Otello» ergründen Kaufmann und Pappano am Flügel Verdis Musiksprache. Leider wurden beide Extras auf insgesamt weniger als zehn Minuten zusammengeschnitten. Selbstverständlich ist das für die Themenausarbeitung und das Niveau der Mitwirkenden eindeutig zu karg. Eigentlich schade um die hervorragenden Teilnehmer, die zur Verfügung standen.

Das beigefügte Heft enthält einige gute Szenenfotos, eine Inhaltsangabe der Oper und den Aufsatz «The devil’s tunes» von Warwick Thompson, beide Texte nur auf Englisch.

«Otello»
Oper von Giuseppe Verdi, Vereintes Königreich 2017.

Regie: Jonathan Haswell. Musikalische Leitung: Antonio Pappano.
Mit Jonas Kaufmann (Othello), Marco Vratogna (Iago), Maria Agresta (Desdemona) u. a.

Spieldauer: 148 Minuten.

Bild *****
Ton ****
Darbietung ****
Extras ***

- Werbung -

Mehr Lesen

Hybridmodell mit Online- und Präsenzunterricht

Sankt Thomas Morus Schule startet Pilotphase Von Silvia Kählert Vom 11....

Porträt: Javier Bielefeldt – DCB-Vorstandsmitglied

Man muss nicht nur wollen, sondern auch tun Von Walter Krumbach Javier Bielefeldt

Zum 1000. Geburtstag von Papst Gregor VII.

Zwischen Universalanspruch und Kirchenreform Von Peter Downes Heinrich IV. kniet vor Gregor VII in Canossa...

Blu-Ray-Report: «Der Patriot» von Roland Emmerich

Von Walter Krumbach Der deutsche Filmregisseur Roland Emmerich war bereits als Student der Hochschule...

Neueste Kommentare