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sábado, 26. septiembre 2020
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«Die Heimat mit anderen Augen sehen»

Die Autorin (ganz rechts mit Hut) beim Überqueren des Flusses Achibueno mit ihren Cousins bei einem der Ausflüge, die sie auch schon in ihrer Kindheit unternahm

Von Silvia Kählert

«Ich liebe die Maule-Region», erklärt die Autorin María Inés de la Fuente. Sie stammt aus Linares und ihre vielen schönen Kindheitserinnerungen animierten sie zum Schreiben dieses Romans «En otro lugar del tiempo» (In einem anderen Ort der Zeit). Auch die 25 in Köln verbrachten Jahre haben ihren Blick auf die Heimat geprägt.

Begegnung mit Viehtreibern: Im Sommer bringen sie ihre Tiere zum Weiden auf die Kordilleren, wo sie drei Monate bleiben.

«Meine dreimonatigen Sommerferien verbrachten ich und meine Cousins als Kinder immer bei meinem Großvater auf seinem großen Landsitz, dem Campo», erzählt María Inés de la Fuente. «Wir sind einfach ohne Aufsicht, wie wir Lust hatten, durch die Berge und Wälder geritten, haben in den Flüssen geschwommen. Ich kenne diese wilden, rauhen Land-
schaften und auch die Menschen sehr gut.» Gleichzeitig hätten in dieser Zeit manche Gutsbesitzer wie Feudalherren über ihre Arbeiter geherrscht, die keine Rechte hatten. Erst die Agrarreform habe dies geändert. Genau diese gesellschaftliche Situation wollte sie auch in ihrem Buch darstellen, das im Jahr 1960 nach dem Erdbeben beginnt.

Wichtig für ihr Leben sei aber auch ihre «Omi» gewesen, die Mutter ihrer Mutter. Ihr Vater und ihre Mutter waren als Deutsche noch von Vicente Pérez Rosales angeworben worden. «Die blonde 15-Jährige verliebte sich in meinen draufgängerischen Großvater auf dem Stadtplatz von Concepción – und mein Großvater ist dann einfach mit ihr auf und davon.» Trotzdem sei es eine glückliche Ehe geworden.

Sie selber schließlich beschloss mit 25 Jahren Europa kennenzulernen. Besonders in Erinnerung ist ihr die vierwöchige Reise ganz allein auf dem Schiff von Neapel nach Valparaíso geblieben. Wieder in Chile lernte sie ihren deutschen Mann kennen und ging zwei Jahren danach mit ihm nach Deutschland.

Genauso wie ihre Hauptfigur, der junge Rodrigo Encina, der in Frankreich Weinanbau studiert hatte, sei es ihr ergangen, als sie nach 25 Jahren in ihre Heimat zurückkehrte. «Wenn man einmal eine andere Kultur und Gesellschaft kenngelernt hat, dann sieht man die Welt und vor allem auch seine Heimat mit anderen Augen», erklärt María Ínes de la Fuente. Auch dass die Geschichte nach dem schweren Erdbeben beginnt, geschah nicht ohne Grund: Etwas Altes war zerstört worden und viele Chilenen zu einem Neubeginn gezwungen.

Vielleicht gelang es der Schriftstellerin deshalb mit einem liebevollen, aber auch mit einem detailgenauen Blick ihre Heimat, die Maule-Region, die Bewohner dieser südchilenischen Gegend und ihre Geschichten auf solch eine anschauliche Art zu beschreiben, dass man den Roman, wenn man ihn einmal angefangen hat, nicht mehr aus der Hand legen möchte. Ihre eigenen Romanfiguren waren ihr so ans Herz gewachsen, dass auch der zweite Teil, der genau 30 Jahre später spielt, fast beendet ist. Ihre Fans können sich also bald auf ein zweites spannendes Leseerlebnis freuen.

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