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sábado, 31. octubre 2020
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Patricia Rodríguez Seeger – Pianistin und Organistin

Mit Bach und den Beatles per du

Sie liebt beide Instrumente, Orgel und Klavier, in ihrer Eigenart genau gleich. Ihr liegen sowohl Kammerwerke als auch Kirchenmusik, und zur Entspannung hört sie Jazz und Pop.

Von Walter Krumbach

Die meisten Kirchgänger der Erlösergemeinde begrüßen die Organistin, wenn sie sonntags zwischen den Andachten von der Empore herabsteigt und sich im Vorhof bei Kaffee und Keksen mit Bekannten ein Plauderstündchen gönnt. Dann, kurz vor zwölf, bevor vom Turm der spanischsprachige Gottesdienst eingeläutet wird, huscht Patricia Rodríguez die Treppen hoch, um sofort nach dem letzten Glockenschlag in die Tasten zu greifen. Ihr besinnliches Spiel lässt aufhorchen – nach dem Schlussakkord des Präludiums hat jeder sich gesammelt, um an dem teilzuhaben, was nun kommen soll. In der Kirche betreut sie nicht nur die Gottesdienste. Als Ítalo Riffo den Dietrich-Bonhoeffer-Chor gründete, bat er Patricia Rodríguez, mitzuwirken. Seitdem begleitet sie das Vokalensemble am Flügel beziehungsweise an der Orgel.

Am Klavier saß Patricia bereits seit ihrem siebten Lebensjahr, als ihre Mutter, die Pianistin Gertrud Seeger, dafür sorgte, dass sie eine gute musikalische Ausbildung erhielt. Die Musikpraxis am Instrument machte ihr großen Spaß und außerdem konnte sie so manchen Erfolg verbuchen. Als sich der Schulabschluss und damit der Berufsentscheid näherte, wusste Patricia, dass sie «etwas mit Musik» studieren würde. Sie wollte Toningenieurin werden und nahm dazu sogar an der Aufnahmeprüfung an der Universidad de Chile teil. Luis Merino, Dekan der Kunstfakultät, meinte jedoch, dass sie nach zehn Jahren Klavierstudium an der Escuela Moderna de Música das Erlernte nicht aus dem Fenster werfen solle. Das klang einleuchtend. Patricia ließ sich überzeugen und bildete sich als Klavierinterpretin weiter.

Nach ihrem erfolgreichen Schlussexamen nahm sie ein Stipendium des DAAD wahr. Drei Jahre studierte sie in Hannover und die darauffolgenden sechs Monate arbeitete sie an einer Musikschule und unternahm einige Reisen, um Land und Leute besser kennenzulernen.

Patricia Rodríguez hatte das Glück, verschiedene bedeutende Professoren zu haben. Besonders dankbar zeigt sie sich heute Elisa Alsina gegenüber, die sie während der Abschlussprüfung begleitete: «Sie war sehr klar in ihren Anweisungen und hat es verstanden, immer das Beste aus mir herauszuholen.» Die erste Lehrerin der Siebenjährigen war Silvia Peña Hen, an die sie heute ebenfalls gerne zurückdenkt, weil sie mit Anfängern besonders gut umgehen konnte. Genauso schätzte sie den Unterricht von Kurt Bauer in Hannover, der sie für zwei Abschlüsse an der dortigen Musikhochschule vorbereitet hat, als Diplom-Musikerin (Pianistin) und als Klavier-Kammermusikerin.

Nach ihrer Rückkehr nach Chile arbeitete Patricia Rodríguez als Korrepetitorin. Sie probte mit Opernsängern, die von der Gesangspädagogin und Sängerin Clara Oyuela unterrichtet wurden. Diese Künstlerpersönlichkeit, die in Buenos Aires unter Größen wie Erich Kleiber und Fritz Busch gesungen hatte sowie mehrere Generationen chilenischer Sänger betreute, hinterließ durch ihr Können bei der jungen Pianistin einen dauerhaften tiefen Eindruck. Fortan entwickelte sich Patricias beruflicher Werdegang auf zwei parallel laufenden Gleisen: Sie konzertierte und unterrichtete. Als ausführende Künstlerin spielt sie am liebsten Kammermusik und begleitet Chöre.

Zur Orgel kam sie über die Kirchengemeinde, der sie bereits als Kind angehörte. Eines guten Tages Anfang der 1990er Jahre, Patricia war bereits berufstätig, kam ein Ruf von Carla Schwarzhaupt aus der Lota-Kirche, dass ein Organist vertretungsweise benötigt werde. Patricia sprang für den Titularorganisten Helmuth Arias ein, dessen Gesundheit angeschlagen war. Kurz darauf wurde sie für die musikalische Betreuung der Pauluskirche fest angestellt. Nach Helmuth Arias’ Tod bestellte die Erlöserkirche Patricia Rodríguez zum regelmäßigen Dienst. «Es wird Zeit, mehr über die Orgel zu lernen,» meinte die Pianistin und wandte sich an den Komponisten und Professor für Orgelspiel an der Universidad de Chile Miguel Letelier, der sie fortan in verschiedenen Bereichen, wie etwa der Pedaltechnik, unterwies.

Die Orgel «ist die Mutter des Klaviers», sagt Patricia, und damit meint sie, dass die Königin der Instrumente (wie sie Wolfgang Mozart in einem Brief an seinen Vater nannte) lange vor dem Klavier sowie auch dem Cembalo existierte. «Ich mag beide Instrumente sehr,» stellt Patricia klar. «Das Klavier ist sehr vielseitig, die Orgel dagegen hat einen großen Reichtum an Registern, was das Klavier nicht hat. Andererseits hat das Klavier die Möglichkeit vom ,touch’, nämlich vom laut-leise anschlagen.» Ein Lieblingsinstrument hat sie nicht, «es kommt darauf an, was man spielt, je nach Stil mag ich das eine oder das andere».

In ihrer Freizeit schaltet Patricia ab. Sie hört bezeichnenderweise keine Klassik, sondern Musik, «die mich von meiner Arbeit ablenkt, wie Pop oder Jazz». Auch tanzt sie gerne, was sie an ihre jüngste Tochter vererbt hat: Delfina arbeitet heute als Profi-Tänzerin am Teatro Municipal.

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