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sábado, 28. noviembre 2020
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Zum 500. Todestag

Raffael – das junge Malergenie am Hofe der Päpste

Raffaels Fresko «Die Schule von Athen» (1510/1511) verherrlicht ganz im Sinne der Renaissance das antike Denken als Ursprung der europäischen Kultur und Philosophie

Von Peter Downes

Mit Leonardo da Vinci (1452 bis 1519) und Michelangelo (1475 bis 1564) bildete Raffael eine Art Dreigestirn der Renaissance. In dieser Epoche der «Wiedergeburt» entdeckten die Menschen Werke und Wissen der Antike neu.

Auf dem Höhepunkt seines Schaffens 1520 verstarb Raffael mit nur 37 Jahren. Der hochbegabte Maler ist am selben Tag wie sein Todestag geboren, nämlich an einem Karfreitag, am 6. April 1483 in Urbino. So schreibt es Giorgio Vasari (1511 bis 1574) in seiner Biographie über Raffael. Seine Mutter Magia Ciarla stammte aus einer wohlhabenden Händlerfamilie und sein Vater Giovanni Santi war seit den 1480er Jahren Hofmaler im Dienste des Fürstenpaares Guidobaldo da Montefeltro und Elisabetta Gonzaga in Urbino. Er übernahm jedoch auch für andere Adlige Malaufträge.

Erbe einer Malerwerkstatt

Bewunderer nannten ihn «Il divino» (Göttliche) – auch schon zu Lebzeiten galt Raffael als einer der bedeutendsten Künstler.

Als 1491 Raffaels Mutter und 1494 sein Vater starben, war er mit nur elf Jahren zum Vollwaisen geworden und Erbe der Malerwerksatt seines Vaters. Die Leitung der Werkstatt übernahm, wohl in seinem Namen, der Mitarbeiter seines Vaters, Evangelista di Pian di Meleto. Raffael hatte sicherlich schon bei seinem Vater Malerei gelernt und hatte nun zumindest die vom Vater hinterlassenen Gemälde und Skizzen zur Verfügung.

Erstmals erfahren wir dann von einer Bestellung eines Altarbildes («San Nicola da Tolentino») vom 10. Dezember 1500 für die Cappella Baronci in der Kirche Sant’Agostino im etwa 70 Kilometer entfernten Città di Castello. Der Auftrag war für Raffael und Evangelista di Pian di Meleto ausgestellt, somit hatte der 17-Jährige einen wichtigen Auftrag für die Santi-Werkstatt erhalten. Im September des folgenden Jahres konnte das Werk ausgeliefert werden, wurde aber 1789 bei einem Erdbeben beschädigt, so dass heute nur noch Fragmente davon in den Museen von Neapel, Brescia und Paris erhalten sind.

Schon wenige Jahre später erhielten sie einen neuen Auftrag in derselben Stadt, ein Altarbild zur «Kreuzigung» (1503, heute in der Londoner National Gallery). Dieses Werk offenbarte das große Talent des jungen Malers und bringt seine stilistische Weiterentwicklung zum Ausdruck. Es orientiert sich an der Kunst des damals bedeutendsten Meisters Pietro Vanucci (1450 bis 1523), bekannter unter seinem Künstlernamen Perugino. In seiner Künstlerbiographie zu Raffael bemerkt Vasari zur «Kreuzigung»: «… verließ Raffael Perugia und begab sich mit einigen seiner Freunde nach Cittá di Castello. Dort malte er in jenem Stil (des Pietro Perugino) … eine Kreuzigung für die Kirche San Domenico, die niemand für ein Werk Raffaels halten würde, wenn nicht sein Name darauf geschrieben stünde.» Daraus lässt sich nur schließen, dass Raffael 1501 nach seinem ersten verfertigten Altarbild, Kontakt mit Perugino aufgenommen haben muss und wohl einige Zeit Mitarbeiter in dessen Werkstatt wurde und sich somit in kürzester Zeit dessen Stil aneignete. Raffael sollte diese Fähigkeit, Stile zu adaptieren, noch erfolgreich fortführen, so durch die späteren Kontakte in Florenz mit Leonardo Da Vinci und in Rom mit Michelangelo. Aber stets verstand er es, die Grenzen dieser angeeigneten Stile zu durchbrechen und damit eigene künstlerische Wege einzuschlagen.

Die «Sixtinische Madonna» ist eines von Raffaels berühmtesten Gemälden – bekannt vor allem durch das Motiv der beiden Puttenfiguren unten im Bild.

Vier Jahre lang konnte Raffael in Cittá di Castello für verschiedene Familien Altarbilder erstellen. Er schuf sich damit ein Netzwerk an Mäzenen und war der herausragendste Künstler der Stadt. Er malte in dieser Zeit auch in Perugia für die Kirche San Francesco «Die Krönung Mariä». Mit «Die Vermählung der Maria» (1504) für die Kirche San Francesco in Cittá di Castello gelang ihm ein erstes Meisterwerk, mit dem er sich über seinen Lehrer Perugino erhob. Er war nun ein aufstrebender Maler, ein überaus junges Talent, der nun eine größere Karriere starten wollte.

Lehrjahre in Florenz

Raffael zog es zum Kulturzentrum Italiens, der Stadt der Medici: Florenz. Mit einem Empfehlungsbrief des urbinischen Hofes fand er Aufnahme in dieser blühenden Renaissancestadt. Von 1504 bis 1508 hielt er sich dort auf und nutzte diese Zeit vornehmlich für Studien. Zwischendurch übernahm er aber auch Aufträge in Perugia. In Florenz jedoch konnte er die Meisterwerke der berühmtesten Künstler seiner Zeit studieren, sich deren Techniken aneignen oder versuchen deren Stil zu kopieren und mit eigenen Ideen und Formen zu verknüpfen. Die Werke von Leonardo Da Vinci, Michelangelo, Masaccio und Fra Bartolommeo wirkten inspirierend auf ihn. So konnte Raffael seine künstlerische Entwicklung nochmals steigern.

Er erhielt auch selbst zahlreiche Aufträge von adeligen Florentinern. Hier schätzte man vor allem seine Madonnenbilder. Genannt werden exemplarisch nur zwei: «Die heilige Familie mit dem Lamm» (1504), die «Anna Selbdritt» (1501) von Leonardo Da Vinci stilistisch nachempfunden1, und «Madonna im Grünen» (1506, heute in Wien). Von Fra Bartolommeo übernahm er die Technik, Bewegung in den Bildern auszudrücken. Auch Porträtaufträge nahm er nun an, so etwa von Agnolo Doni und dessen Frau Maddalena Doni Strozzi 1506.

Der Porträtist der Päpste

Raffael hatte sich mittlerweile einen Namen gemacht und so wurde er 1508 vom Papst Julius II. (1503 bis 1513) nach Rom berufen. Es war der Baumeister Bramante, der am Neubau der Basilika von Sankt Peter arbeitete und neben Michelangelo nun auch Raffael für die Arbeiten im Papstpalast und der Ausgestaltung der Sixtinischen Kapelle gewann. Julius II. war ein Förderer der Kunst, sogleich aber auch ein Kriegsfürst: Erasmus von Rotterdam klagte darüber, dass Julius II. mehr einen Helm statt Mitra trug und eher ein Schwert als ein Kreuz in der Hand hielt. Auf jeden Fall wollte der Papst die bauliche Erneuerung der Ewigen Stadt seiner Vorgänger fortführen und dabei sich selbst in Monumenten und Bilder verewigt sehen. Raffael nahm nun am päpstlichen Hof verschiedene Aufträge an, etwa das Altarbild «Madonna di Foligno» (1512). Vor allem aber wurde er auch damit beauftragt, die päpstlichen Privatgemächer im Apostolischen Palast auszuschmücken, die sogenannten Stanzen. Die Arbeiten in den Stanzen begannen 1509 und zogen sich bis 1517 hin. Hier entstanden zahlreiche berühmte Werke.

Exemplarisch soll hier nur «Die Schule von Athen» (1510) in der «Stanza della Segnatura» besonders herausgestellt werden. Das Wandgemälde stellt verschiedene Gruppen von antiken Philosophen zusammen, wobei einige von ihnen Zeitgenossen von Raffael darstellen, so etwa ist die Figur Platons im Zentrum neben Aristoteles, als Leonardo
Da Vinci gezeichnet. Und im unteren Bereich melancholisch – auf einem Marmorblock gestützt – ist vielleicht Heraklit mit einer Ähnlichkeit Michelangelos. Raffael hat sich auch selbst in einer Gruppe am unteren rechten Rand porträtiert.

Freunde, aber auch Kardinäle, wollten sich nun vom berühmten Maler porträtieren lassen, so wurde der Arbeitsaufwand immer größer. Schließlich ließen auch Papst Julius II. und sein Nachfolger Leo X. von ihm Porträts anfertigen.

Unter Papst Leo X. (1513 bis 1521) stieg Raffael zum Hofkünstler auf. Nicht nur sollte er die Loggien ausmalen, sondern auch Wandteppiche zu Themen der Petrusgeschichte für die Sixtinische Kapelle entwerfen, die dann in Flandern gewoben wurden. Raffael wurde nun zum Nachfolger Bramantes ernannt und somit Bauleiter und Aufseher über die römischen Antiken. Mit seinem plötzlichen Tod endete die brillante Karriere dieses genialen Malers von lediglich 37 Jahren..

Zur Lektüre empfohlen: Jürg Meyer zur Capellen, Raffael, München: Beck, 2010.

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