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viernes, 25. septiembre 2020
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Die ersten Deutschen in Chile (Teil 1)

Bartolomaeus Blumen – tapferer Soldat und Mitgründer Santiagos

Aus der Sammlung «Historische Plaudereien» (1939) von Adolph Wilckens, ehemaliger Konrektor der Deutschen Schule zu Valparaíso, bearbeitet und ergänzt von Dietrich Angerstein

Nach der Eroberung des alten Perus durch Francisco Pizarro und der Plünderung der Schätze des Inca-Reiches, hegten manche der Conquistadores den Glauben, dass es weiter im Süden noch größere Schätze des gierig gesuchten Goldes gäbe. Als erster machte Diego de Almagro den Anfang. Unter großen Beschwerden durchzog er mit 500 Gefährten die Atacama-Wüste, gelang bis an den Aconcagua-Fluss, dann kehrte er um. Gold hatte er nicht gefunden, aber die Hälfte seiner Kumpanen verloren, tausende armer Ureinwohner bestialisch gequält oder als Sklaven verschleppt. Als Bettler zogen er und der Rest seiner Horde nach Cuzco zurück.

Seither galt das dort im Süden gelegene Land, schon Chile genannt, als unbewohnbar und feindlich, das man möglichst meiden sollte.

Pedro de Valdivia – entschlossen, aber mittellos

Im Heere Pizarros aber gab es einen Mann, der durch Bildung und Gesinnung höher stand als die anderen, die einzig und allein Goldgier antrieb in die Ferne zu ziehen: Pedro de Valdivia. Aus dem niederen Adel Spaniens stammend, hatte er bereits in mehreren Kriegszügen des spanischen Königs Mut, Entschlossenheit, aber auch gewissenhafte Umsicht gezeigt. Pedro de Valdivia also gelang es, erst nachdem er dem habsüchtigen Pizarro eine Silbermine überlassen hatte, Almagros verfehltes Unternehmen wieder aufzunehmen. Die Ausrüstung und sonstigen Kosten der aus 1.500 Mann bestehenden Expedition musste er jedoch aus eigenen Mitteln selber bestreiten, und da haperte es.

Im rechten Augenblick half Pedro de Valdivia ein Mann, der als angesehener Geschützmeister unter Pizarro gedient und durch Fleiß und Sparsamkeit als Ackerbauer, Tischler und Kaufmann ein beträchtliches Vermögen erworben hatte: Bartolomaeus Blumen, oder wie er von seinen spanischen Kriegskameraden genannt wurde: Bartolomeo Flores.

Bartolomeo Flores – unerschrocken und ritterlich

Bartolomäus Blumen entstammte einer einfachen Familie in Nürnberg. Jung hatte er die Heimat verlassen, um als Geschützmeister im Heere Carlos V. zu dienen. Während der blutigen Auseinandersetzung zwischen den Anhängern Pizarros und Almagros, also ungefähr zwischen 1535 und 1538 war er nach Peru gekommen. Er galt als tapferer Soldat und war im spanischen Heer wegen seiner Fähigkeit, die Kanonen zu bedienen, hochgeschätzt. Seinen Beuteanteil im Krieg hatte er nicht vergeudet wie die übrigen Conquistadores, sondern hatte Ländereien erworben, Handel getrieben und es in wenigen Jahren zu solchem Reichtum gebracht, dass er Pedro de Valdivia die für damalige Zeiten ungeheure Summe von zwölf Tausend Goldpesos vorstrecken konnte. Er selbst schloss sich mit großem Gesinde dem Zug nach Chile an.

Der erste Deutsche, der Chiles Boden betrat, war also auch zugleich Mitgründer der Stadt Santiago. In den bald darauf ausbrechenden Kriegen mit den Ureinwohnern, den Araukanern, erwarb er sich Ruhm durch Unerschrockenheit und Ruhe im Kampf, aber auch Anerkennung durch sein ritterliches Verhalten gegenüber dem Feind. Durch Fleiß und Sparsamkeit gelang es ihm schon nach fünf Jahren mehrere der besten Grundstücke zu erwerben. Sein Einfluss gründete sich aber nicht allein auf sein Wohlhaben, allgemein galt er als «eifrige und erfahrene Person». Aus einem Dokument geht hervor, dass er zum «Procurador» der Stadt Santiago gewählt wurde, nachdem sein Vorgänger, das erste Stadtoberhaupt, als Aufrührer gehenkt worden war. Dazu muss ergänzend gesagt werden, dass sich unter den Gefolgsleuten des Pedro de Valdivia auch allerlei fragwürdige Elemente und Schurken befanden, die sich einzig und allein mit der Hoffnung auf schnellen Gewinn dem Zug nach Chile angeschlossen hatten. So mancher, dessen Name heute Straßenschilder ziert, hatte sich damals wirklich nicht durch Ruhm hervorgehoben.

Heirat mit Cacique-Tochter Elvira

Der Ehrgeiz des wackeren Blumen ging aber weiter, er strebte danach der reichste Großgrundbesitzer zu werden und so zögerte er nicht, um die Hand der berühmten Cacique Elvira de Talagante anzuhalten. Sie war die einzige Tochter des verstorbenen Cacique Bartolomé de Tala Canta, heute Talagante, der schon von den Incas zum Herr aller Ländereien im Süden Santiagos eingesetzt, auch zum Hoflieferant von Webstoffen der Inca-Fürsten ernannt wor-den war. Pedro de Valdivia hatte ihn in seinen Rechten bestätigt – was eigentlich ganz außergewöhnlich unter den spanischen Conquistadores war – und auch seine Tochter als Erbin der Güter und allen Rechten anerkannt. Bartolomé Flores wurde so Herr und Eigentümer der fruchtbarsten Täler des Landes. Diese und die damit verbundenen Wasserrechte machten ihn zum Herrscher eines Gebietes von der Größe eines Fürstentums.

Tochter Agueda – gebildet und angesehen

Seiner Ehe entsprang eine einzige Tochter, der er den Namen Agueda gab. Es ist anzunehmen, dass dieses im Gedenken an seine Mutter in Nürnberg geschah, die eine geborene Weltzer war und Agathe geheißen hatte.

Zwar wissen wir nicht, ob die Eltern in Nürnberg je wieder von ihrem Sohn gehört haben, ob sie erfahren haben, zu welchen Ehren, zu welchem Ansehen er gelangt war. Allein der Gedanke liegt nahe, dass Bartolomé Flores oft zurück gedacht hat an seine heimatliche Hütte, denn nicht nur, dass er seiner Tochter den Namen seiner Mutter gab, er sorgte auch für eine gute Erziehung. Wir erfahren durch mehrere Dokumente, dass Tochter Agueda überall als «una buena mujer» verehrt wurde, auch des Lesens und Schreibens kundig war, was in damaliger Zeit und in den Kreisen der Eroberer sehr selten der Fall war. Ein von ihr gezeichnetes Dokument beweist, dass sie eine deutliche und schöne Handschrift besaß.

Macht und Reichtum nach war Blumen nun ein Fürst geworden, doch nach Jahren wurde er auch Schwiegervater eines geborenen deutschen Edelmannes, nämlich des Wormser Patriziers und Angehörigen der Dynastie des Kurfürsten von Sachsen-Wittenberg Peter Leisperberg, im spanischen Heer unter Pedro Lisperguer bekannt. Viele Jahre vor seinem Tod, am 11. November 1585, erlebte Bartolomeo Flores noch die Hochzeit seiner Tochter Agueda mit dem deutschen Edelmann und Ritter des spanischen Hofes.

Diesem Herrn Lisperguer oder Leisperberg wollen wir einen nächsten Beitrag widmen.

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