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jueves, 19. mayo 2022
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Kurt Herdan verstorben

Malen, weil es Spaß macht

Von Walter Krumbach

Mit 13 erkrankte er schwer an Scharlach. Zwei Monate lebte er daraufhin völlig isoliert von der Welt. Die Mutter pflegte und verwöhnte ihn. Sie besorgte ihm die Zeitschrift «Die grüne Post», eine kulturelle Publikation mit vielen Karikaturen. Kurt vertrieb sich fortan die Zeit, indem er sie mit dem Bleistift nachzeichnete. Diese Tätigkeit faszinierte ihn dermaßen, dass er entschied, sie zu seinem Beruf zu machen.

Die folgenden Jahre waren alles andere als einfach für Herdans. 1940 besetzte die Sowjetunion als Folge des Stalin-Ribbentrop-Vertrages die Bukowina, seine Heimat. Das bedeutete Verfolgung und Arbeitslager. 1944 entließ man ihn, worauf er an der Bukarester Kunstakademie studierte. Für eine Familie jüdischer Herkunft wie Herdans war Europa nun alles andere als erfreulich. Die Eltern wanderten nach Südamerika aus, Kurt folgte ihnen Anfang der 1950er Jahre und kam 1953 – nachdem er bereits sechs Staatsbürgerschaften angenommen hatte – nach Chile.

Zunächst arbeitete er mit dem Bildhauer und Dichter Totila Albert zusammen. An dessen Kunstakademie gab er Zeichenunterricht. 1955 eröffnete er seine erste Ausstellung im British Council. Er zeigte 28 Bilder, von denen er 21 verkaufen konnte, was ihn in seinem Vorhaben, in Chile zu bleiben, bestärkte.

Parallel zu seinem künstlerischen Schaffen unterrichtete Herdan an verschiedenen Hochschulen. Ab 1968 war er an der Escuela de Artes Aplicadas der Universidad de Chile tätig. 1975 ernannte ihn die Universidad de Chile zum Dekan der Kunstfakultät. Die gleiche staatliche Hochschule berief ihn zum Dozenten ihrer Architektur- und später ihrer Kunstfakultät.

Kurt Herdans Stil ist schwer zu definieren. Einige Kritiker ordneten ihn als Expressionisten ein, womit er gar nicht einverstanden war. Im Cóndor.-Interview meinte er im Jahr 2007 dazu: «Ich habe Wasser-, Öl-, Pastell- und Federzeichnungen gemacht.» Und: «Ich mache allerlei Mist, aber ich tue, was mir Spaß macht!» Ein wesentliches Motiv dabei war ihm der Blick aus dem Fenster: «Jeder Mensch sollte Anspruch auf ein Fenster haben. Das heißt, dass ich herausgucken kann und dass das Außen zu mir kommt. Es ist der Blick ins Freie, denn ich leide an Klaustrophobie, ein Erbe aus meiner Lagerzeit.»

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