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miércoles, 28. octubre 2020
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Franziskus’ Friedensmission beim Sultan

Erster Dialog zwischen Muslimen und Christen beim Fünften Kreuzzug

1219, inmitten des Fünften Kreuzzuges, begab sich Franziskus von Assisi auf eine Friedensmission ins Lager des Sultans Al-Kamil. Es war der erste interreligiöse Dialog zwischen Christen und Muslimen. Diese Begegnung vor 800 Jahren stellt uns die Bedeutung des Dialogs zur Konfliktbewältigung vor Augen.

Von Peter Downes

Nach dem Scheitern des Dritten Kreuzzuges (1187-1192), in dem der Sultan Saladin Syrien und Ägypten vereinte und Jerusalem einnahm, hatten die Kirche und die Kreuzritter erkannt, dass an einer dauerhaften Eroberung des Heiligen Landes nur gedacht werden konnte, wenn man zuvor den Muslimen eine vernichtende Niederlage in Ägypten und Syrien beibrachte. Denn nur so konnten die Eroberungen der Kreuzfahrer langfristig gesichert werden. Ein Hauptproblem der christlichen Staaten in Palästina, war deren mangelnde Zahl von dauerhaften Siedlern und die stets wechselnde Zahl von Verteidigungstruppen.

Franziskus und der Fünfte Kreuzzug

Papst Innozenz III. hatte 1213 in der Bulle «Quia maior» Werbung für einen neuen Kreuzzug gemacht und im Vierten Laterankonzil von 1215 die Christenheit zum Zug gegen die Muslime aufgerufen. 1217 machten sich Könige nach Akkon auf, so etwa Leopold VI. von Österreich, Andreas von Ungarn, Hugo von Zypern und vereinten sich mit Boemund IV.,
dem Fürsten von Antiochia, und dem König von Jerusalem Johann von Brienne, sowie den Ordensmeistern und Baronen. Das Hauptproblem dieses Kreuzzuges zeigte sich bereits bei den Verhandlungen über das Ziel der Expedition und der Frage nach der Gesamtleitung. Schon 1218 zogen sich nach Streitigkeiten einige der Könige aus dem Unternehmen zurück.

Es sollte sich noch weiter komplizieren als im Herbst 1218 die päpstlichen Kardinallegaten Robert Courson und Pelagius von Albano eintraten. Da Robert bald verstarb, verstand sich Pelagius als eigentlicher spiritueller aber auch militärischer Führer des Kreuzzuges und geriet so in Konflikt mit Johann von Brienne. Immer wieder kamen neue Kreuzfahrer, während andere die Heimreise antraten. Auch diese Fluktuation  der Kampfkontingente sollte starken Einfluss auf den Verlauf des Kreuzzuges haben. Auf muslimischer Seite stand zunächst der Bruder Saladins  Al-Adil, der von 1200 bis 1218 das aiyubidische Reich leitete. Seine Söhne regierten gemeinsam mit ihm das Reich: Al-Kamil Muhammad al-Malik (Ägypten), Al-Muazzam (Syrien und Palästina) und Al-Aschraf (in Obermesopotamien in Al-Dschazira). 

Ende Mai 1218 kamen die Kreuzfahrer zum bestimmten Angriffsziel, in die Stadt Damiette am Nildelta. Man hatte mit den Seldschuken eine Allianz geschlossen, die einen synchronen Angriff auf das aiyubidische Reich vorsah. Der seldschukische Angriff im Juni führte jedoch zu einer Niederlage, so dass die Kreuzfahrer nun auf sich gestellt waren. Der starrsinnige Kardinal Pelagius übernahm immer mehr die Führungsrolle.   

Verhandlungsbereiter Sultan

Franziskus von Assisi wollte schon zuvor ins Land der «Ungläubigen», wie uns Tmas von Celano in seiner Vita des Franziskus berichtet. So nahm er zu Pfingsten 1219 ein Schiff, das ihn nach Ägypten bracte. Mittlerweile hatten die Christen unter der Leitung des Kardinals Pelagius Damiette belagert. Ein Angriff auf das Lager Al-Adils am 29. August scheiterte jedoch. Diese Niederlage hatte Franziskus angekündigt und da beide Lager zudem von Krankheiten heimgesucht wurden und Al-Adil am 30. August verstarb, brachen innere Unruhen aus. So musste Al-Kamil rebellierende Emire und deren Truppen bekämpfen. In dieser Situation wurde ein Waffenstillstand ausgehandelt.

Diese Waffenruhe nutzte nun Franziskus, um sich zum Sultan zu begeben, der Verhandlungsbereitschaft signalisierte und den Kreuzfahrern sogar die Übergabe von Jerusalem und Befestigungen auf der linken Jordanseite in Aussicht stellte. Sogar das Heilige Kreuz wollte er aushändigen, obwohl dieses seit der Zeit Saladins verschollen war. Ob Al-Kamil lediglich Zeit schinden wollte, oder seine Herrschaft durch die inneren Unruhen in seinem Reich bedroht sah und deshalb verhandlungsbereit war, ist schwerlich zu klären. Sein Angebot wurde jedoch eifrig zwischen Johann von Brienne und dem Kardinal Pelagius beraten. Franziskus aber wollte die günstigen Umstände nutzen, um den Sultan persönlich aufzusuchen. Nach anfänglichen Bedenken, gab Pelagius der Bitte des Bettelmönches nach, jedoch ohne ihm eine offizielle Stellung eines Vermittlers zu erteilen. Er deklarierte Franziskus Mission als rein private Angelegenheit.  

Gebet und Predigt statt Gewalt und Krieg 

Es war kein ungefährliches Unternehmen, aber das störte Franziskus nicht, denn auf Gefahren war er eingestellt und zudem würde ein Martyrium die Krönung seines Lebens bedeuten. Als er und sein Begleiter auf sarazenische Soldaten stießen, stürzten diese sich wie Wölfe auf Schafe über sie und «behandelten sie mit Grausamkeit und Verachtung, stießen Schmähungen gegen sie aus, versetzten ihnen Schläge und fesselten sie. Übel zugerichtet wurden sie schließlich zum Sultan gebracht» (Bonaventura, Legenda Maior, Kap. IX). Al-Kamil erkundigte sich nach deren Begehren. So gab Franziskus ihm zur Antwort, dass er von Gott gesandt worden sei, um ihm und seinem Volk das wahre Evangelium zu verkünden. So predigte er dem Sultan unerschrocken und mit Geisteskraft, so dass er den Sultan beeindruckte und dieser ihm bereitwillig zuhörte «und drängte ihn, länger bei ihm zu bleiben».

Der Sultan war ein gebildeter Mann und an intensivem Gedankenaustausch interessiert; dies tat er auch später mit Kaiser Friedrich II. als dieser von 1228 bis 1229 mit ihm in Verhandlungen trat und den Kreuzzug ohne Kämpfe beendete. Auch der Bischof von Akkon, Jakob von Vitry – ein Zeuge des Kreuzzuges und wichtiger Chronist – berichtet von einer freundlichen Aufnahme von Franziskus beim Sultan. Franziskus meinte wohl auch durch ein Feuerwunder die Bekehrung des Sultans bewirken zu können, der war aber eher an der Praxis des Glaubens interessiert, nicht an einer Konvertierung zum Christentum. Vitry hält dazu fest: «Obwohl er den Sarazenen während mehreren Tagen das Wort Gottes predigte, richtete er nur wenig aus. Doch der Sultan, der König von Ägypten, bat ihn insgeheim, für ihn zum Herrn zu beten, damit er auf göttliche Erleuchtung hin derjenigen Religion anhängen könne, die Gott mehr gefalle». Über die Inhalte des Gespräches erfahren wir nichts. Während die älteren Quellen (Viten) zu Franziskus die Erfolglosigkeit des Unternehmens schildern, bauten spätere Texte, etwa die «Actus» und «Fioretti» mit viel Fantasie eine geheime Bekehrung und Taufe des Sultans durch zwei von Franziskus entsandten Brüdern ein.

Offenheit der Franziskaner gestärkt

Wichtiger als der gescheiterte Bekehrungsversuch des Franziskus ist aber die Wirkung dieser Begegnung auf die Einstellung des Franziskanerordens zur Mission. Langfristig hatte dieses Treffen mit dem Sultan die Offenheit des Ordens gegenüber Andersdenkenden und anderen Religionen gestärkt. In diesem Licht muss man auch die Missionen zu den Mongolen im 14. Jahrhundert sehen. Auch die franziskanische Praxis des Angelusläutens dürfte aus der Funktion des zum Gebet rufenden Muezzin erwachsen sein. Sowohl Franziskus wie auch der Sultan zogen Gebet und Predigt der Gewalt und dem Krieg vor. Die Kreuzfahrer aber entschieden sich schließlich nicht auf das Friedensangebot des Sultans einzugehen und so sollte sich der Kreuzzug noch drei Jahre fortziehen. Am Ende mussten die Kreuzfahrer aufgeben und Al- Kamil ging als Sieger hervor. Als der Kaiser Friedrich dann 1228 eintraf, wurde ein Frieden ausgehandelt, der auf lange Sicht aber den Kreuzfahrerstaaten keine Sicherung bot und daher sollten weitere kriegerische Auseinandersetzungen folgen.

Franziskus zog sich Ende 1219 aus Ägypten zurück und stattete vermutlich den Heiligen Städten einen Besuch  ab, bevor er über Syrien zurück nach Italien fuhr.

Papst Franziskus bei seinem historischen Besuch der Vereinigten Arabischen Emirate mit Scheich Mohammed bin Said Al Nahjan

Notwendigkeit des Dialogs

 Die Lehre aus dieser Begegnung vor 800 Jahre ist: Zuhören und miteinander sprechen, denn nur so dient die Kommunikation zur Konfliktbewältigung. Dies gilt nicht nur in religiösen Fragen, wie im interreligiösen Dialog, sondern auch in politischen und sozialen Fragen. Man muss beim Dialog immer offen sein und vom Gegenüber lernen. Ein Dialog verändert, man lernt hinzu und kommt zu neuen Erkenntnissen. Wer auf seine Positionen verharrt, steigert nur den Konflikt und die Spaltung in der Gesellschaft und zwischen Völkern. Aus der Demut, des Bekenntnisses und der Offenheit des Franziskus können wir lernen, dass aus Feinden Freunde werden können und aus dem Verständnis für den anderen, der Weg zum friedlichen Zusammenleben gebahnt wird..

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