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Mittwoch, 8 April 2020
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Schöne Bescherung: Geschenkebringer regional

Wer bringt die Geschenke: Weihnachtsmann oder Christkind?

Weihnachtsmann oder Christkind? Eine Frage des Wohnortes!

Wenn am Heiligabend Bescherung ist, hat in vielen Familien entweder der Weihnachtsmann oder das Christkind die Geschenke unter den festlich geschmückten Baum gelegt. Doch wie kommt es, dass im Norden  Deutschlands und in den südlichen Regionen sowie in Österreich und der Schweiz zwei so unterschiedliche Gabenbringer unterwegs sind? War Luther Schuld?

Von Stefanie Hornung

Das liegt am Reformationsgedanken Martin Luthers. Denn bis ins Hochmittelalter wurden Kinder nur am Nikolaustag oder am 28. Dezember, dem «Tag der unschuldigen Kinder» beschenkt. Luther wehrte sich gegen die Heiligenverehrung der katholischen Kirche und damit auch gegen Nikolaus von Myra, dessen Todestag der 6. Dezember ist. Die Geschenkeverteilung verlegte Luther im Jahr 1535 kurzerhand auf das heute noch gültige Datum am 24. Dezember. Doch wie wurde nun aus Nikolaus von Myra – dem bärtigen Bischof mit Krummstab und Mitra – das Christkind?

Nikolaus sollte wie viele andere Heilige auch nach dem protestantischen Weltbild zugunsten einer Fokussierung auf Gott selber in den Hintergrund rücken. Aus der Verkörperung Gottes in Gestalt seines Sohnes Jesus als Säugling in der Krippe entwickelte sich dann im Laufe der Jahrhunderte die Vorstellung, dass Christus jährlich zum Fest vom Himmel herabsteigt. Die Figur des Jesus-Säuglings wandelte sich in einigen protestantischen Regionen Deutschlands in ein engelhaftes Kleinkind oder Mädchen mit Krone und Goldlöckchen als Gabenbringer.

Weißwurst-Äquator als Grenze

Für die katholischen Kinder war aber weiter der heilige Nikolaus zuständig, der noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts am Nikolaustag zur Bescherung kam. Naturgemäß waren die südwestlichen Landesteile damit katholische «Nikolaus-Regionen» und die nördlichen und östlichen protestantische «Christkind-Regionen». Als ungefähre Trennlinie kann der sogenannte «Weißwurst-Äquator» gelten: Der Main ist klassische Demarkationslinie zwischen den Landesteilen, in denen Weißwurst traditionell gern (und viel) gegessen wird und dem Norden, in dem diese süddeutsche Spezialität weniger auf dem Speiseplan steht. Mit dem Bedeutungsverlust der Religion in der Bevölkerung im 19. Jahrhundert fand eine Brauchtumsangleichung statt. Weihnachtsmann, Krippe und Christkind zogen in die jeweils anderen Landesteile ein.

Erstaunlicherweise zeigt sich heute die Situation komplett umgekehrt: Das Christkind ist nunmehr überall in den südwestlichen Landesteilen Geschenkebringer, während der Weihnachtsmann in den ehemals vom Christkind besuchten Gegenden an Heiligabend auftritt. Auch den Kindern in der südlich von Deutschland gelegenen Schweiz und im katholischen Österreich bringt das Christkind bis heute die Weihnachtsgeschenke. Die Gründe dafür sind unklar. Der Kölner Professor für Theologie und Experte für Brauchtumsforschung Dr. Manfred Becker-Huberti in einem Zeitungsinterview dazu: «Das Christkind ist im 19. Jahrhundert quasi konvertiert.»

Aber egal, wer an Weihnachten die Gaben bringt – Hauptsache ist doch, dass ein jeder sich beschenkt fühlt. Und das kann manchmal auch einfach nur das Beisammensein mit der Familie bedeuten.

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