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Montag, 30 Marz 2020
Start Porträt Sabine Trapp - Leiterin der Deutschen Schule Sankt Thomas Morus

Sabine Trapp – Leiterin der Deutschen Schule Sankt Thomas Morus

Lehrerin mit Leib und Seele

Sabine Trapp, Leiterin der Sankt-Thomas-Morus-Schule, verabschiedet sich nach vielen erfolgreichen Jahren.

Sabine Trapp hat in den acht Jahren als Leiterin der Sankt-Thomas-Morus-Schule die deutsche Sprache und Kultur erfolgreich gefördert. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, die damals schon erfolgreiche Schule in eine  Deutsche Auslandsschule umzugestalten.

 Von Silvia Kählert

Als sich Sabine Trapp 2010 um den freien Posten der Schulleiterin an der Sankt- Thomas-Morus-Schule in Santiago bewarb, war wohl allen Entscheidern schnell klar, dass hier die ideale Kandidatin saß: Sie hatte als junge Frau mit einem lokalen Vertrag bereits drei Jahre als Lehrerin an der Deutschen Schule Santiago gearbeitet und war inzwischen  Rektorin einer Gesamtschule in Hofheim. Wer ihr schon mal in Santiago über den Weg gelaufen ist, fiel die schlanke Frau mit den  langen braunen Haaren bestimmt gleich ins Auge  – und es fällt schwer zu glauben, dass die vierfache Mutter auch bereits vierfache Oma ist.

In Córdoba in Argentinien hat sie auch schon einmal drei Jahre Deutsch unterrichtet, später war sie dann drei Jahre Lehrerin in San Sebastián im spanischen Baskenland. «Wenn einen das Virus des Auslandsschuldiensts mal erfasst hat, dann lässt er einen nicht mehr los», meint sie scherzhaft. Die Sehnsucht nach der Ferne entfachte bei ihr als Jugendliche die Heimatstadt Frankfurt: «Dies ist die Stadt mit der größten Vielfalt der Kulturen und entsprechend offen. Da ich immer schon sehr neugierig durchs Leben ging, gefiel es mir zum Beispiel, das Mittelmeer-Flair im Lokal der Eltern meiner griechischen Freundin zu erleben.»

Vor allem ist Sabine Trapp mit Leib und Seele Lehrerin. So kam es auch, dass sie nicht nur privat – als sie nämlich Zwillinge auf die Welt brachte -, sondern auch beruflich im Jahr 2002 im wahrsten Sinne des Wortes eine doppelte Herausforderung erlebte. «Ich wollte unbedingt in einem sozialen Brennpunkt unterrichten. Das war zu dem Zeitpunkt nur möglich, indem ich Stellen an zwei verschiedenen Schulen annahm», erzählt sie. 

Internationales Abitur im Schulkonzept

Es schreckte sie daher acht Jahre später auch nicht ab, als Schulleiterin der Sankt Thomas Morus Schule ab 2011 wieder eine schwierige Herausforderung anzunehmen. Sie sollte dafür sorgen, dass die Schule in Providencia als Deutsche Auslandsschule (DAS) anerkannt wurde. «Dabei muss man wissen: Hier gibt es fast zu 100 Prozent  rein chilenische Familien, ganz wenige haben einen deutschen Hintergrund», erklärt die Schulleiterin. Um als eine der rund 140 DAS weltweit anerkannt zu werden, müssen die Schüler sowohl deutsche als auch internationale und einheimische Schulabschlüsse erwerben können. Sabine Trapps Aufgabe war es, das Gemischtsprachliche Internationale Bacchalaureate (GIB) zu etablieren. Das wiederum bedeutete, dass für Fächer, wie Musik, Kunst, Geschichte und Biologie, deutschsprachige Lehrkräfte gefunden werden mussten. Nicht einfach, wenn schon in Deutschland Lehrermangel herrscht. Da kam Sabine ihre Offenheit und ihr Interesse für andere zugute. Bei der Feier zum  65-jährigen Bestehen der Schule begegnete ihr eine ehemalige Schülerin. «Sie konnte ich für den Deutschsprachigen Fachunterricht gewinnen und jetzt koordiniert sie den Bereich.» Hinzukamen noch andere deutschsprachige Lehrer. Auch die Thomas Morus Schulzeitung, die auf Deutsch und Spanisch erscheint, geht auf ihr Konto. «Wichtig ist mir auch, dass entsprechend Thomas Morus, dem katholischen Namenspatron der Schule, Werte, wie Toleranz, gegenseitiger Respekt und Einfachheit gelebt werden», unterstreicht sie.

Das Gesamtkonzept scheint bei den jungen Familien in Providencia gut angekommen zu sein:  «Allein die Nachfrage nach den 72 Plätzen in den Spielgruppen könnte das Zehnfache betragen», stellt sie nicht ohne Genugtuung fest.  Dass die Zahl der bisher 980 Schüler steigen würde, war ohnehin klar: Bereits seit einigen Jahren sind die unteren Klassen von zweizügig auf dreizügig  erweitert worden. Es musste also ein Anbau her. Die engagierte Schulleiterin fand einen Baufond beim Auswärtigen Amt, stellte das Projekt in Berlin vor und erhielt eine finanzielle Förderung von 50 Prozent. Nächstes Jahr können die zwölf neuen Klassenräume, die neue großzügige Kantine und das Auditorium bezogen werden.

Was den Abschluss des GIB angeht, hat sich Sabine Trapp auch international für ihre Schule eingesetzt und ihre Überzeugungskraft spielen lassen. Als Mitglied des dreiköpfigen Schulleitergremiums der 141 Schulen, davon 34 GIB-Schulen, war sie für die Anerkennung der Abschlüsse tätig. Bisher gab es oftmals Probleme damit. «Das ist seit vergangenem September anders», erklärt sie, «Die Kultusministerkonferenz hat die Abschlüsse der GIB-Schulen als gleichwertigen Abschluss mit dem Abitur anerkannt.»

Damit die Schüler auch nach dem Abschluss eine gute Berufsbildung erhalten, bieten zwei Lehrerinnen besonders intensive Studienberatung an der Schule an. Hinzu kommt der Besuch zweier Universitäten beim dreimonatigen Schüleraustausch nach Deutschland mit dem DCB. Voll Stolz kann sie daher feststellen: «Ein Viertel aller unserer Schulabgänger des letzten Jahres studiert jetzt  in Deutschland.» Allein vier Schüler haben in ihrer Amtszeit aufgrund ihrer sehr guten Leistungen vom DAAD ein Stipendium zum Studium in Deutschland erhalten. Die 58-Jährige kann also guten Gewissens ihr Amt an ihren Nachfolger in diesem Monat abgeben: «Das war mir wichtig, denn ich habe die Schulgemeinschaft hier sehr liebgewonnen.».

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