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Montag, 6 April 2020
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Umgang mit Stress

«Entspann dich!» – leichter gesagt als getan

Viel zu viel von allem – Stress kann krank machen.

Das passiert vielleicht zur Zeit Vielen: Termine können nicht eingehalten werden und man fühlt sich gestresst. Unsere Gesundheitsexpertin Nicole Erler ist dem Thema nachgegangen, wie der Körper dann reagiert und was man tun kann.

 Von Nicole Erler

Es ist 6.13 Uhr und ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht. Die Straßen sind voll, die Metro funktioniert immer noch eingeschränkt. Ich werde Stunden brauchen, um zur Arbeit zu kommen. Die Arbeit wird liegen bleiben, und ich halte meinen Termin zur Abgabe nicht ein. Dazu sind noch die Handwerker im Haus. Meine Nachbarin hat mir schon heute in der Früh per Sprachnachricht angekündigt, dass sie am Sonntag wieder zum Kuchenessen vorbei kommen will. Es reicht mir! Auch mein Kaffee kann mich heute Morgen nicht wirklich retten.

Was passiert da gerade in mir?

Stressoren, also Stress verursachende Faktoren, sind allgegenwärtig und damit nicht vermeidbar. Sie müssen nicht krankmachend sein, sondern können genauso gut gesundheitsförderlich sein. Denn es gibt neben dem negativen, sogenannten «Disstress», auch positiven Stress, der als «Eustress» bezeichnet wird. Ob die Stressfaktoren positiv oder negativ interpretiert werden, ist abhängig von ihrer subjektiven Bedeutung für eine Person sowie auch von der Verfügbarkeit von Ressourcen, also verfügbaren Mitteln, um auf die Stressoren zu reagieren.

Wie schätze ich die Situation ein, positiv oder negativ? Belastend oder sogar bedrohlich bis hin zu unkontrollierbar? Fühle ich mich der Situation gewachsen? Sehe ich Möglichkeiten, die Situation zu bewältigen? Bin ich freiwillig in dieser Situation? Wie lange werde ich dieser Situation ausgesetzt sein? Diese Aspekte spielen eine wichtige Rolle, um eine Stresssituation zu bewerten.

Von Hormonen überflutet…

Mir ist klar, dass bei meiner Reaktion gedankliche, emotionale und körperliche Aspekte eine Rolle spielen. Meine Stressoren sind offensichtlich, meine Reaktionen und die Symptome sind eindeutig: Angst, Schweißausbrüche und ein starkes Unruhegefühl  bei dem Gedanken, zu spät zur Arbeit zu kommen und Termine nicht einzuhalten. Bauchschmerzen und Hautausschlag, wenn ich an das Chaos denke, das die Handwerker hinterlassen werden. Herzrasen bis Schwindelanfälle, wenn ich an meine anstrengende Nachbarin denke. Mein Körper schüttet eindeutig jede Menge Stresshormone aus. Mir ist sogar so, als bekäme ich eine Denkblockade. Ich kann mich kaum noch konzentrieren. Die Hormone lenken mich. Das lasse ich nicht zu. Es gilt Handlungskompetenz zu entwickeln!

Bewusste Führung der Gedanken

Der Stresspegel hängt also von mir persönlich ab. Nur ganz nebenbei: Ein Kaffee ist tatsächlich schon eine erste Maßnahme. Alltagsrituale wie eine Tasse frischer Kaffee am Morgen, sind ein guter Beginn, um entspannt in den Tag zu starten. Es könnte auch eine heiße Dusche oder die Lieblingsmusik sein. Oder alles zusammen. Ein kleines Ritual am Morgen eben. Doch manchmal reicht das einfach nicht.

Ich kann die erste Reaktion meines Körpers nicht verhindern. Meine Gedanken allein bewirken eine Ausschüttung von Stresshormonen. Wichtig ist nun, die stresserzeugenden Gedanken zu lenken. Erst einmal hilft tief ein- und auszuatmen. Dann versuche ich, die Situation neu zu bewerten. Ich entferne mich von meinen ersten stressauslösenden Gedanken über meinen zeitintensiven Arbeitsweg, die Handwerker und meine Nachbarin und formuliere ganz bewusst neue positive Gedanken: Die Stadt ist im Ausnahmezustand, ich komme nie zu spät zur Arbeit, es ist in Ordnung, wenn es mir heute einmal nicht gelingt. Die Arbeit werde ich trotzdem bewältigen können, Termine kann ich verschieben. Die Handwerker werden Dreck machen, doch danach habe ich ein neues Badezimmer mit einer Badewanne. Der Nachbarin sage ich freundlich das Kuchenessen ab.

Entspannung, Natur und Pausen

Neben Sport und ausgewogener Ernährung stehen mir auch Entspannungstechniken wie Yoga, Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training, Meditation sowie Atem- und Achtsamkeitsübungen offen. Ich könnte auch mal wieder einen Ausflug machen, in der Natur wandern, ins Theater gehen, ein Museum entdecken oder Freunde zu einem Spieleabend einladen. Das macht mir Spaß.

Ach ja, und da ist noch ein Thema, das ich unbedingt berücksichtigen will. Der bewusste Umgang mit Zeit! Zeitmanagement ist eine wertvolle Methode, um Stress zu minimieren. Pausen und Ruhezeiten sind wichtig, um Energie aufzutanken. Ich nehme mir auch vor, demnächst zwischen meinen Terminen mehr Zeit einzuplanen, damit ich nicht abgehetzt beim einen ankomme, wenn es mit dem anderen länger dauert. Das gilt für mein Privat- und Berufsleben. Den Terminplan zeitlich lockern und Prioritäten setzen, das entlastet mich. Was ist mehr und was weniger wichtig? Das Kuchenessen mit der Nachbarin steht jedenfalls auf der Prioritätenliste etwas weiter unten. Ich buche mir lieber einen Yoga-Wochenendkurs. Denn es ist gut und wichtig, dass ich für mich und mein Wohlsein sorge!

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