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Mittwoch, 8 April 2020
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ProChile Innovation Summit in München

Chilenische Start-ups auf dem Sprung nach Deutschland

Erstmals hat die Exportförderagentur ProChile chilenischen Existenzgründern die Gelegenheit geboten, sich in Deutschland vor Investoren zu präsentieren. Der Cóndor war auf dem Innovation Summit in München dabei.

Wer die 3D-Brille der chilenischen Firma Yoy aufsetzt, taucht in eine virtuelle Welt ein. Im Cyber-Raum steht der Nutzer an einem Fließband und wird von einem fliegenden Roboter aufgefordert, als erste Übung Schachteln zu sortieren. Etwas unbeholfen erfolgen die ersten Bewegungen, und dann passiert auch schon ein gravierender Fehler: Mehrere Finger geraten in ein Laufband und sind ab! Glücklicherweise ist in der realen Welt die Hand noch dran. Aber unter echten Bedingungen hätte der Arbeiter im Werk die Betriebsvorschriften genau einhalten müssen, um einen solchen Unfall zu vermeiden.

Juan Reyes von Yoy war einer der Vertreter von zehn chilenischen digitalen Firmen, die sich und ihre Produkte am 9. und 10. Oktober in München auf dem «Innovation Summit» von ProChile präsentierten. Die staatliche Förderagentur hatte im Gründerzentrum Werk 1, das sich selbst als «Start-up-freundlichster Ort Münchens» bezeichnet, ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine gestellt: Diskussionen zur digitalen Transformation, Fachvorträge und Workshops, dazu Besuche bei Microsoft, dem BMW-Werk und der Europäischen Südsternwarte in Garching hielten die Teilnehmer auf Trab. Und dann gab es natürlich noch den Pitch, auf dem die Existenzgründer jeweils drei Minuten Zeit hatten, potenzielle Investoren von ihrer Geschäftsidee zu überzeugen.

«Ich hoffe, dass wir hier in Deutschland mit unserer 3D-Brille Interesse wecken und neue Geschäftspartner finden», erklärt Juan Reyes. Bisher haben Bergbaubetriebe und Logistikunternehmen in Chile die 3D-Brille als virtuelle Schulung für Arbeiten genutzt. Warum sollte es also nicht auch in Bayern Kunden geben?

Handelsvertretungen Bayern und Chile

«Chile ist einer der wichtigsten Handelspartner für Bayern in Lateinamerika», betonte Dr. Ulrike Wolf, Ministerialdirektorin des Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, in ihrer Begrüßungsansprache. Seit 2013 betreibt das süddeutsche Bundesland eine Repräsentanz für Südamerika in Santiago de Chile. Das lateinamerikanische Land hat wiederum im Februar dieses Jahres seine Handelsvertretung in München aufs Neue eröffnet. Ein reger Handelsaustausch besteht also schon. Das bilaterale Volumen betrug 2018 mehr als 430 Millionen Euro.

Doch ProChile hat nun bei den kleineren, jungen Digitalfirmen angesetzt. Im Dezember 2018 organisierte die Agentur zunächst in Miami und dann im April dieses Jahres in Peking einen «Innovation Summit». Jetzt war München an der Reihe. ProChile-Direktor Jorge O´Ryan Schütz: «Wir wollen, dass innovative Unternehmen aus Chile möglichst stärker internationale Märkte erreichen und dort erfolgreich sind.»

Neben Juan Reyes möchten auch Christian Struve und Ricardo Román den Sprung zu konkreten Aufträgen aus der deutschen Wirtschaft vollbringen. Ihre Firma Fracttal bietet eine Cloud basierte Instandhaltungssoftware an. Sie hatten bereits eine Woche zuvor an der dreitägigen Gründerkonferenz «Bits & Pretzels» teilgenommen, bei der sich die Start-up-Szene ein Stelldichein während des Oktoberfestes gibt. Auf der Messe hielt der ehemalige US-Präsident Barack Obama die Eröffnungsrede. Seit 2014 findet «Bits & Pretzels» statt, die Teilnehmerzahl wurde mittlerweile auf 5.000 Gäste limitiert. Mit dabei als Redner sind nicht nur die CEOs von Adidas, Infineon und Eon, sondern auch Weltfußballer und Filmstars.

«Diese Gründertreffen sind eine neue Art, Innovationen voranzubringen und Arbeitsplätze zu schaffen», versichert Christian Velbinger, der auf dem ProChile «Innovation Summit» eine Diskussionsrunde moderierte. Der Deutsch-Peruaner organisiert das Start-up-Treffen «The Royal Jungle», das im vergangenen Jahr in der BMW Welt in München stattfand. Aber auch in anderen Locations rund um den Globus finden seine Treffen statt. Berühmte Tech-Unternehmer erzählen dabei ihre Story vor 1.000 ausgewählten Gästen – Tickets kann man nicht kaufen, sondern sich nur darum bewerben. Bei DJ-Musik und Drinks an der Bar kommen so Top-Sponsoren mit Top-Talenten zusammen und klügeln vielleicht ein zukünftiges sogenanntes Einhorn aus – ein Start-up, das noch vor dem Börsengang mit einer Milliarde US-Dollar bewertet wird.

Rahmenbedingungen schaffen

Silicon Valley in Kalifornien hat es vorgemacht, wie bei optimalen Rahmenbedingungen aus Wissenschaft, Forschung und Geldgebern solche Erfolgsgeschichten wie Apple, Google und Tesla möglich sind. Gefragt sind Risikobereitschaft bei gleichzeitiger Erwartung eines hohen Wachstumspotenziales, flache Hierarchien, Flexibilität, Pioniergeist und moderne Technologien – ein verheißungsvoller Mix, der sicherlich den Hype um die Start-ups erklärt.

Christian Velbinger warnt aber vor zu hohen Erwartungen. Weltweit würden etwa 90 Prozent aller Start-ups scheitern. Das sei jedoch ganz normal. «Nicht jede neue Idee kann erfolgreich sein.»

Mitunter sind es auch Bürokratie, gesetzliche Hürden und sogar Sprachbarrieren, deren Überwindung einige Anstrengungen kosten. Auf die Frage aus dem Publikum, ob Englisch nicht ausreichen würde, um in Deutschland geschäftlich Fuß zu fassen, erwiderte Marcela Zúñiga, Country Managerin beim chilenischen IT-Unternehmen Forcast: «Am Anfang langt Englisch. Doch wer wirklich einsteigen und länger bleiben will, der muss Deutsch lernen.» – Keine leichte Aufgabe, wie sie später dem Cóndor gegenüber verriet.

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